LochBar

Der völlig überflüssige Beitrag zu einer völlig überflüssigen Diskussion

Avatar of KathiKathi - 12. Oktober 2015 - LochBar

Willkommen – oder sollten wir sagen: Welcome – in der LochBar. Auf der Karte stehen hier allerlei Häppchen und Schlückchen aus der Welt des Snooker. Manchmal öffnet die Bar ihre Pforten, was dann passiert, wird sich zeigen! Eine Kolumne über den Sport, den wir alle lieben – auch wenn niemand sonst uns versteht.

Es gibt diesen Punkt in gesamtgesellschaftlichen Diskussionen, an dem eigentlich schon alles gesagt ist. Genau dann läuft mit bewunderswerter Zuverlässigkeit die 101. Talk-Show zu dem Thema. Alle rollen mit den Augen, doch der Moderator erzählt trotzdem mit bedeutungsschwangerer Stimme, worum es gehen wird. Das wollte ich auch schon immer mal machen! Reden wir also über Shot-Clocks im Snooker.

Weiß eigentlich noch irgendjemand, wie die Diskussion überhaupt angefangen hat? Na ja, irgendwann war sie jedenfalls leider da. Und entfliehen konnte man ihr auf Twitter dank Shaun Murphys großem Mitteilungsbedürfnis_Unterstrich_Sendungsbewusstsein nicht besonders lange. Die englischen Blogger-Kollegen hatten zum Glück schnell ein paar lustige/Schrägstrich/makabere Gegenargumente bei der Hand. Shaun Murphy hingegen geht die Dinge lieber wissenschaftlich an. Deshalb sollen auch an dieser Stelle Pro und Contra mit einem “Ich hab gerade meinen ersten Titel gewonnen, aber das heißt doch nicht, dass ich lächle”-Pokerface à la McLeod erörtert werden.

Was würde uns also  durch die Shot-Clock verloren gehen? Zunächst würde Neil Robertsons geliebte kleine Pause zum heimlichen Nasepudern während des Frames wohl verboten werden. Seine Groupies (die mit den Miniröcken, ihr erinnert euch) wären erschüttert. Seine Gegner im wörtlichen Sinne geblendet. Und das wollen wir doch alles nicht.

Ronnie hingegen würde aus Versehen mit dem Fuß spielen. Schließlich hätte er keine Zeit mehr, sich zwischen seinen beiden Händen zu entscheiden. Andererseits hätte er vielleicht auch keine Zeit mehr, sich zu überlegen, bei welchem Turnier er doch lieber nicht mehr mitspielen möchte.

Shaun Murphy selbst müsste auch mit den Konsequenzen leben. Bei einem strengen Zeitlimit würde es ihm schwer fallen, nach jedem  Kick seinen unglaublich fassungslosen Gesichtsausdruck schnell genug aufzusetzen. Oder eine Predigt zu halten.

Besonders tragisch wären die Folgen für Mark Allen und die versteckte Fish&Chips-Reserve unter seinem Stuhl. Seine Leistung lässt sich – wo wir heute schon bei der Wissenschaft sind – ungefähr so voraussagen: Leistung = b0 + b1*Fish&Chips (in kg) + b2*Ehefrau trägt kurzes Kleid + e. Aber es dauert viel zu lange, bis man so ein Fischstückchen unter dem Sitz hervorgekramt hat. Taktische Duelle müssen dank Shot-Clock dann fisch- und freudlos gespielt werden. Da bliebe wohl nur eine ungeheuerliche Alternative: VEGANPOWER. Obst lässt sich eben schneller knabbern. Aber ob eine Banane den Mark Allen (der übrigens ein echt netter Kerl ist!) schlauer aussehen lassen würde?

Als wäre das alles nicht schlimm genug, stellt euch vor, ein Spieler ist gerade auf dem Weg zum Maximum. Plötzlich, wegen all dem Zeitdruck, spielt er blau statt schwarz. Oh, das ist ja auch ohne Shot-Clock passiert. Vielleicht ist sie dann doch nicht der Untergang des Abendlandes.

Aber der Untergang einer meiner Lieblingssituationen beim Snooker: Einer eurer Lieblingsspieler – nennen wir ihn Maark – hat gerade einen Hammer-Snooker gelegt. Der Gegner weiß nicht, was er tun soll. Er steht da, einem kleinen verlorenen Häufchen Elend im Ruhrschnellwegbaustellenschilderwaldchaos gleich, und überlegt. Und überlegt. Eine Minute vergeht. Und noch eine. In euch steigt dieses böse, böse, gute Gefühl der Schadenfreude hoch. Nach drei Minuten tut der Gegner so, als hätte er eine Idee. “Foul and a miss”. Es tut so gut, das zu hören. Dieses Gefühl wollen wir uns doch nicht klauen lassen!

Denn was hätten wir gewonnen? Nun, Eurosport könnte noch mehr Tennis ins Programm nehmen. Oder Rückwärts-Slalom-Paragliding – vielleicht um die Baustellenschilder herum. Die Snookerspiele wären schließlich schneller vorbei. Die meisten Fans hätten sich sowieso mit Grausen gewandt. Und potentielle Neu-Fans würden sich wohl kopfschüttelnd fragen, warum im Fernsehen Menschen um Tische rennen. Fernseher aus, dann doch lieber besoffen auf dem Tisch tanzen.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass wir mit dem Blödsinn jetzt aufhören sollten. Zum Thema Uhren gibt es trotzdem noch etwas zu berichten: Am Wochenende war ich erkältungsbedingt gezwungen, Snooker zu schauen. Das hätte ich sowieso gemacht, sagt ihr. Da habt ihr Recht. Aber wahrscheinlich hätte ich nach spätestens drei Frames nervös auf die Uhr geschaut und angefangen, nebenher zu lernen. Oder zu schreiben. Oder zu kochen. Ich konnte mich ehrlich gesagt gar nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal ein komplettes Match ohne Notizblock, Zeitdruck oder Ähnliches angeschaut hatte. Einfach nur Snooker. Ein paar Stunden lang. Es war wunderbar.

Anstatt neue seltsame Uhren aus der Schublade zu kramen, sollten wir unsere vielleicht viel eher einmal wegpacken. Und unseren Snookersport genießen – schließlich lieben wir ihn doch. So wie er ist.

Kathi

Nach Ladenschluss erreicht ihr die LochBar unter kathi@break-off.com

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