Live aus Kathis Wohnzimmer (2)

Avatar of KathiKathi - 01. Mai 2015 - LochBar

Willkommen – oder sollten wir sagen: Welcome – in der LochBar. Auf der Karte stehen hier allerlei Häppchen und Schlückchen aus der Welt des Snooker. Manchmal öffnet die Bar ihre Pforten, was dann passiert, wird sich zeigen! Eine Kolumne über den Sport, den wir alle lieben – auch wenn niemand sonst uns versteht.

Crucible Theatre. WM-Eröffnungswochenende. Sonntag. Kurz nach 10 Uhr Ortszeit. Matt “der Böse vom Dienst” Selt und Barry Hawkins spielen seelenruhig Snooker. Marco/u Fu und Jimmy Robertson spielen nicht und gucken wie bedröppelte kleine Jungs. Kein Wunder, schließlich ist der Sandkasten schon in Reichweite, aber nach Breaks buddeln dürfen sie noch nicht. Das Scoreboard funktioniert nicht und ohne Punkte gibt es eben kein Snookermatch.

Im Presseraum verfolgt man die seltsamen Anzeigen auf dem Bildschirm mit einem Schmunzeln. Darußen in der Arena sind die Kameras auf Paul Collier gerichtet, der dem Marker zu Hilfe geeilt ist.

Eine Weile später kommt Paul uns mit einem Becher Tee in der Hand im Pressezentrum besuchen:

 

Break-off.com: Was war denn los mit dem Scoreboard?

Paul Collier: Wir wussten nicht, was die Störung verursacht hat. Dann haben wir versucht, paar neue Kabel einzustöpseln, aber dort liegen natürlich viele Kabel herum. Als wir eins bewegt haben, haben wir ein anderes gestört. Bisher wissen wir immer noch nicht, was eigentlich los war, aber wir konnten das Problem im Interval vorrübergehend mit einem neuen Monitor lösen.

 

Das klingt kompliziert. Und wurde live im Fernsehen gezeigt – wie hat sich das angefühlt?

Oh, ganz toll! (lacht) Man muss es einfach lieben, wenn alle Kameras auf einen zeigen, während man versucht, einen Monitor zu reparieren. Aber was will man machen, diese Dinge passieren. Wie haben versucht, es so schnell wie möglich wieder hinzubekommen.

 

Wenn hier im Crucible die Schiedsrichter in die Arena gerufen werden, stehen sie erst einmal eine ganze Weile einfach da, bevor die Spieler hereinkommen. Was ist das für ein Gefühl?

Am Anfang hab ich das gar nicht gemocht, weil du dir ein wenig verloren vorkommst. Früher stand man da gewöhnlich ziemlich lange rum, fünf bis sechs Minuten teilweise. Das ist eine ganz schön lange Zeit, wenn man nichts zu tun hat und einfach dasteht. Die Leute von der BBC wissen darüber jetzt aber Bescheid, mittlerweile sind es eher zwei bis drei Minuten. Das ist in Ordnung, vor allem im Crucible: Schließlich kennt man einen großen Teil des Publikums, das sind Leute, die jedes Jahr kommen und immer am selben Platz sitzen. Natürlich willst du da keine große Unterhaltung anfangen, du willst dich ja konzentrieren. Aber man kann mal kurz Hallo sagen und sich in der Arena umsehen – gar nicht mal so schlecht!

 

Bist du vor so einem Spiel im Crucible noch nervös?

Nicht wirklich. Man ist ein bisschen angespannt, weil man da rausgeht und weiß, wie wichtig das alles ist. Also steht man voll unter Strom, aber nervös würde ich das nicht mehr nennen. Früher war ich nervös, vor allem hier im Crucible. Aber nach meinem Finale hat sich das gelegt. Ich bin sehr konzentriert, das ist ja klar, aber nicht nervös.

 

Ein paar Schiedsrichter haben nasse Handtücher in der Arena liegen. Was bringen die?

Die Handschuhe müssen aus reiner Baumwolle sein. Sobald da Nylon oder Polyester drin ist, kann man die Bälle gar nicht aufheben. Aber auch die Baumwollhandschuhe verlieren zum Beispiel durch Waschmittel an Grip. Durch die Feuchtigkeit versuchen einige Schiedsrichter den Grip zu verbessern. Ich persönlich benutze aber eher keine nassen Lappen.

 

Die deutschen Fans lieben Crucible-Geheimnisse. Kennst du welche?

Zumindest keine, die ich erzählen dürfte (lacht). Nein, gerade fallen mir wirklich keine ein. Aber die Champions Lounge ist auf jeden Fall der Ort für Geheimnisse! Da ist nach den Spielen noch etwas los und nicht viele Leute kommen rein.

 

Wie sieht’s eigentlich mit der “walk-on music” für die Schiris aus?

Seit ein paar Saisons benutzen wir “The boys are back in town”. Aber ehrlich gesagt bemerkst du die Musik gar nicht, weil du so damit beschäftigt bist, nicht die Stufen herunterzufallen. Das ist nämlich noch nie jemandem passiert und da willst du natürlich nicht der Erste sein!

 

Ihr merkt, mit Paul Collier kann man sich lange und gut über allthings snooker unterhalten. Und ihr wisst ja eh, dass der absolute Top-Schiedsrichter in diesem Jahr das zweite Halbfinale leitet. Mit einem Ballmarker in der Tasche. Und wahrscheinlich auch mit einem Innensechskant-Schraubenschlüssel. Er ist der Mann für alle Fälle.

Kathi

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