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LochBar goes Crucible (1) – Eine olympische WM

Avatar of KathiKathi - 19. April 2019 - LochBar

Da sind wir wieder. Ein Snookerjahr ist vergangen und die WM-Hauptrunde steht an. Gedanklich und emotional sind alle Snookerfans im Crucible Theatre in Sheffield. Dieses Jahr habe ich wieder das unfassbare Glück, auch physisch vor Ort zu sein. Gerade sitze ich im Zug vom Flughafen Manchester nach Sheffield. Eine gute Stunde, Direktverbindung. Der Tempel des Snookersports ist zum Greifen nah. Typisch britische Backsteinhäuser und grüne Hügel mit weißen Schaftupfen ziehen an mir vorüber, die Sonne scheint. Es ist idyllisch, malerisch, entspannt. Noch. Denn schon bald wird mein Puls auf 1470 ansteigen und der Crucible-Adrenalinkick wird mich umhauen. Es ist einfach ein Snooker-Overload. Überall laufen Legenden des Sports und Sportjournalismus rum. Dazu diese Enge, die über allem hängende Begeisterung, die Dramatik. Kurz: Wow.

Und nicht nur mich wird das schwer beeindrucken. Auch die 7 Debütanten – so viele wie seit 20 Jahren nicht mehr – wird das nicht kaltlassen. Für sie gilt daher das gute alte olympische Motto “Dabei sein ist alles”. Gearbeitet haben sie im Lauf der letzten beiden Wochen wahrlich genug. Drei Best-of-19 Spiele gewinnt man nicht im Lotto. Jetzt geht es nur noch ums Genießen. Sie alle dürfen endlich ihre Schuhlaufflächenabdruckspur auf dem Teppich in der Arena hinterlassen. (Wer weiß, wie breit der Teppich ist, kann bei Neil Foulds grad irgendetwas gewinnen – ich hab mein Geodreieck dabei.) Hoffen wir, dass sie alle Spaß haben und am Ende ihrer zweiten Session mit sich und der Welt zufrieden sind. Vielleicht erleben wir die eine oder andere Überraschung. Vielleicht rastet Ronnie komplett aus, weil er gegen ein – Gott bewahre – Amateur spielen muss. Vielleicht besprüht Mark Williams das Turnierplakat über Nacht mit einem Graffiti-Selbstportrait, um nicht mehr ganz hinten in der Ecke abgebildet zu sein. Vielleicht stehen morgen zwei Klaviere in der Arena.

Die Gerüchteküche brodelt schon heute, aber gespielt wird erst morgen. Heute Nachmittag findet der Media Day statt, den ich verpasse – ich habe zu spät gelesen, dass es Häppchen gibt. Und am Abend wird dann im Kult-Pub The Graduate das große Snookerwiedersehen gefeiert. Hochoffiziell, mit allen üblichen Gesichtern und sehr viel Bier. Morgen Vormittag werden wir sehen, wer es rechtzeitig wieder aus dem Bett schafft.

Ich habe das auf jeden Fall vor, denn dieses Jahr kann ich nur die ersten vier Sessions im Crucible verfolgen. Aber das soll keine Beschwerde sein! Alle meine Favoriten außer Mark Selby in dieser Zeit. Das wird der absolute Wahnsinn – ich erinnere mich nur zu gern an die WM-Teilnahme von David Grace vor zwei Jahren zurück. Die pure Snookerfreude. Und außerdem gilt ja bekanntlich: Dabei sein ist alles.

Kathi

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