LochBar

LochBar goes Crucible (4) – Stehparty

Avatar of KathiKathi - 22. April 2019 - LochBar

Es kann ganz schön hektisch werden bei der Snooker-WM. Sobald die Spieler in der Arena sind, werden meterlange Kabel herausgezerrt, Kameraleute hasten an ihre Spielzeuge, Security-Leute wechseln ihre Positionen, Turnierdirektoren verlassen ihre Beobachtungsposten – all das geschieht lautlos und bevor der Schiri auch nur “Thank you, the first frame” sagen kann. Wenn die Spieler die Arena wieder verlassen, fängt oft gleich darauf die nächste Session an und du willst deine Sitzschalenpolsterpatenschaft nicht aufgeben. Obwohl dir plötzlich auffällt, dass du seit der #Veganpower-Banane am Vormittag nichts gegessen hast.

Also hatte ich mir für diesen Sheffield-Trip vorgenommen, öfter einmal entspannt irgendwo herumzustehen. Das habe ich recht erfolgreich durchgezogen – erfolgreicher zumindest als manche Spieler, die ihre Spielzeit hauptsächlich im Sitzen verbracht haben. So stand ich zum Beispiel eine ganze Weile im Backstage-Gang herum, der Pressraum, Turnierbüro, Spielerumkleiden, Arena und Trainingstische verbindet. Gut, gerade am ersten Tag ging es mir dabei auch darum, mich im Warmen von der Presseraumklimaanlage zu erholen. Die ist neben dem Maximumvermeidungshandygebimmel dieses Jahr Feindbild Nummer eins.

Jedenfalls liefen innerhalb kürzester Zeit an mir vorbei: Ein sehr beschäftigter John Higgins, der auch außerhalb der Arena diesen Higgins-Clearance-Gesichtsausdruck drauf hat. Fünfmal Brandan Moore aus unterschiedlichen Richtungen. Martin Gould im Mid Session Interval, der mich erfolgreich erschreckt hat. (Bei Mark Williams hat das ja letztlich leider nicht funktioniert.) Mark Allen quasi in zweifacher Ausfertigung. Mark Selby, der laut über seine bevorstehende Starbucks-Bestellung nachdachte.

Auch in der Innenstand von Sheffield stand ich am Freitag herum – im T-Shirt in der Sonne. Dafür erntete ich einige seltsame Blicke, denn fast alle anderen waren im Bikini unterwegs. Und plantschten im großen Brunnen vor dem Rathaus. Oder sie trugen Fußballtrikots und prügelten sich in der Sonne. Hach, wie idyllisch.

Prügeleien gab es am Stage Door, dem Backstage-Eingang, zum Glück nicht. Dort kann man zu jeder beliebigen Tageszeit diverse Autogrammjäger antreffen und auch dort stand ich eine ganze Weile. Die Autogrammjäger haben es schwer in diesem Jahr. So viele chinesische Qualifikanten wie noch nie. Luo Honghao kam für eine Trainingseinheit vorbei (so hat er dann aus rein geografischer Sicht im Crucible sicher doch noch ein paar Bälle gelocht) und die große Frage unter seinen treu wartenden Fans war natürlich: “Welcher ist das denn jetzt?” – gefolgt von einem “Komm, frag ihn doch mal”. Aber da wollte ich natürlich kein Walkonmusikverbotsausdenker sein und habe die passionierten Snookerliebhaber dem Rätselraten überlassen. Und mich lieber am Abend vor die große Leinwand gestellt, um in Ruhe Martin Goulds Fast-Comeback anzusehen. Das war wirklich idyllisch.

Kathi

New comment

0 comments