Aus der Snookerbäckerei

Avatar of KathiKathi - 15. November 2020 - LochBar

Weihnachten hat offiziell zwölf Tage – aber Snooker kann das toppen! Uns erwarten ab Montag 35 aufeinanderfolgende Tage Snookerweihnachten mit nur einem Tag Unterbrechung am 27.11. – aber da schieben sie bestimmt spontan noch eine Gruppe der Championship League rein.

Und so schaut die ganze Snookerwelt auf einen Stall in Milton Keynes – erleuchtet von den TV-Scheinwerfern und vom kometenhaften Glanz von Ronnie O’Sullivan. Gut, in diesem Stall kostet die Pizza 14 Tacken, und er ist eher luftdicht abgeriegelt als zugig. Ob es Glühwein gibt, ist ebenfalls fraglich. Trotzdem wird einem als Fan doch ganz feierlich zu Mute, wenn man an die Gaben in Form von Century Breaks und Entscheidungsframes denkt, die uns dargeboten werden.

Als kleines Weihnachtswunder für mich spielen David Grace und Martin Gould gleich am ersten Tag der neuen Zeitrechnung ihre Matches auf dem Stream-Tisch. Und ein gemütlicher Auftakt ist ja schonmal die halbe Herbergsmiete für eine traumhafte Snookerweihnachtszeit. Reichlich beschenkt wird dieses Jahr eigentlich auch die Crew hinter den Kulissen. Das ganze schwere Geschleppe vor und nach den Turnieren fällt ja so gut wie weg. Die Tische bleiben einfach stehen, da muss höchstens mal das Schild mit dem Turniernamen ausgetauscht werden. Bei der Quali fürs German Masters hätte ich mir eigentlich ein Hologramm des Brandenburger Tors in der Arena gewünscht, aber man kann nicht alles haben.

Wenn wir schon bei der Quali sind: Wie immer beim German Masters haben sich viele Top-Stars nicht für Berlin oder „Berlin“ qualifiziert. Traditionell schob man das immer auf die Nähe der Quali zu Weihnachten, jetzt muss es an der Nähe zu Snookerweihnachten liegen. Es wäre ja zu schön, wenn die Hauptrunde wirklich in Berlin stattfinden könnte – aber alternativ können wir eine Zoom-Autogrammstunde mit Ronnie (traditionell nicht am Start; Screenshot 20€) und einen Currywurst-Malwettbewerb (nur Snookerkugelfarben erlaubt) anbieten. Hauptsache ist doch, dass die langfristige Existenz unseres Lieblingsturniers gesichert wird. Denn geschätzt brauchen wir noch mindestens bis zum Jahr 2050, bis ein deutscher Spieler vor Heimpublikum mal etwas reißt.

Aber, und das ist ja geradezu eine weihnachtliche Botschaft, im Snooker jubelt ja eh jede*r für jede*n außer Ali Carter. Und damit hier jetzt noch ein paar verwertbare Vorhersagen aus der LochBar kommen: Der wird auch weiterhin nichts auf den Tisch bringen. Dafür gewinnt Stuart Bingham die UK Championship, deren Trophäe diesmal komplett aus Lebkuchen besteht.

In diesem Sinne erwartet uns eine wohlig-warme Zeit – Snooker beim Plätzchenbacken, Snooker beim Geschenkeverpacken, Snooker beim Dekorieren, Snooker neben dem Kaminfeuer. Natürlich wird die typische York’sche Kulisse bei der UK Championship fehlen und der Weihnachtsmarktgossip inklusive Mistelzweigstories genauso. Da ist dieses Jahr eben Fantasie gefragt. Freuen wir uns über das, was wir kriegen können – während sie beim Masters wahrscheinlich schon verzweifelt versuchen, die neuen VIP-Sofas mit genügend Abstand zu platzieren. Niemand weiß, was uns erwartet. Aber die nächsten 35 Tage, die werden snooker-super.

Kathi

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