Live aus dem Crucible (1)

Avatar of KathiKathi - 18. April 2015 - LochBar

Willkommen – oder sollten wir sagen: Welcome – in der LochBar. Auf der Karte stehen hier allerlei Häppchen und Schlückchen aus der Welt des Snooker. Manchmal öffnet die Bar ihre Pforten, was dann passiert, wird sich zeigen! Eine Kolumne über den Sport, den wir alle lieben – auch wenn niemand sonst uns versteht.

Während der ersten Tage der WM tauschen wir ausnahmsweise den Reisschnaps gegen ein paar Pints im Graduate.

“I just want to hear the Crucible roar”, sagt ein ziemlich aufgedrehter Rob Walker. Wobei, er flüstert es mehr, denn nur ein paar Meter weiter fragt Hazel Irvine Steve Davis gerade, was es mit dem Crucible Curse auf sich hat. Rob Walker steht in der Arena des Crucible Theatre in Sheffield, in ein paar Minuten wird die allererste Session der Snooker-WM 2015 beginnen. Er ist nicht allein mit seinem Wunsch, dass es endlich losgehen möge!

Die Bälle sind aufgesetzt, die Mikrofone getestet, die Kameras ausgerichtet, das Publikum ist bereit. Es herrscht Stille, als Hazel spricht. Ganz ruhig steht die BBC-Moderatorenlegende auf dem roten Teppich, anders als Rob Walker, der wohl endlich gepflegt in einen Wortschwall explodieren möchte.

Es ist eine surreale Szenerie, wenn man das Crucible nur aus dem Fernsehen kennt. John Parrott sitzt auf der Mini-Pressetribüne, 10 Menschen stehen hinter den Kameras, die auf Hazel und Steve gerichtet sind. Nicht alles ist glatt gelaufen an diesem Morgen, der neu erfundene Spieler Marcu Fu könnte ein Lied davon singen. Aber Namensschilder kann man ändern und Jan Verhaas spricht auch gerne einmal Chinesisch, um das brandneue Hawkeye-System zu beschwören.

Dann geht alles auf einmal ganz schnell! Schiedsrichter rein, Hazel raus, Rob an! Der explodiert erwartungsgemäß und das Crucible – ach so, Moment, wichtige Anmerkung aus Traditionsgründen: die Arena ist sehr sehr klein – explodiert mit ihm. Das ist er eben, der berühmte Crucible Roar.

Und es geht weiter, Spieler rein, Rob raus, Trennwand runter. Alles scheint in Sekundenbruchteilen zu passieren. Es sind einprägsame Sekundenbruchteile und auf einmal wird es einfacher, die Menschen zu verstehen, die jedes Jahr hier her pilgern.

Dann geht es richtig los. “Thank you, the first frame…”, “Thank you, the first frame…” – in der Arena kann man die Schiedsrichter an beiden Tischen hören. Doppelter WM-Anfang, doppelt cool!

Mark Selby beginnt sein Match mit ein paar mühelos wirkenden Breaks. Das hilft nicht gerade dabei, sich klarzumachen, dass das kein Traum ist. Kurt Maflin spielt zunächst super mit, macht ein fast-Century und ist ganz-cool. Entspannt hält er sein Queue in der Hand – während einige von uns vor Aufregung Schwierigkeiten haben, einen Stift zu halten.

Mark macht in der ersten Mini-Session sogar ein Century und zur Pause steht es leistungsgerecht 2:2. Die WM hat begonnen, das Crucible ist erwacht. Mit Gebrüll!

Kathi

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