LochBarlin 2020 (1) – Hupsi versus Feuerwerk

Avatar of KathiKathi - 01. Februar 2020 - LochBar

Okay, ich gebe es zu: Beim German Masters erst zum Viertelfinale einzusteigen, ist, als hätte man sich mit dem Mega-Cheat-Code direkt ins höchste Level manövriert. Aber mir blieb dieses Jahr keine andere Wahl – und so musste ich einfach direkt mit einer elektrisierenden Freitagabendsession ins Turnier starten. Vier unterschiedliche packende Viertelfinals, die eigentlich nur die Tatsache gemeinsam hatten, dass alle von Weltmeistern gewonnen wurden.

Am TV-Tisch natürlich wieder der aktuelle Weltmeister, dem Michael Georgiou im zweiten Frame erst einmal ein Century um die Ohren schoss. Gut, das war dann auch der einzige Frame, den Judd Trump abgegeben hat – aber man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Während der Trump-Gala hatte ich zum Glück Neil Robertson im Vordergrund als Ablenkung. Das ist ja das Faszinierende an den Viertelfinals, viermal absolutes Drama, viermal in Sichtweite. Robertson gegen Slessor war ein wirklich dankbares Spiel zum Nebenbei-gucken, denn man konnte eigentlich nie etwas verpassen. Das Bild war immer gleich: Robertson als perfekt programmierter Robbotron auf dem Weg zum nächsten Robbo-Ton. Lange nach Ende dieses Matches wurde irgendwo in der Nähe des Tempodroms ein Feuerwerk abgebrannt, das kann nur für Neil gewesen sein. Slessor hatte einen rabenschwarzen Tag erwischt und versuchte zwischenzeitlich in seiner Not, den Spielball mit dem Fuß zu lochen. Auch das ohne Erfolg.

Eine ganz andere Stimmung herrschte bei Murphy gegen Zhao. Die hatten zu Anfang ihres Spieles die Snookerregeln temporär vergessen und dachten, sie müssten die roten Kugeln einfach nur wie Perlen auf einer Kette direkt hintereinander aufreihen, um gemeinsam zu gewinnen. Das war ein beeindruckender Versuch der Snooker-Teamarbeit, aber nicht zielführend – wie so vieles in diesem Spiel. Wie Murphy es nach heftigem Rückstand noch schaffte, diesen verwirrenden ersten Frame zu gewinnen, bleibt ein Rätsel – wie so vieles in diesem Spiel.

Vor einem Rätsel stand auch Schiri Marcel, der in der Pause das Spiel Dott gegen Selt für einen kranken Kollegen übernahm. Er konnte nämlich die Fernbedienung für das Scoring nicht finden und stand eine Weile ratlos am Tisch. Ein absolut ungewohnter Anblick. Aber er nahm es mit Humor und die Fernbedienung lies sich dann auch noch auftreiben – sie war in einer Ecktasche gelandet.

Weit weniger Spaß mit Fernbedienungen hatte Schiri Nigel beim Spiel Murphy gegen Zhao. Eine Situation, in der ein “Fan” eindeutig absichtlich versuchte, Shaun Murphy im Stoß zu stören, hatte er noch voll unter Kontrolle. Aber danach entglitten die Dinge, als Zhao nach einem Foul die Foulpunkte selbst zugerechnet bekam. Bemerkt hat das ein Kollege hier im Presseraum, was dann ein hektisches Zurückspulen des Streams und Sprinteinlagen zum Turnierbüro nach sich zog. Schließlich musste ein komplettes 39-Break von Zhao zurückgescoret werden, wobei sie dann eine Rote vergessen haben. Hupsi. Später im Frame schaffte es der Schiri, das Scoring noch mehr zu verdaddeln, sodass am Ende niemand mehr den eigentlichen Spielstand kannte. Nach den neuen Regeln hätte wohl eigentlich gar nicht von außen eingegriffen werden sollen. Was letztlich lustigerweise sogar die bessere Lösung gewesen wäre: Ohne das Zurückspulen hätte der Score um 8 Punkte danebengelegen, durch Verkettung unglücklicher Umstände nach der Korrektur war man am Ende 9 Punkte vom richtigen Score entfernt. Doppelhupsi, aber nachdem Zhao den Frame und Murphy das Match gewann, ist das zum Glück nur eine lustige Pannenanekdote.

Und zwar nicht die Einzige. Aber warum Offizielle backstage gestern Papierschnipsel wie ein Puzzle wieder zusammenklebten, wird ein Mysterium bleiben – wie so vieles in diesem Spiel.

Kathi

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