LochBarlin (1)

Avatar of KathiKathi - 01. Februar 2017 - LochBar

Es geht wieder los. Von 0 auf 3 Tische mit Starbesetzung in der Zeit, die Rolf eben braucht, um über Eis und Eisenbahnanreisen zu philosophieren und so das Publikum in der ziemlich kühlen Arena aufzuwärmen. Das geht dann doch alles ziemlich schnell und plötzlich marschieren Martin Gould, Jimmy White und Stephen Maguire samt Gegner zu ihren Tischen.

Gestern Abend war es noch deutlich ruhiger im Tempodrom. In der Players Lounge lungerteMartin herum, Stephen vermisste sein Queue, das im Tournament Office eingeschlossen worden war (vielleicht erklärt das ja die heutige Leistung) und Ricky Walden stand am Trainingstisch. Hübsch zugedeckt bereiteten sich die fünf Tische im Halbdunkel mental auf ihren Einsatz vor.

Aber jetzt wieder mitten ins Geschehen. Vorab: Aus deutscher Sicht war dieser Nachmittag ein voller Erfolg. Zwar hat sich völlig überraschend keiner der deutschen Snookerprofis um Bundestrainer Thomas Hein für Berlin qualifiziert, aber dafür haben wir ja genug Top-Schiedsrichter. Theo Selbertinger machte den Anfang und sorgte beim Spiel von Martin gegen Jamie Jones dafür, dass keinerlei Turnieranfangsschwierigkeiten auftreten konnten. Martin sorgte seinerseits dafür, dass Jamie erst gar keinen Spielanfang finden konnte. Bei Martin muss man als Zuschauer ja immer anders denken als bei anderen Spielern. Kopfschütteln heißt bei ihm, dass er seine Position verloren hat. Aber das ist gar kein Problem. Alles läuft nach Plan. Gefährlich wird es erst, wenn er tatsächlich mal einen einfachen Ball rumliegen hat. Also, erst den Kopf schütteln, dann Century spielen.Sein Ziel: Echte Champion-Autorität. Dafürmuss er im nächsten Spiel dann bitte so weiterspielen, sonst wird man auch ganz schnell zum Wackeldackel.

A propos gewöhnungsbedürftige Tischdeko: Nebenan ging es bei Jimmy und Robin Hull zu wie in einer verrauchten englischen Bar. Geiler Einsteiger, damit die Kumpels grölen – aber dann kommt nichts mehr. Jimmy “ist das jetzt eine Perücke oder nicht?” White überraschte mich ehrlich gesagt mit einigen Bällen, die seine ehemalige Klasse aufblitzen ließen. ABER DIESE HOSE! Habt ihr das Teil im gestreamten Part des Matches mal gesehen? Ich hoffe nicht. Modell Schlafanzughose von 1730. Da wollte ich kaum hinsehen – und das, obwohl mit Alex Crisan einer meiner absoluten Lieblingsschiris am Tisch stand

Vom Tisch mit dem Maguire-Match bekam ich dann tatsächlich nur die Soundeffekte mit – aber das reichte eigentlich. Regelmäßig klang es, als hätte jemand einen alten Kleiderschrankumgeschmissen (vielleicht der, aus dem Jimmy seine Hose genommen hat), und dann kamAli Carter an den Tisch. Kaum jemand kann so laut wie Stephen Bälle verschießen, aber das nützt ihm ja jetzt auch nichts.

Ich möchte an dieser Stelle unbedingt noch anmerken, dass heute kein rein fröhlicher Tag in der Snookerwelt ist. Wir ignorieren die schlimme Nachricht nicht, die wir heute Morgen erfahren haben – bei allem Tempodrom-Trubel. Die Gedanken aller Anwesenden wandern regelmäßig zu Ding und seiner Familie, das kann man spüren und man hört viele auch darüber reden. Herzlichstes Beileid. 

Wir haben hier natürlich trotzdem ein Turnier am Laufen und das bringt allen Beteiligten jetzt schon viel Freude, und ich muss sagen: Es ist unglaublich schön, wieder hier zu sein! Ich könnte jede Kugel einzeln umarmen. Und da scheint es nicht nur mir so zu gehen. Auf die Frage von Rolf hin, wer denn schon zum Tempodrom-Stammpublikum gehöre, meldeten sich drei Viertel aller Zuschauer. Es ist eben unglaublich schön, wieder hier zu sein!

Kathi

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