DifferenzierBar?

Avatar of KathiKathi - 20. März 2020 - LochBar

Können wir nicht einfach über Snooker reden? Bitte? Sport und so? Nein? Wirklich nicht? Na gut. Wenn ein Tweet über eine WM mehr Diskussionen verursacht als die WM selbst, müssen wir da wohl noch mal kurz durch. Hintergrund: Die Öffentlichkeit – inklusive Spieler – hat zuerst durch den Tweet eines Eurosport-Kommentators von der Verschiebung der WM erfahren. Und dann ging es ab – als stünde Thepchaiya Un-Nooh am Tisch.

Im Wesentlichen gibt hier es zwei Seiten der WM-Trophäe: Einige fokussieren sich auf die journalistische Kernaufgabe, der Öffentlichkeit alles mitzuteilen, was man weiß. Und zwar pronto. Andere sehen eine moralische Verpflichtung dem Weltverband und vor allem den Spielern gegenüber, vorsichtig mit Insider-Infos umzugehen und Nutzen und Schaden sorgfältiger abzuwägen. Es entsteht ein Spannungsfeld wie sonst nur bei Mark Joyce gegen Mark Allen im Team mit der Mutter von Mark Joyce. Aber wenn diese beiden Sichtweisen in einer Community nicht co-existieren dürften, fände ich das schade.

Wenn man die entsprechende Situation nicht für sich und unabhängig von den lange bekannten Glanztaten des Kommentators analysieren dürfte, fände ich das sogar noch schader. Wir könnten dann sämtliche Diskussionen einstellen, ins Eurosport-Forum anno 2009 zurückkehren und von „Elli Kater“ schwärmen. Dass sich im Übrigen vielleicht mehrere Parteien in den letzten Tagen eher nicht ganz unantastbar verhalten haben (trotz 1,5m Abstand), ist eine andere Geschichte.

Ist die Snookerwelt durch dieses Durcheinander untergegangen? Absolut nicht – und auch Ronnie hat als Reaktion seine Karriere bisher nicht beendet. So kann, soll und (bitte!) darf sich jeder eine Meinung bilden, und dann können wir auch weitermachen. Denn im ganz großen Bild ist selbst ein Snookertisch gerade ein ziemlich kleines Streitobjekt.

Also: Lasst uns kurz wieder über den Sport reden. Quasi als Wellness-Session zwischendurch. Was haben wir uns letzte Woche über die Spiele in Gibraltar ohne Schiedsrichter gewundert. Heute würden wir uns selbst über eine Wiederauflage des WM-Finales von 2006 mit zugenähten Taschen freuen. Wie schön wäre jetzt sogar die Maximum-Break-Grafik nach 8 Punkten? Oder von mir aus nach 7 Punkten! Oder ein völlig erwartbares 4:0 von Judd Trump gegen einen beliebigen niedrig-platzierten Spieler, bei dem du jeden Fehler fehlerfrei vorhersagen kannst. John Higgins würde sich sogar mit einem einzigen Eiswürfel pro Session zufriedengeben, wenn er so die WM retten könnte. Dominic Dale würde versprechen, ein ganzes Turnier lang nicht zu singen, und dabei nicht von Shaun Murphy auf dem Klavier begleitet zu werden. Diskussionen über Kreide und Miss-Entscheidungen würden das Bild bestimmen, das Shootout wäre gesellschaftsfähig. Hach!

Das Gute ist: Irgendwann wird der Zirkus ja weitergehen. Wir wissen nicht genau wann. Aber irgendwann wird jemand den ersten Anstoß spielen – und wir werden es feiern! In diesem Sinne: Die WPBSA kümmert sich um die Spieler (dafür schon einmal einen Applaus!), die WST kümmert sich um die Turniere, und wir bleiben einfach daheim.

Kathi

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