40 Jahre LochBar! Die WM 2017 (5)

Avatar of KathiKathi - 22. April 2017 - LochBar

Die LochBar wird einmal mehr ins Crucible verlegt – schaut vorbei, ihr seid herzlich eingeladen.

Freunde, jetzt bin ich wieder zuhause, vermisse meinen Lieblingsarbeitsplatz und habe zum Glück noch ganz viele Notizen übrig. Von daher bekommt ihr an dieser Stelle eine Sammlung von lustigen / spannenden / emotionalen / saublöden Momenten in unbestimmter Reihenfolge. Und weil nicht nur Ronnie Schlagzeilen verdient, gibt es pro Geschichte eine dazu:

Schweigen im Crucible – beim Snooker passiert schon wieder gar nichts

Einer der spannungsgeladensten Entenpellemomente passiert im Crucible schon vor Beginn einer jeden Session. Der Kameramann sagt ein leises “Refs out please, Rob” in Richtung MC und Rob Walker bittet sogleich die Schiedsrichter in die Arena. Danach: komplette Stille. Rob begibt sich auf seine Position und alle Anwesenden schauen gespannt auf die erhobene Hand des Kameramanns. Dann passiert erst einmal nichts. Manchmal passiert gefühlt sehr lange nichts. Manchmal so lange, dass Rob sein Grinsen noch einmal ausschütteln muss. Aber irgendwann winkt der Kameramann endlich ab – “Thanks, Hazel…” und den Rest der Geschichte kennt ihr.

LochBar-Sponsor gesucht – reden wir über teures chinesisches Wasser

Die beste Olympiabewerbung für Snooker war in der ersten Runde definitiv die Partie von John “Am liebsten würde ich mein Wasser direkt aus dem Eiswürfelbehälter trinken, dann würden alle Eiswürfel mir gehören” Higgins und Martin “Ich trink eh lieber aus der Flasche” Gould. Wenn wir zu Olympia wollen, muss Snooker ja richtig nach Sport, nach Arbeit, ja nach Anstrengung aussehen. Gut, dass es John Higgins gibt. Sobald er sich halb auf den Tisch wuchten oder auch nur die Queue-Verlängerung aufheben muss, laufen ihm Schweißperlen über die Stirn. Und er macht so ein Geräusch, als würde man einen Blasebalg langsam zusammendrücken. Da wird die Snooker-WM nicht nur metaphorisch zum Marathon.

Opa im Publikum, Enkel im exklusiven Drei-Centuries-Club – Kelly-Family goes Snooker

Es war einer der aufrichtig emotionalen Momente in der Arena, als Stuart Carringtons Opa begrüßt wurde, der wohl so ziemlich alle Spiele seines Enkels ansieht. Nicht nur war ich deshalb sofort auf Stuarts Seite, was das Match anging. Ich habe mich vor allem wahnsinnig für ihn gefreut, dass er eines der wichtigsten Matches seiner Karriere mit seinem Großvater teilen konnte. Was würde ich dafür geben, mich bei meinem Opa mit einem Glas Cola light (immer extra für mich im Kühlschrank) auf die Couch setzen zu können und ihm von meinem Crucible-Abenteuer zu erzählen, während wir gemeinsam die Nachmittagssession gucken…

Diebstahlskandal überschattet Snooker-WM – wo ist der grüne Teppich von der 40-Jahr-Feier hin?

Er war jedenfalls leider am Samstag schon wieder weg, obwohl er doch der perfekte Untergrund für die Selfies der Fans und Unterwäschefotos der Spielerfrauen gewesen wäre. Unbestätigten Gerüchten zufolge wurde Peter Ebdon in der Nacht zuvor mit Messer und Gabel auf dem Platz vor dem Crucible gesichtet.

Erdnussdrama im Presseraum – ist das unsere journalistische Zukunft?

Im Medienzentrum kann jederzeit alles passieren. Manchmal läuft Rob mit einer Gruppe Touristen durch und zeigt auf die Pressevertreter wie auf exotische Zootiere. Zugegeben, am Morgen nach einer langen Abendsession sehen wir auch so aus. Oder ein Haufen BBC-Leute stürmt herein, schließt die Fensterblenden und verteilt überall rote Scheinwerfer für irgendein Feature, das irgendwann gedreht wird. Kurzum, man kann jederzeit beobachtet werden. Und wäre bei Stuart Binghams World-Snooker-Interview mit Rob Walker nicht eine Säule im Weg gewesen, hättet ihr im Hintergrund beobachten können, wie ich mit angestrengten Grimassen à la John Higgins vergeblich versuche, ein Päckchen Erdnüsse aufzukriegen. Irgendwann klappt es dann doch und ich verteile sie gleich großflächig auf dem Tisch. Ach ja, und irgendwann bemerke ich, dass da gedreht wird. Auch diese Grimasse wäre sehenswert gewesen.

