40 Jahre LochBar! Die WM 2017 (3)

Avatar of KathiKathi - 16. April 2017 - LochBar

Die LochBar wird einmal mehr ins Crucible verlegt – schaut vorbei, ihr seid herzlich eingeladen.

Auf einmal lag da so ein kleines glitzerndes Teilchen auf dem sonst so akkurat abgesaugten samtigen roten Teppich. Gar nicht weit weg von Tisch zwei, vor der Nachmittagssession am Samstag. Vielleicht war es ein Stückchen Klebeband, vielleicht auch ein bisschen gefrorenes Erythrozytenkonzentrat. Aber es glitzerte so schön im Scheinwerferlicht, dass es für mich eines von den magischen Glitterstreifchen war, die nach dem Finale immer von der Decke fallen. Es ist passenderweise ein paar Tage zu früh gelandet.

Denn das Match von David Grace gegen Kyren Wilson war für mich so etwas wie das Finale 2017. Gerade ist es zu Ende gegangen – mit dem besseren Ende für Kyren, den ich sehr schätze. Es war ein besonderes Spiel mit vielen wundervollen Momenten für Team DG. Schon, als er von Rob in die Arena gerufen wurde (und ich ausnahmsweise ein nicht ganz neutrales “COME ON DAVID” reingerufen habe), war klar: Der wird jede Minute genießen und das Resultat ist völlig zweitrangig. Wir haben uns ganz kurz angeschaut nach dem Motto “das ist es jetzt” und dann ging sein allererstes Crucible-Match los.

Und ich muss sagen: Nachdem ich jetzt jemanden hier spielen gesehen hab, den ich gut kenne, frage ich mich, wie irgendjemand in dieser Arena einen Ball lochen kann. Ernsthaft, wie die Spieler in dieser superintensiven Umgebung ihre Aufregung unter Kontrolle halten, verdient Respekt.

Wenn wir schon beim Respekt sind: Noch mehr Respekt verdient Davids Leistung. Er hat wirklich mitgespielt. Und das Century erst! So überwältigt war ich zuletzt, als damals das Reiberdatschirandgebiet reformiert wurde. Okay, und gerade eben, als ich Davids Tweet über mich gelesen habe. Wow. Einen netteren Menschen findet man auf der Tour eigentlich nicht. Paul Collier vielleicht noch.

Wenn wir schon bei den Schiris sind: Zheng Weili hätte fast etwas geschafft, was vor ihm noch niemand erreicht hat. Fragt man die Schiedsrichter, was im Crucible die größte Herausforderung ist, sind sich eigentlich alle einig. Niemand will um der Snookergötter Willen der Erste sein, der jemals die Treppe in die Arena hinunterfällt. Nun ja, Zheng Weili hätte das wirklich fast geschafft. Dafür braucht er im Gegensatz zu Jan Verhaas keine deutschen Snookerblogger, um seine Wasserflasche auch mit Handschuhen aufzukriegen.

Wenn wir schon bei der Verpflegung sind: Leider hat der Ostereiersuchmaschinenreparaturmonteur mit der vielen Berufserfahrung hier im Crucible nicht durch die Tür gepasst – deshalb hat Rob heute Morgen die Eier einfach verteilt statt versteckt. Nicht, dass auf einmal Peter Ebdon hinter einem nichtveganen nichtgefundenen Ei gesnookert worden wäre. Die Schokoeier waren wirklich eine nette Geste und machten die Atmosphäre vor DGs zweiter Session sogar noch feierlicher.

Ich sag es einfach noch einmal – dieses Match war etwas ganz besonderes. Man sieht ja nicht alle Tage jemandem dabei zu, wie sein großer Traum wahr wird. Also, ihr merkt schon, dieses Jahr ist zum ersten Mal offiziell ein Team bei der WM angetreten. Wir haben vielleicht verloren - aber was David gleich nach dem Match zu mir sagte, bringt es auf den Spot: “Wenigstens waren wir im Crucible!”

Und es war ein Fest.

Kathi