LochBar goes Crucible (5)

Avatar of KathiKathi - 03. Mai 2016 - LochBar

Die LochBar wird einmal mehr ins Crucible verlegt – schaut vorbei, ihr seid herzlich eingeladen!

Der Sieger steht fest. Niemand hatte es kommen sehen, alle Vorhersagen waren in eine ganz andere Richtung gegangen und doch kam es wie es kommen musste: Paul Collier hat als Würdigung seiner Final-Leistung tatsächlich eine Uhr geschenkt bekommen und nicht bloß blöde Manschettenknöpfe. Warum ist das folgerichtig? Die WPBSA hatte Paul in den letzten fünf Jahren konsequent alle Uhren weggenommen, damit er nicht merkt, wie lange sie ihn auf sein zweites WM-Finale warten lassen. Jetzt hat er wieder eine und ein tolles Endspiel hatte er auch.

Mindestens so fehlerfrei wie der Rest, aber immer noch ein Quäntchen eleganter und zurückgenommener als die Kollegen – so könnte man seinen Stil als Schiedsrichter wohl beschreiben. Ich hatte ja das Glück, ihm beim Eröffnungsspiel aus nächster Nähe zusehen zu können. Und das Unglück, mich dabei ziemlich dumm zu fühlen: Zweite Session, erster Frame, Foul Bingham. Sagt Paul. Ich habe dem Stuart sehr genau zugesehen bei seinem Stoß mit Hilfsqueue über einen ganzen Haufen roter Kugeln hinweg – aber das Entscheidende hatte ich übersehen. Wahnsinn, was für Adleraugen unsere Schiris haben. Der Böser-Adler-Blick ist aber auch nicht zu vergessen. Ich sage euch, wenn nur zwei Reihen hinter euch jemand DEN BLICK abbekommt, wollt ihr euch vorsichtshalber gleich auch unterm Stuhl verstecken. Paul könnte im vollbesetzten Crucible wahrscheinlich selbst das Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz durchsetzen, wenn er das wollte.

Wenn wir schon beim Thema sind – Mark Selby, das argentinische Hüftsteak unter den Snookerspielern, ist jetzt wieder Weltmeister. Herzlichsten Glückwunsch! Was bleibt vom Finale? Ein paar saucoole Kombinationen von Maaark. Cross-double und so. Ganz ehrlich, wäre die rote Kugel dabei eine Frau gewesen, er hätte sie verführt. Getoppt wurde das nur noch von den diversen Safety-Duellen biblischer Länge und märchenhafter Qualität. Minutenodersogarstundenlang leistete sich niemand einen Fehler und man hätte schon ein Fabry-Perot-Interferometer gebraucht, um den Spaß noch präziser hinzukriegen. Abgerundet wie die Tascheneinläufe wurde diese Zelebration des taktischen Snooker durch das kleine aber rührende Detail, dass Steve Davis diesmal stellvertretend für die Snookerwelt die Preise vergab.

Selbys Weltmeistertitel bedeutet erschreckenderweise, dass ich in der LochBar etwas korrekt vorhergesehen habe (ihr erinnert euch – die Tasse und die Wiedergutmachung). Und da wären wir dann ja auch schon mitten in der deutschen Snooker-Community, genauer gesagt bei Thomas Hein. Unser wandelndes „Herzlich Willkommen“ beehrte uns auch dieses Jahr während der zweiten WM-Hälfte und beglückte uns mit selbymäßiger Konstanz mit Vorhersagen zum Verlauf der Splits, die gerade gespielt worden waren. In seiner Freizeit schreibt er übrigens gerne Horoskope für den Vormonat. Ohne Thomas, den echten und fast echten Rolf, Chris, Michi und den Rest der Community wäre die WM jedenfalls nur der halbe Spaß. Deshalb an dieser Stelle auch ein großes_Unterstrich_Dankeschön an euch alle für eure Unterstützung und die vielen lieben Worte über meine LochBar. Anfang des Jahres musste ich mich aus Zeitgründen zwischen Zeitungs- und Snookerjournalismus entscheiden – die WM mich euch hat mir noch einmal gezeigt, dass ich die richtige Wahl getroffen habe.

Die richtigen Entscheidungen haben in letzter Zeit überhaupt viele Leute getroffen: Eurosport, die BBC, Sheffield – alles Wichtige bleibt uns erhalten und wird sowieso noch viel toller als bisher. Vor allem über die Crucible-Vertragsverlängerung freue ich mich. Sheffield ist und bleibt einfach die Snookerstadt. Die Stadt, in der sogar die Heckenpflänzchen snookerbunt sind und zur Not halt pink und blau angesprüht werden.

Diese Konstanz in allem, was die Snooker-WM zur Snooker-WM macht, ist jedenfalls beruhigend. Im Leben ändert sich viel, und das schnell. In zwölf Monaten kann viel geschehen - was genau passiert gewärt worden hätte sollen, wird uns Thomas Hein dann erklären. Und dennoch: Ziemlich genau in einem Jahr werden wir wieder hier sitzen und zwei Wochen einfach zusammen Snooker gucken. Und das ist doch ein richtig schönes Gefühl.

Kathi

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