LochBar

Live aus dem Tempodrom (3)

Avatar of KathiKathi - 07. Februar 2015 - LochBar

Willkommen – oder sollten wir sagen: Welcome – in der LochBar. Auf der Karte stehen hier allerlei Häppchen und Schlückchen aus der Welt des Snooker. Manchmal öffnet die Bar ihre Pforten, was dann passiert, wird sich zeigen! Eine Kolumne über den Sport, den wir alle lieben – auch wenn niemand sonst uns versteht.

Während des German Masters ist Happy Hour für Reisschnaps-Shots: Kleine Textchen über alles, was beim größten deutschen Snookerturnier so passiert.

Ich wollte heute eigentlich über deutsche Snookerfans schreiben. Über ihre mehr oder weniger liebenswerten Eigenheiten. Aber dann kam etwas dazwischen. Spätestens jetzt wisst ihr, worum es geht – sonst habt ihr diese Woche wirklich schon zu viel Reisschnaps abgekriegt. Um Judd Trumps magisches Maximum.

Es war einmal ein Abend im Tempodrom in Berlin. Im Pressezimmer herrschte Dämmerung, denn irgendetwas stimmte mit den Lampen nicht. Sehr still war es, nur vier einsame Journalisten waren emsig am Schreiben. Ich hatte gerade meinen täglichen Text für Snookerbacker.com fertig zusammengestöpselt und war dabei, ihn nochmals durchzulesen, als ich diesen erinnerungswürdigen Satz von einem meiner Kollegen hörte: „Trump is on a One-Four-Seven.“ Er schien nicht einmal besonders aufgeregt, dabei war Trump schon bei 80 Punkten angelangt.

Wir erhoben uns wortlos, alle vier. Wir verließen den Presseraum und eilten prozessionsgleich in Richtung Backstage-Bereich. Bei wie vielen Punkten war Trump jetzt wohl? Würden wir es schaffen? Würde ER es schaffen?

Dann standen wir in der Practice Area. Und sahen das grausame, uns vom Snooker-Paradies trennende Schwarz des Vorhangs vor uns. Sollten wir? Wirklich? Immerhin stand ja auch „die Erscheinung“ Ronnie O’Sullivan am Tisch. Direkt hinter dem Vorhang.

Ganz langsam und andächtig schlichen wir uns durch den Schlitz im Vorhang. Da standen wir hinter den Kameras, hinter Ronnie, und vor 2500 Zuschauern! Das allein war schon atemberaubend und zugleich meditativ.

Wir schritten ein wenig nach rechts, in Richtung Judd Trump, in Richtung Maximum. 120 Punkte auf dem Scoreboard, die Farben noch auf dem Tisch – alles war möglich.

Ich war ja lange Zeit nicht der größte Fan von unserem kleinen Playbubi. In diesen Augenblicken war ich sein allergrößter Fan. Er lochte eine Kugel nach der anderen. Sicher, souverän, stilvoll.

Um uns herum hielten 2500 Menschen betend den Atem an. Links von mir betrachtete Ronnie das Geschehen und sah recht amüsiert aus – in der Mitte seines 134er-Breaks. Und dann fiel die Schwarze. Klick-Plopp-Glück.

Kathi

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