Ja sind wir denn beim Shootout – Publikum pöbelt ganz ohne Ronnie

Montagnachmittag war eine schmerzhafte Session für mich. Nicht nur, weil ich Martin Gould beim konsequenten Bälleverschießen zusehen musste und nach dem Interval einen gefühlten halben Tag beim Murphy-Bingtao-Match festsaß. Ich war auch zum ersten Mal enttäuscht vom Crucible-Publikum. Am schlimmsten war es am Murphy-Tisch vor dem Interval, also konnte ich die Misere nicht sehen, sondern nur hören. Da klingelte dreimal dasselbe Handy. Die Zwischenrufe waren auf “Gawwwwannnn Ronnie”-Niveau (hat das vor der Session nicht sogar einer gerufen?) und zwischen den Frames herrschte ein extremer Geräuschpegel. Und das alles ausgerechnet bei der entscheidenden Session von Maike Kesselers Debutmatch, das ansonsten wahnsinnig entspannt und flüssig lief. Wie gesagt, ich saß am anderen Tisch - aber von dort hatte ich den Eindruck, dass es zwischen den Frames auch dann nicht leiser wurde, wenn Maike (ihrerseits ziemlich leise) um Ruhe bat. Und Zheng Weili konnte sich erst gar nicht dazu motivieren, etwas in die andere Arenahälfte rüberzurufen. Dass ungefähr die Hälfte des Publikums gegen Ende der Chaoten-Session auf der Seite von Yan Bingtao war, wirkte dann quasi als Schmerzverdrängungsautomatensystem: Der Junge hat es sich echt verdient.

Geht das denn mit rechten Dingen zu – Fans von Fu hypnotisiert

Von Marco Fus Comeback wird man noch lange sprechen, zumindest solange Marco noch im Turnier ist. Ich habe nur den Anfang dieses Comebacks in der Arena verfolgt, aber der war schon magisch genug. Erster Frame der zweiten Session, Marco kommt an den Tisch und spielt ein 75er Break. So viel Klasse, so viel Eleganz. Und das Ganze begleitet von Paul “The Voice” Colliers Zählrhythmus. War das noch Snooker oder war das schon Kunst? Bei so einem wundervollen Break fließt immer eine ganz besondere Energie durchs Crucible – aber mit solchen Energien kennt sich unser Heiler in spe, Peter Ebdon, besser aus als ich.

Und abschließend:

Im Namen des Falken – die Ritter der Hawkeyerunde

Ihr kennt das, Peter Ebdon hat mal wieder einen Gnadenlos-Snooker gelegt und der Gegner ist auf der Bananenschale ausgerutscht. Jetzt geht die Aufräumarbeit los. “Hawkeye please” flüstert der Marker in ein Headset und nach kurzer Zeit erscheint ein Bild des Tisches auf einem riesigen Bildschirm. Aber mit wem spricht der Marker da eigentlich? Olivier Marteel hat mir das netterweise erklärt. Draußen vor dem Crucible sitzt im Ü-Wagen tatsächlich einer, der den ganzen Tag nichts zu tun hat, außer Snooker zu schauen und auf Nachfrage auf den Hawkeye-Knopf zu drücken. Die Aufnahme läuft nach jedem Stoß eh automatisch und so gesehen klingt das nach einem – nun ja – klar umgrenzten Job.

Mein Job in Sheffield war leider auch klar umgrenzt und mittlerweile bin ich wieder zum Sofazuschauer geworden. Wie jedes Jahr hatte ich eine phänomenale Zeit im Crucible – ein großes Dankeschön an dieser Stelle an Ivan von World Snooker für die Einladung und an die vielen Menschen, die meinen Ausflug vom Century zum Maximum gemacht haben!

Kathi

P.S.:

Zum Glück habe ich es diesmal geschafft, ein paar Dinge aus dem Crucible mitgehen zu lassen (muharharhar).

Vier Souvenirs habe ich heimlich unter meinen Worteinsendern verlost und die glücklichen Gewinner sind:

@Laptopjunkie

@4b73cb

@FSpottog

@Julian81295

Yay! Wenn ihr euren Gewinn tatsächlich haben möchtet, schickt mir doch bitte auf Twitter eine Privatnachricht mit eurer Adresse – euer Souvenir ist auch nicht das Nacktfoto von Mark King aus dem WM-Programm, versprochen! ;-)