40 Jahre LochBar! Die WM 2017 (2)

Avatar of KathiKathi - 16. April 2017 - LochBar

Die LochBar wird einmal mehr ins Crucible verlegt – schaut vorbei, ihr seid herzlich eingeladen!

“And another year begins”, sagt Rob Walker am Samstag um kurz nach 9 Uhr, als die Arena noch ganz leer ist – von ein paar Schiedsrichtern, einem Haufen BBC-Leuten und mir abgesehen. Und Rob hat den Satz tatsächlich so gesagt. Das ist eine Extra-Erwähnung wert, denn normalerweise müsste ich mindestens drei liebgemeinte Schimpfworte rausredigieren.

Was die BBC-Techniker da in der Arena veranstalten, ist faszinierend und mysteriös zugleich. In enger Absprache mit dem Locheinlaufseckenabrundungsgradnormierungsbeauftragten der WPBSA werden die Lichtverhältnisse in jeder Ecke einzeln analysiert. Auch die Kameraleute sind schon am Proben und auf dem Tischlein, auf dem bei Gelegenheit die WM-Trophäe stehen wird, liegen jetzt sehr sehr viele Mikrofone und und Funkgeräte. Eigentlich ist das direkt eine schöne Metapher: Ohne die Arbeit der vielen Menschen mit Headsets, von denen wir die wenigsten mit Namen kennen, bräuchten sie den wichtigsten Snookerpokal gar nicht aus dem Schrank holen.

Auch die Schiris beschäftigen sich wie jedes Jahr mit der Technik – mit der vom Hawkeye. Dieses Jahr blinkt es sogar! Sehr ausgefallen, aber Jan Verhaas kommt sogleich in die Arena und bringt uns mit einem “Ich hab da ein Queue auf meinem Tisch liegen und weiß nicht von wem” wieder zu den technischen Basics einer Snookerveranstaltung zurück.

Und dann geht es auch schon los. Rob Walker tut das, was er am besten kann – nämlich gepflegt ausrasten, wenn er bei der Spielervorstellung gerade nicht im Bild ist. Als hätte er ständig eine Maultrommel und eine Diskokugel dabei.

Eine Picknickdecke fehlt Maguire und McGill, die zuerst in die Arena geholt werden – die beiden tratschen nämlich erst einmal ein bisschen. Sind schließlich auch zusammen hergefahren. Dann kommen die Herren O’Brien und Selby in die Arena und die WM-Hauptrunde beginnt, sobald die Trennwand lautlos den Boden berührt. Hände werden geschüttelt, Mark Selby sagt irgendwas von wegen zwei Stunden und die Bälle klackern zum ersten Mal aneinander.

Ich staune wie jedes Jahr, wie nahe am Tisch man auf den Presseplätzen sitzt und wie klein dieses Theaterchen doch ist. Und wie hell! Alles ist so stark ausgeleuchtet, dass es fast surreal wirkt. Jede einzelne Dreitagebartàlamarkstoppel ist zu erkennen. Die Kugeln sind wahnsinnig bunt. Wenn dann ein Topspieler wie Mark Selby einfach ein 50er Break spielt, wirkt das auf mich geradezu meditativ. Aber 50er Breaks gibt es zumindest am Anfang der Session nur an Tisch 2. Hier drüben sind wir schon für ein 15er Break dankbar. Trotzdem hat Selby das Spiel voll im Griff und wirkt dabei so ernsthaft und fokussiert, dass ich ihn gar nicht mit mehr als einem “a” schreiben will. Letztes Jahr habe ich ihn ja denkbar knapp verpasst und in den vegangenen zwei Jahren scheint sich cruciblemäßig einiges bei ihm verändert zu haben. So unzufrieden, wie er in der ersten Session scheint, wenn etwas nicht absolut perfekt funktioniert, kennt man sonst nur – Achtung, darf man den Vergleich überhaupt bringen? – Ronnie. Und auch farbmäßig haben sich die beiden etwas angeglichen, Mark trägt diesmal auch komplett schwarz. Früher war mehr “hinter den Kameras rumstehen und sich in der Gegend umgucken”, früher war mehr Osterfeuerentzündungsaufsichtsausweismarkenstempelfarbe (engl.: plumberginearoon) auf der Weste.

Am anderen Tisch geht es dynamischer zu. “Shot” ruft Maguire. Oft weiß ich nicht, ob er gerade einen Baum gefällt oder einen Ball gelocht hat. Geräuschsnooker hat auch was. Von Fergal ist zunächst nicht viel zu hören. Wenn er an den Tisch kommt, sieht er grundsätzlich so aus, als stünde ihm ein Impossible Shot bevor. Wenn er dann mal einen sehr guten Stoß auf den Tisch bringt, lächelt er. Aber ich weiß gar nicht, ob das im Fernsehen zu erkennen wäre, denn eigentlich biegt sich dabei nur eine der Sorgenfalten leicht nach oben.

Ganz anders der Fergal der zweiten Session. Tiefenentspannt, gut drauf – auch nicht unbedingt erfolgreicher, aber das macht nichts. Was ihm vielleicht helfen würde, wäre ein zweiter Spielball. Und so einer lag tatsächlich Minuten vor Sessionbeginn noch auf dem Tisch herum. Lange ist das lustigerweise trotz Extrembeleuchtung gar keinem aufgefallen, aber Jan hat das unbekannte Rollobjekt dann doch noch rechtzeitig und mit einem Grinsen im Gesicht entfernt. Als der diesjährige Finalschiedsrichter dann später bei der Begutachtung eines Snookers in akute Platznot gerät, ist auch Maaarks belustigtes Schmunzeln zurück. Wunderbar!

Synchron haben Fergal und Anthony beim Stand von 9:2 noch eine Chance, fast synchron vermasseln sie sie. Fergal kann zum Schluss aber noch ein paar geniale Gruselsnooker zeigen – so ratlos sieht man Mark Selby ja sonst selten. Und auch wenn beide Spiele dann schnell und wiederum synchron mit 10:2 enden: Die Frage eines BBC-Technikers, die er per Headset an die anderen Headsetträger richtet – “Is everybody happy?” – können wir nach einem snookertastischen ersten Tag im Crucible alle mit “JA” beantworten.

Kathi

P.S.: Warum von David nicht die Rede ist? Der kriegt morgen seine eigene Ausgabe.

P.P.S.: Wie das versprochene Green-Carpet-Dingens war? Genau so, wie ihr es euch eh vorstellt. Plus ziemlich viel Nieselregen.