LochBarlin 2020 (4) – Schampus aus dem Brennglas

Avatar of KathiKathi - 02. Februar 2020 - LochBar

Kennt ihr diesen Pfadfinderfeueranzündtrick, bei dem man ein Brennglas in die Sonne hält und dann bündelt sich das Licht in einem einzigen Punkt und man kriegt ein Lagerfeuer? Alles konzentriert sich auf diesen einen Punkt, es wird heiß und noch viel brennend heißer. Genau wie im Tempodrom beim One Table Setup. 2000 Leute starren mehr oder weniger lautlos auf denselben Tisch. Die Spannung steigt und steigt. Bis dann mit Erwähnung des ersten Spielernamens alle in eine sofortige Standing Ovation explodieren. Das macht Spaß. Das macht dir Gänsehaut, wenn du hinter dem Tisch auf diese Wand an Menschen blickst.

Nicht nur für die Spieler ein besonderer Moment, auch für den Schiedsrichter. In diesem Jahr Rob Spencer, der vor Jahren durch das Snookerbacker Classic bekannt geworden ist – jenes Turnier, das als Vorreiter der Challenge Tour gilt. Immer schön zu sehen, wie die Schiris dann fanmäßig mitfilmen, wenn der Kollege in die Arena gerufen wird. Diese Idylle! Ist wahrscheinlich auch nicht immer so, auch die Schiedsrichterei ist eine kompetitive Angelegenheit.

Wer die Brennglasatmosphäre selbst erleben will, hat dieses Jahr tatsächlich die Möglichkeit dazu. Nervosität, Scheinwerferlicht und Lampenfieber für Jedermann. Wie das geht? Einfach in der CueZone vorbeischauen. Dort steht auch dieses Jahr ein Tisch, diesmal ohne Ronnie und Jimmy als Deko. Stattdessen darf jeder spielen und sich dabei von einer Masse an besserwissenden, erhöht stehenden Zuschauern begutachten lassen. Ein Mini-Tempodrom im Tempodrom quasi, für den ultimativen Nervenkitzel. Standing Ovations gibt es dort aber eher selten.

Und leider auch keine Fernsehbilder für die Pannenshow. Dafür stehen in der Arena mehr als genug Kameras herum, die von den üblichen Profis bedient werden. Lautlos schieben die ihre Kameras um den Tisch und ziehen 147 Meter Kabel hinter sich her. Ich würde mir ja zu gerne einmal von denen beibringen lassen, wie man seinen Garten gießt, ohne sich komplett in den Schlauch einzuwickeln und gleichzeitig darüber zu stolpern.

Auch wenn Robertson in Frame zwei kurz vor der historischen 155 gestolpert ist (okay, nicht ganz so kurz), genießen wir hier ein spannendes Finale. Ich werde mir nachher von Marcel mein Outfit zurechtzupfen lassen – Rob Spencer musste nach dem erste Frame bei ihm zur Fliegenkorrektur antreten – und mit Chris zusammen hinter den Kulissen stehen, wenn das Tempodrom-Brennglas wieder hochgehalten wird. Bis dann am Ende einer die Trophäe in den Händen hält, und das German Masters schon wieder vorbei ist. Es war wieder ein Fest. Ich hoffe, sie haben noch irgendwo einen Kühlschrank für den Schampus gefunden.

Kathi

P.S.: Danke wie immer an das World Snooker Tour Team – besonders an Roddy und Sam vor Ort, mit denen lange Abende im Presseraum einfach nur Spaß machen.

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