LochBarlin 2020 (3) – Der brandheiße Backstage-Bericht

Avatar of KathiKathi - 02. Februar 2020 - LochBar

Es ist kompliziert, so ein Weltranglistenturnier am Laufen zu halten. Manchmal muss man zu drastischen Schritten greifen und beispielsweise in einer langen Grundsatzdiskussion beschließen, dieses Jahr keinen laut brummenden Kühlschrank im Presseraum aufzustellen. Widmen wir diese Ausgabe der LochBar also den lustigsten und brisantesten Geschichten aus dem Backstage-Bereich. Das ist dieses Jahr gar nicht so leicht, denn der Presseraum ist mehr ein Presseaufenthalts- als ein Interviewraum. Interviews führt man jetzt lieber an den Trainingstischen – ist natürlich auch viel authentischer so.

Nicht jede Entscheidung kann so lange und gut überlegt werden wie die Kühlschrankabmontagevereinbarung. Recht spontan muss zum Beispiel geregelt werden, wann, wo und wie feierlich Neil Robertson seinen Euro-Series-Bonus erhält, falls er das Turnier in Berlin gewinnt. Die Sponsoren hatten sich das ja so schön ausgemalt, wie sie am Ende der vier Turniere den Gesamtsieger feiern würden. Wie es bis zum Schluss spannend bleiben würde in der Debutsaison. Aber dann kommt natürlich alles anders und Neil Robertson kann schon nach zwei Turnieren den Sack zumachen und die anderen beiden (Shootout und Gibraltar – bei beiden zu viele Affen) elegant auslassen.

Richtig gefeiert wird auf jeden Fall an anderer Stelle im Tempodrom: 10 Jahre German Masters hier in dieser Gladiatorenarena (Zitat Robertson), da freuen sich die vielen Helfer hinter den Kulissen über eine instagramwürdige Torte. Was das Organisationsteam leistet, ist eh der Wahnsinn. Arbeit rund um die Uhr aus Liebe zum Snooker – aber oft ohne die Chance, mehr als zwei Minuten lang in der Arena zu sein. Da darf die Torte ruhig etwas größer ausfallen. Zum Glück ging die Feier gestern Abend ohne “Jubiläumstote” über die Bühne, nicht wahr, Chris?

Auch die richtige Stimmung ist bei einem Jubiläum wichtig. So hatte sich jemand entschlossen, die eh schon recht meditative Stimmung im zweiten Halbfinale noch durch leises Zen-gedudel im Hintergrund zu unterstreichen. Um die Leidensfähigkeit des Oberrangs bei akutem Sauerstoffmangel durch Snookerfanmassen zu testen. Um das Tempodrom im Zeichen der Internationalisierung in ein japanisches Tempel-drum zu verwandeln.

Dass im Snooker noch viele internationale Jubiläen gefeiert werden dürfen, liegt auch an der Arbeit unseres Oberbosses, Jason Ferguson. Hinter jeder Rentnersnookerveranstaltung, die wir auf Twitter müde belächeln, steckt ein gigantischer Masterplan. Ein (wie immer sehr angenehmes) Gespräch mit ihm und alles ergibt plötzlich einen Sinn. Na ja, fast alles, von manchen Austragungsorten wird man mich so schnell nicht überzeugen.

Im Rahmen von Jubiläen werden ja auch gerne glanzvolle Statistiken zitiert. In jedem der 500 Interviews von Robertson diese Woche ist von irgendeiner “Du hast X der letzten X+2 Frames gewonnen. Krass, Alter. Erzähl mehr!”-Quote die Rede. Brandheiß: In jeder Statistik fehlt der eine Frame, den er bei der Exhibition in Dornbirn gegen Andreas Ploner verloren hat, der wiederum mit einem geliehenen Queue spielte. Schade, dass der österreichische Robbo-Schreck in Berlin nicht am Start ist.

So, das waren die geheimsten Geheimnisse der Tempodrom-Unterwelt. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an meine Top-Secret-Quellen – ihr wisst, wer ihr seid! Auf diese wie immer hochbrisanten Topnews ein Prost mit eisgekühltem Wasser. Ach, Moment… #Kühlschrankgate.

Kathi

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