Münchener Snooker-Dschungel

Avatar of KathiKathi - 23. Februar 2015 - LochBar

Willkommen – oder sollten wir sagen: Welcome – in der LochBar. Auf der Karte stehen hier allerlei Häppchen und Schlückchen aus der Welt des Snooker. Manchmal öffnet die Bar ihre Pforten, was dann passiert, wird sich zeigen! Eine Kolumne über den Sport, den wir alle lieben – auch wenn niemand sonst uns versteht.

Das Dschungelcamp ist glücklicherweise vorbei – aber das ist offensichtlich nicht das Ende der gefährlichen bis halbwahnsinnigen Mutproben. Gerade erst komme ich zum Beispiel von einer wagemutigen Snooker-Expedition in von mir bisher gänzlich unerforschtes Terrain zurück: Ich habe den Snooker Grand Prix in München besucht, ein Turnier für Amateurspieler.

Natürlich hatte ich während der Anreise gewisse Bedenken. Würde das, was dort gezeigt würde, als Snooker erkennbar sein? Würden diese Menschen überhaupt nach den mir bekannten Regeln spielen? Auf was für Menschen würde ich dort treffen? Ein echtes Abenteuer, ein Ausflug in den Snooker-Dschungel.

Wobei, im Dschungel soll es ja von C-Promis abgesehen recht menschenleer zugehen. Mehr als 550 Snookerspieler treten dagegen in Deutschland bei verschiedenen Turnieren wie dem Grand Prix an – Tendenz stetig steigend, erzählt der Chef der Turnierserie Jürgen Kesseler.

Jetzt aber zurück in die Untiefen eines solchen Snookerturniers: Was macht die ahnungslose Zuschauerin, wenn sie zu einem Event kommt, bei dem sie keinen Spieler kennt? Sie setzt sich an den Tisch, an dem sie wenigstens den Schiedsrichter kennt (danke, Theo!). So sah ich dann zunächst die Partie Irgendwer gegen Irgendwen Anders.

Der erste Schock saß tief: Stehen zwei deutsche Spieler am Tisch, werden die Punkte auf Deutsch gezählt. Echt jetzt? „Eins“ – das klingt ungefähr so glamourös wie die Profi-Bilanz von Patrick Eins-le. Überhaupt sollte die eins in diesem Spiel die bestimmende Zahl bleiben: Das Durchschnittsbreak lag gefühlt bei einskommafünf. Des Öfteren schaffte es ein Spieler, sich mitten im Break auf sämtliche roten Kugeln auf dem eigenen Tisch und allen Nachbartischen zu snookern. Doch auch in diesem Spiel gab es spektakuläre Pots – als pink zum Beispiel wunderbar in die Mitteltasche gelocht wurde. Schade nur, dass eigentlich gelb an der Reihe gewesen wäre.

Trotzdem, das sieht alles tatsächlich nach Snooker aus. Da werden Breaks gebuildet, da werden Safeties gespielt, da wird manchmal sogar richtig gemein gesnookert. Solche einzelnen, fast profimäßigen Situationen zeigen dann, wie viel Training und bewundernswertes Herzblut die Spieler in ihr Snookerspiel stecken. Und wenn Spitzenschiris wie Maike Kesseler und Kollegen am Tisch stehen, kommt sogar eine gewisse Tempodrom-Atmosphäre auf.

Wenn wir schon über die deutsche Snooker-Elite reden – auch der hierzulande aktuell gehypte Snookerstar Lukas Kleckers war beim Grand Prix am Start. Der künftige „Arm der Nation“ zeigte ein sehr flüssiges 60+ Break (überraschenderweise nicht das höchste Break an diesem Tag) und ein paar Stöße, die gründlich daneben (teilweise auch neben den Tisch) gingen.

Zu einem anständigen Turnier gehören natürlich auch die Fans. Dazu bleibt zu sagen, dass es seltsame deutsche Zuschauer auch dann gibt, wenn fast überhaupt kein Publikum da ist. Aber da muss man durch. Immerhin besser als ein Nachmittag mit der gemeinen australischen Plapperspinne.

Alles in allem ist so ein Amateur-Event eine spaßige und beeindruckend unterhaltsame Sache. Auch wenn das manchmal wohl nicht für die Spieler gilt, die fluchen nämlich schlimmer als die Profis. Das Ergebnis meines Snookerdschungelcamps: Deutschland spielt Snooker! Im Hinterhof. Aber dafür gar nicht mal schlecht.

Kathi

Das höchste Break der Autorin liegt übrigens immer noch bei 0.

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