FeierBar

17. Januar 2021 - LochBar

Na, seid ihr schon mal richtig lang in einer seltsamen Bar versumpft? Ganze Nacht durchgemacht? Zwischendurch gefragt, was das eigentlich soll? Oder warum die anderen auch immer noch da sind? Irgendjemand müsste doch langsam vernünftig werden…

Bei mir sind es jetzt schon ganze sechs Jahre hier in der LochBar. Los ging es nämlich vor dem Masters 2015. Damals wurde noch umgebaut im Alexandra Palace, um aus dem Darts-Dschungel einen Snookertempel zu machen. Heute hätten wir für so etwas flauschige Millionärssofasmitbutlerservicezumspitzenpreis zur Verfügung – aber die stehen im Moment natürlich bei Barry Hearn im Geldspeicher.

Trotzdem wird munter Snooker gespielt, und das ist Woche um Woche eine großartige Nachricht. Wir müssen das nicht entscheiden, wir dürfen das einfach angucken. Und zu sehen gab es beim Masters ein Spektakel. Die Jubiläumssahnetortemitkirsche lieferten auf jeden Fall Ronnie O’Sullivan und John Higgins ab, die im Schitt so ungefähr auf zwei Centuries pro Frame kamen. Über Yan Bingtao müssen wir ebenfalls reden, der sich in den letzten Jahren vom putzigen Teddy zum ernstzunehmenden Topspieler entwickelt hat. Klar hat er noch ein Stück Weg vor sich, aber drei gewonnene Deciders beim Masters (und vielleicht kommt ja noch einer im Finale dazu) sind eine Ansage. Ich sehe ihn irgendwann als ersten chinesischen Weltmeisterteddy.

Vor sechs Jahren dagegen dachte selbst ich noch, Ding würde irgendwann Weltmeister werden. Das ist also echt lange her. Die Hochzeit der PTCs und ET Events quer über Europa verstreut war noch voll im Gange, ein bisschen Spaßundkneipenfeeling für alle – mit den Stars in der Mehrzweckhalle Hintertupfingen. Dann wurde alles glamouröser und seriöser und jetzt sind wir eigentlich wieder zurück – mit den Stars im Mehrzweckkomplex Milton Keynes. Ich bin gespannt auf die neue Pro Series mit ihren 80 Gruppen, 40 Favoriten, 20 ultimativen finalen Finalphasen und 10 zu erwartenden Konfusionsmomenten, wer denn nun in Phase1Gruppe4bPlatz1,5 weiterkommt.

Hauptsache, sie gehen raus und spielen Snooker. Und zwar möglichst alle, denn gerade die Spieler etwas weiter unten im Ranking freuen sich über Stream-Spiele und Möglichkeiten zum Überraschungssiegeerträumen. Wir hoffen auf Abwechslung bei der Auswahl der TV-Spiele. Das hat sich in den letzten sechs Jahren definitiv nicht geändert. Und so schreibe ich auch dieses Jahr von der zu oft verschenkten Chance, packende Außenseiterduelle auf dem Stream-Tisch zu zeigen, der ja ohnehin nur von Wahnsinnssnookerfans genutzt wird, für die das eben keine Außenseiter sind. Da wäre es mal wieder extraschön, bei einem Turnier vor Ort zu sein und David Grace, Martin Gould und all die anderen ab Runde eins kopfdrehend und hektisch mittweetend an vier Tischen gleichzeitig live und in Farbe sehen zu können.

Vielleicht dieses Jahr in Fürth oder nächstes Jahr in Berlin – irgendwann werden wir uns auch wieder vor einer Würstchenbude über alle Snookerthemen der Welt austauschen können. Das wird legendär! Irgendwann stehe ich dann hoffentlich auch wieder im Crucible, auf dessen Pressetribüne mich diese Kolumne so unverhofft verfrachtet hat. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Christian, das WST-Team, viele internationale Bloggerkolleg*innen und natürlich an euch alle für die Treue in den letzten sechs Jahren! 2021 wird im Snooker wahrscheinlich noch einmal eine Geduldsprobe, was die ganz großen Emotionen und das ganz große Feuerwerk der Normalität betrifft. Aber das heißt ja nicht, dass wir nicht einen auf John Higgins machen können und bei jeder kleinsten Chance den Tisch komplett abräumen.

Kathi

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