Die Hearn-News in Kürze

World-Snooker-Chef Barry Hearn hat auf seiner alljährlichen Pressekonferenz während der Weltmeisterschaft mal wieder einige Neuigkeiten angekündigt.

Inzwischen feste Tradition, erwartet man die von Hearn stets zur WM präsentierten Neuerungen sowohl mit einem gespannten als auch ängstlichen Blick, denn längst nicht alle vorgesehenen Dinge werden von Fans, Spielern und Beobachtern als sinnvoll eingestuft. Doch der Reihe nach:

Größte Ankündigung ist sicherlich das mal wieder stark steigende Preisgeld. Nicht nur bei der Weltmeisterschaft wird das ausgeschüttete Preisgeld von £1,97 Mio auf insgesamt £2,25 Mio steigen. Über die gesamte Saison wird sich das Preisgeld auf 15 Millionen Pfund belaufen, was eine Steigerung von knapp einer Million im Vergleich zu dieser Saison ist. Allein der Sieger der Weltmeisterschaft 2019 erhält einen Scheck in Höhe von £500.000, also nochmal 75.000 mehr als dieses Jahr. Das Fernziel bleibt, das Preisgeld für die gesamte Saison auf £20 Mio zu steigern.

Es wird weitere Anpassungen bei den Preisgeldern in der neuen Saison geben. Diese sollen sich aber weitgehend auf die frühen Runden eines Turniers beschränken. Damit soll vor allem niedriger platzierten Profis das Leben auf der Main Tour erleichtert werden.

Auch Änderungen bei den Turnieren sind angekündigt worden. Zum einen ist man in Gesprächen, um weitere Ranglistenturniere in den Kalender zu bringen, dies allerdings zu entsprechenden Konditionen. Einfach nur Turniere um der Turniere willen wird es nicht geben. Ein neues Event ist allerdings bereits bekannt: Die so genannte Tour Championship wird Teil der von ITV übertragenen Turniere und folgt vom Format her auf den World Grand Prix und die Players Championship. Die Top 8 der 1-Jahresrangliste werden dort den Sieger unter sich ausmachen, wobei die Matches über Best of 17, 19 und 25 ausgetragen werden. Die Preisgelder belaufen sich auf £100.000 für den Sieger des World Grand Prix, £125.000 für den Sieger der Players Championship und £150.000 für den Sieger der Tour Championship. Zudem wurde der Vertrag mit ITV gleich mal bis zum Jahr 2020 verlängert.

Eine gute Nachricht ist sicherlich auch, dass das Shoot-Out weiterhin gesichert ist und in den nächsten sieben Jahren auf Eurosport übertragen wird. Obwohl das Format vor allem bei Traditionalisten nicht nur auf Zustimmung stößt, will Hearn das Entertainment-Turnier weiterhin dabei haben.

Weniger gut ist die Nachricht, dass man sich künftig die durchschnittlichen Stoßzeiten genauer anschauen will und alle drei Monate die langsamsten Spieler öffentlich "angeprangert" werden. Diese sollen damit die Gelegenheit bekommen, ihr Spiel dem Entertainment-Faktor von Snooker anzupassen. Hearn meint, langsame (taktische) Frames werden im Schnitt nicht ins Gewicht fallen und sich ausbalancieren. Das Projekt läuft zunächst für 12 Monate und wird dann ausgewertet. Zukünftige Verwarnungen oder gar Strafgelder schließt Hearn nicht aus.

Als letzten Punkt nahm sich Barry Hearn die Vermarktung und vor allem die Sponsoren vor. Diese stünden Schlange, was ungewöhnlich für die meisten Sportarten ist. Hearn gibt zu, dass es natürlich weitgehend Wettanbieter sind, weil diese wiederum viel Geld mit Snooker einnehmen können, doch man schaut sich auch nach Möglichkeiten abseits des Glücksspiels um.

In Zukunft möchte World Snooker vor allem die digitale Vermarktung forcieren, um Snooker in breiterer Form und in Ländern zu präsentieren, wo es bislang nur Nischensport ist. Hearn denkt dabei an die gestiegene Anbieter-Anzahl (Facebook, Amazon, PlayStation, Netflix, etc.) und führt an, dass die diesjährige Weltmeisterschaft von ungefähr 500 Millionen Menschen verfolgt wird.

Erneut hat Barry Hearn also mit seiner Pressekonferenz für einige Neuigkeiten sorgen können. Während viele davon sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung sind, muss man zwangsläufig auch ein paar Sachen kritisch sehen. Das gestiegene Preisgeld wird sich irgendwann auf den Status bestimmter Turniere auswirken und ob das Masters und die UK Championship in wenigen Jahren noch die gleiche Bedeutung wie jetzt haben, wird sich zeigen. Auch die "Überwachung" der Stoßzeiten (immerhin denkt man anscheinend noch nicht über eine Shot Clock nach!) versucht ein Problem anzugehen, was es meiner Ansicht nach gar nicht gibt. Doch hier hilft nur abwarten - die neue Saison wird zeigen, wohin der Weg geht.