LochBar goes Crucible (2) – Kollektives Herzflackern

Avatar of KathiKathi - 20. April 2019 - LochBar

Austrian School. Waitinline. Orange Jacket. Noch zwei Minuten bis zum Start der Snooker-WM und durch den Presseraum des Crucible tönen Schneckennamen vom Schneckenrennen – oder zumindest das, was ich für Schneckennamen halte. Die Jungs von Betfred haben wieder ihr Mini-Studio aufgebaut und berichten live über Experteneinschätzungen von Dennis Taylor und viele, viele Wettquoten zu vielen, vielen Sportarten. Etwas absurd ist das schon, denn währenddessen ruft Rob Walker die Spieler in die Arena. Posterhintergrundboy Mark Williams natürlich als "amtierenden Weltmeister", auf diesen Moment hat er seit einem Jahr gewartet (womit er sich die Wartezeit vertrieben hat, ist bekannt): Die Kinder auf dem berühmten Balkon, Geschenke von Rob, das Publikum gerührt. Ungerührt ist Martin Gould, der sich in gefühlten zwei Minuten den ersten Frame holt.

Ach, es ist einfach wunderschön im Crucible. Mein Aufenthalt ist dieses Jahr ja etwa chaotisch, aber ich habe es vor Beginn der allerersten Session doch kurz raus in die Arena geschafft. Kurzum: Es wird nicht langweilig, durch den Spielertunnel zu laufen. Heute ganz besonders, denn ich musste aufpassen, nicht über ein Kabel zu stolpern oder gegen eine Kamera zu laufen. Als ich diese Hindernisse überwunden hatte, erwartete mich der übliche Crucible-Schock. Wahnsinn, ist das klein. Und diese Farben! Knallgrüner Tisch, knallroter Teppich, knallgespannte Leute. Vom Kameramann über die Schiris zu den Zuschauern, alle strahlen und sind konzentriert. Am knallgespanntesten ist Rob Walker, der wieder unvorstellbar viel Energie hat und diese auch mit Leidenschaft ans Publikum weitergibt. Es sei denn, er hat sein Mikro vergessen. Zum Glück kann er auch schnell laufen.

Es wäre nicht der erste Tag der Snooker-WM, wenn in der Arena nicht irgendetwas kaputt wäre. Dieses Jahr hat es den Monitor mit den Scores von Tisch 1 erwischt. Angeblich flackert er stärker als die Herzen der Snookerfans. Ich habe daraufhin fünf Sekunden investigativ draufgestarrt, aber kein Flackern entdeckt. Die Ansprüche sind hoch, ein neuer Monitor wird montiert. Was tatsächlich flackert, ist die Klimaanlage im Presseraum. Es hat hier minus 14,7 Grad (Ist es albern, dass alle frei gewählten Zahlen in Snookerblogs grundsätzlich einen 147-Bezug haben? Ja. Werde ich das trotzdem gnadenlos durchziehen? Ja.) und auch das metaphorische Klima ist minimal kühler geworden. Es geht jetzt professioneller zu als noch vor ein paar Jahren, als hier Blogger aus ganz Europa saßen. Von denen bin jetzt meines Wissens nach nur ich übrig geblieben und das stimmt mich extra dankbar für meinen Pressepass.

Meine verbliebene Professionalität werde ich heute Nachmittag allerdings über Bord werfen und mir als ganz normale Zuschauerin Robertson gegen Georgiou reinziehen. Es wird ein Fest – und das Einzige, was dann flackert, sind meine Nerven.

Kathi

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