LochBrrrrrrrrrrr live aus dem Tempodrom 2026 (III)

Posted on February 01, 2026 by Kathi

Ein gefährliches Thema haben wir bisher ausgelassen – und das ist eigentlich untypisch für die LochBar: Es war und ist eisig auf den Gehwegen in Berlin. An der Straßenecke vor dem Tempodrom kann man Eislaufen. Curling trifft Snooker. Trotz Bronze für Deutschland bei den World Games hat es bisher mit dem olympischen Traum von Snooker ja noch nicht geklappt – vielleicht sollten wir es bei den olympischen Winterspielen versuchen! In Vorbereitung einer Marketingkampagne folgt deshalb nun die Polarausgabe der LochBar.

Unverfroren: Das Schild von Trainingstisch 1 ist verschwunden. Kannste dir nicht ausdenken. Da war keine Unterschrift von Ronnie drauf und auch Ishpreet Singh Chadha hat kein “Ishpreet was here” draufgekritzelt. “Practice Table 1” kann sich nun jemand stolz über seinen Tisch hängen. Ich habe die VIP-Gold-Tour im Verdacht. Als hätten die traumhaften Lachshäppchen nicht gereicht.

Speiseeis: Zehn Jahre ist es nun her, dass Martin Gould den German Masters Titel im Tempodrom geholt hat. Martin, der ja mittlerweile seit einiger Zeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr spielen kann, hat die Jahre im Tempodrom geliebt. Was haben wir bei einem von ihm expertenhaft zubereiteten Tee blöde Witze über gemeinsames Eisessen bei Minusgraden gemacht. Dabei gab es sogar Eis im Tempodrom direkt vor unserer Nase – wir haben es nie auf die Reihe bekommen. Hoffentlich nächstes Jahr! Hoffentlich in irgendeinem Jahr.

Was ist denn das plötzlich für Top-Merch am althergebrachten Merchandise-Stand im Foyer? Vorbei sind die Tage des Kühlschrankmagnetsets mit einem Foto vom achtzehnjährigen künftigen German Masters Rekordchampion Judd Trump. Jetzt gibt es ernsthaft schöne T-Shirts, moderne Tassen ohne Staubschicht und extrem weiche Team-Hoodies. Willkommen im Jahr 2026.

Cool wie der Eiswürfel im Cocktail mit Schirmchen ist der Hallenkommentar von Daniel Schneider: “Judd, du brauchst dir Blau gar nicht angucken, Rot läuft da eh grad davor.” Wie kein Zweiter schafft Daniel es, mit seinem Kommentar Tempodromatmosphäre unberührt wirken zu lassen. Er begleitet das Geschehen, ohne die Glasscheibe eines Fernsehbildschirms zwischen die Zuschauer und den Tisch zu schieben. Da darf man sich auch als Gelegenheitsfan mal fühlen wie ein Spieler mit Spielverstand. Und für den einen oder anderen Snooker-Landesliga-Witz war zum Glück auch noch Zeit. Ich hoffe von Herzen, bei Eurosport hat jemand zugehört.

Eiskalt: Shaun Murphy erstarrt im Sitz, anstatt nach dem Stoß von Neil Robertson an den Tisch zu gehen. Er möchte uns etwas mitteilen. Mit größmöglicher Dramatik. Damit das wirkt, darf er nicht einfach normal sitzenbleiben. Da darf sich wirklich kein Muskel im ganzen Körper bewegen. Kein leichtes Zucken eines Fingers. Kein angedeutetes Aufstehen mit Abbruch der Aktion. Nein. Das ganze Tempodrom muss wissen: Shaun Murphy denkt nicht einmal daran aufzustehen. Doch was ist es denn, was er uns mit Körpersprache entgegenbrüllen will? Er scheint not amused zu sein. Nach einigen Momenten der unnötigen Unklarheit stellt sich heraus: Dass große Leinwand Bilder vom Tisch anstatt des Scores zeigt, ist inakzeptabel. So kann er nicht arbeiten. Es dauert etwas, aber dann ist alles korrigiert und diese Eisscholle ist an uns vorübergezogen.

Tiefgekühlt war mein gehässiger Abschiedsblick an Mark Allen, als der 2025-Tempodromlästerer und ich uns nach seinem applausbefreiten Rauswurf aus dem Turnier im Hotel die Klinke in die Hand gegeben haben. Er hat ihn allerdings nicht bemerkt. ;)

Eistorte: Das Snookerstars-Team trifft sich hinter den Kulissen in der ziemlich eiskalten Küche für kurze Momente des Beisammenseins und des Verweilens in all dem Trubel. So auch zum Geburtstag von Rudi, dem Vater von TC. Jedes Jahr fällt sein Geburtstag in die German-Masters-Woche – und nie hält ihn das vom Mithelfen ab. Und immer gibt es eine hervorragende Torte. An dieser Stelle herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, lieber Rudi! Und herzlichen Dank an das ganze Team, dessen Engagement alle an jeder Ecke spüren und das doch – oder gerade deshalb – nicht in Worte zu fassen ist. Und wenn du denkst, herzlicher geht es nicht mehr, kommt von irgendwo TC mit VIP-Häppchen für Christian und mich daher.

Auftauen könnte das Tempodrompublikum einen Eisberg, da ist sich wohl die ganze Snookerwelt einig. Die Wärme und der Enthusiasmus, die den Spielern und auch unserem Starschiedsrichter Marcel entgegenstörmten, ließen sie förmlich in die Arena schweben. Auch wenn der Gleichistshowtimebeimsnooker-Ankündigungstune nicht mehr ganz so cool und tanzbar ist wie in vergangenen Jahren – wenn das Tempodrom klatscht, hört ohnehin niemand mehr irgendeine Musik. Nur das Zauberkonzert vom singing cameraman Jim vor der ersten Session hat hoffentlich jeder hier vor Ort gehört. Es war magisch, unten in der Arena zu stehen und einfach mal ganz snookeruntypisch (mit wenigen bekannten Ausnahmen) zu tanzen. Jim spielte fantastische selbstgeschriebene Musik, nur er und seine Gitarre ganz bescheiden am Rand der Arena. Gänsehaut und Grinsen überall – ein fantastischer Moment für uns alle, um loszulassen, bevor der Ernst des Tages dann begann. Und dann kam ja erst die große Snookersymphonie des Finals.

Kathi