Es war ein unterhaltsamer Beginn der Session, habe ich mir sagen lassen. Aber ich war am Viertelfinalfreitagabend im Tempodrom, der nicht mehr das ist, was er mal war, aber sehr schön ist, so wie er jetzt ist, erst einmal zu glücklich zum Snookerschauen. Da saß ich gemütlich zwischen Christian und Lula in einer ganzen Blogger-Reihe. Mit bester Sicht auf beide Tische, die Kommentatorenbox von Daniel und die Steward-Position von Julian – von hier und dort winken dann noch andere bekannte Gesichter auf der Tribüne. Mehr Snookergemeinschaft geht gar nicht. Was für eine Freude!
Zum Glück wurde ich durch das Gestöpsel von Neil und Jimmy Robertson dann wieder jäh in die Match-Realität zurückgeholt. Die beiden spielten für uns als Star-Neuzugänge des Laientheaters Berlin Mitte die Komödie “Blau blüht der Enzian, aber fallen tut er nicht” in drei Akten. Lochversuche gingen so schief, dass nicht einmal die verdiente Chance für den Gegner liegenblieb. Als solche geplante Safeties waren so schlecht, dass der Gegner vor lauter Gruseln die Chance nicht nutzte. Am unerklärlichsten war es letztlich, dass Jimmy überhaupt einen Frame gewonnen hat. Es war zum Genießen, aber auf die unfreiwillige und auch irgendwo unerklärliche Art und Weise. Und deshalb einfach viel lustiger, wenn man zusammen drüber lachen kann.
Und auch an den letzten beiden Turniertagen dürfen wir so beisammensitzen, denn es gibt dieses Jahr zum allerersten Mal ganz offizielle Presseplätze für uns. Unsere Stammreihe oben an der Seite über dem Eingang hat der liebe TC freigehalten – ein absoluter Luxus, der uns die Arbeit natürlich sehr erleichtert. Aber keine Sorge, es gibt auch so noch ein paar Tickets für Kurzentschlossene. Und schlechte Plätze gibt es im Tempodrom sowieso nicht. Aber im Taxi dorthin gibt es die. Wenn man hinter einer Demo im Stau steht wie Shaun Murphy kurz vor seinem Halbfinale. Neil Robertson war einfach so spät dran. Paul Collier ist als Turnierdirektor einiges gewöhnt und macht einiges mit mit seinen Snookerdiven. Er holt sich erst einmal einen Kaffee.
Und doch konnte er pünktlich starten, der Halbfinalsamstagnachmittag. Der sich nie wie ein Nachmittag anfühlt, denn es ist dunkel und gemütlich im Tempodrom. Das findet auch eine 1,5 Kilo schwere und waschlappengroße Wespe, die sich unter dem Tisch versteckt und von Olivier Marteel und dem Snookerstars Team gejagt wird wie die Trophäe von den Spielern. Ohne Kontext liegen da zwei Typen mit Servietten in der Hand auf dem Boden neben dem Tisch, von dem die Fans gerade begeistert Fotos machen. Ein Snookerstillleben für die Ewigkeit.
Und dann beginnt die Walk-On-Lichtershow und die Stimmung ist plötzlich viel zu gut für einen Samstagnachmittag – mit Standing Ovations für beide Spieler. So eine legendäre Atmosphäre gibt’s doch sonst nur abends beim Bruce Springsteen Konzert oder nachts um 3 im Club, und damit meine ich ausnahmsweise keinen Snookerclub. Außer bei “Deutschland spielt Snooker” natürlich. Im Tempodrom zeigt sich jedenfalls einmal mehr “Deutschland liebt Snooker”.
Kathi