Einmal kräftig umrühren!

Avatar of KathiKathi - 27. September 2020 - LochBar

Es ist immer noch 2020, und selbst in unserer beschaulichen Snookeroase werden die fundamentalsten Naturgesetze in Frage gestellt. Zum Beispiel die Grundregel, dass Judd Trump maximal zwei Frames pro Spiel abgeben kann. Gerade in der Anfangsphase des European Masters in – klar – Milton Keynes (übrigens EU-Kultur-und-Kulinarik-Hauptstadt 2020-2023) lief zu diesem Thema eine umfangreiche Feldstudie, weshalb jedes einzelne Spiel von Judd Trump zu wissenschaftlichen Beobachtungszwecken im Fernsehen übertragen werden musste. Da haben die Experten genau nachgemessen, notiert und analysiert. Und so kam man Runde um Runde zu dem Schluss “Ja, der Gegner war chancenlos. Nein, packend war es nicht.” – ohne allerdings daraufhin etwas am Versuchsaufbau zu ändern. Es muss eben alles seine Richtigkeit haben. Wäre ja noch schöner, wenn es bei Snookerübertragung plötzlich um Spannung ginge.

Doch dann kam plötzlich der Samstagabend. Gould gegen Trump – nicht auf dem Haupt-TV-Tisch. So verpassten die Fernsehexperten den Moment, in dem Martin Gould mit einem Century im letzten Frame die Physik des Snooker außer Kraft setzte und Judd aus dem Turnier warf. Ein fantastischer Moment für alle Fans von Martin. Also für alle, denn man kann Martin gar nicht nicht mögen. Oder? Dazu hätte ich gerne eine Feldstudie mit 15 TV-Matches hintereinander.

Mal ganz kurz im Ernst (ich weiß, unerwartet!): Nutzen wir 2020 doch, um ein paar eiserne Gesetzmäßigkeiten im Snooker zu hinterfragen. Darf es sein, dass wir Spieler im Halbfinale haben, die davor kein einziges TV-Match hatten? Oder müsste man da nicht allerspätestens im Viertelfinale in der Tischvergabe gegensteuern? Dank John Higgins hatten wir Gould in Runde 1 immerhin kurz im Stream gesehen – hätte er gegen Ben Woollaston gespielt, wäre er sich völlig unter dem Radar mit bestem Snooker ins Halbfinale gezaubert.

Und wenn wir schon dabei sind: Muss der Zeitplan so gestaltet sein, dass es fast jeden Tag mindestens bis Mitternacht geht? Sollten uns die Briten nicht wenigstens bei der European Series um eine Stunde entgegenkommen? Das sind keine Brexit-Verhandlungen, da müsste man doch Kompromisse finden.

Man muss dieses Jahr nicht schönreden, aber man kann es nutzen, um in den Untiefen des Snooker-Sumpfs mal kräftig umzurühren. Also, sprüht die Tische lila an, wir probieren mal was Neues! Aber noch nicht gleich heute. Heute genießen wir einfach das Finale. Selby gegen Gould – das kann eine richtig coole Sache werden. Ich tippe, dass die dynamische Seite von Mark zum Vorschein kommen wird, und uns ein schnelles Break-Festival erwartet. Eine Snooker-Eistorte zum Genießen. Und dann geht es mit der Championship League weiter, die vom Scheunentrainingsturnier mit viel Heu für die Top-Spieler zum dominanten Event der ersten Saisonhälfte wurde. Mit Gruppenphase. Es geht doch, einfach mal etwas Neues zu probieren. Auch im Snooker.

Kathi

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