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LochBarlin - Galaabend

Avatar of KathiKathi - 02. Februar 2019 - LochBar

Willkommen, Bienvenue, Welcome! Der Viertelfinalabend beim German Masters ist der ganz große Galaabend – das hat sich auch dieses Jahr bewahrheitet, auch wenn wir weiterhin auf das obligatorische Maximum warten. Warum die Show perfekt war? Na ja, die “erfolgreiche Revue”-Checkliste wurde komplett abgearbeitet:

Zuerst einmal müssen sich alle chic anziehen. Ist euch der neue Westen-Trend bei diesem Turnier auch so ins Auge gestochen? Vor zehn Jahren hatten sich die Spieler noch nach Grundfarben sortiert, rot, blau, einfarbig. Dann kam die Zeit der wilden Muster und Glanzeffekte. Mittlerweile sehen wir in den meisten Sessions 147 shades of unauffällig. Vielleicht etwas langweiliger, aber definitiv stilsicherer als so manche modische Entgleisung der letzten Jahre.

Musik muss natürlich auch her. Wenn man unten auf dem Arenaboden steht, während die Spieler begrüßt werden, merkt man erst, wie laut die Musik eigentlich ist. Alles vibriert geradezu. Das kann aber auch an der hammermäßigen Atmosphäre an sich liegen. Die steigert sich heute sogar noch, wenn im Halbfinale alle gebannt auf den gleichen Tisch starren. Gänsehaut ist da vorprogrammiert. Und wenn man dort unten steht, spürt man auch ein klein wenig den Stolz derjenigen, die das alles auf die Beine stellen. Gerade werden noch die Werbebanden für heute Nachmittag festgeschraubt. Vier Tische sind wie von Zauberhand verschwunden. Die Monitore wurden dreimal überprüft. Das Scoring-System läuft. Da ist später jeder Stolz berechtigt.

Aber zurück zur Freitagsgala. Was natürlich auch benötigt wird, sind Getränke. Literweise, ach: fassweise Bier wird an diesem Abend die Tempodromtreppen heraufgetragen. Vielleicht hätte man Mark Williams mal eins herunterreichen sollen.

Dann braucht es einen Showmaster. Zugegebenermaßen der Job, den ich gerne hätte. “Wenn ich nichts sehe, dann ist das egal”, sagt Rolf Kalb zum Blitzlichtgewitter vor Beginn der Session. Das sind die Worte eines Mannes, der Snooker mittlerweile im wahrsten Sinne des Wortes blind kommentieren kann.

Auch hatte der Freitag ein Kuriositätenkabinett zu bieten. Zwei Mitarbeiterinnen des chinesischen Sponsors waren im Presseraum. Mein Arbeitsplatz verwandelte sich zusehends in einen chinesischen Souvenirshop – vollgestopft mit semisinnvollen Dingen. Ziel der bizarren Aktion: Grußbotschaften aller Halbfinalisten zum chinesischen Neujahr für besondere Freunde in China. Der eine hatte natürlich von Anfang an ganz spezifisch Duane Jones unterstützt, ist klar. So lässt sich Kyren Wilsons Abend in Zahlen folgendermaßen zusammenfassen:

5:0 gegen Mark Williams

1 Video mit Neujahrsbanderole

4 Programmhefte signiert

5 Snookerkugeln signiert

2 T-Shirts signiert

1 Foto mit 1 T-Shirt

Und jeder Signiervorgang wurde natürlich videografisch dokumentiert. Diese kuriose Show haben sie tatsächlich viermal durchgezogen. Und ja, es durften wirklich nur fünf Bälle pro Spieler signiert werden. Als Duane Jones als letzter Signateur auch noch den letzten verbliebenen Ball signieren wollte, wurde ihm die Schachtel entrissen.

Duane Jones sorgte natürlich für das große Märchen des Abends. Einfach mal ins Halbfinale eingezogen und das Publikum voll auf seine Seite gebracht. Danach war er nur noch ein walisischer Ball aus Freude und Adrenalin. Sich selbst bezeichnet er als Nummer 2000 der Welt und gibt zu, sich in Arenen mit Publikum gerne mal zusammenzufalten. Er erzählt gleich seine Lebensgeschichte, redet davon, wie er kürzlich dem Profisnooker zuliebe seinen Job gekündigt hat. Vor allem aber kriegt er nicht auf die Reihe, ob er jetzt im Finale oder Halbfinale steht, kann nicht bis fünf zählen und weiß nicht, wie viele Tische beim Halbfinale in der Arena stehen. So glücklich von der Rolle haben wir schon lange keinen Snookerspieler mehr gesehen. Hoffentlich hat seine Familie auf ein liebes Anraten von Hector Nunns hin noch einen Flug nach Berlin gekriegt.

So, gleich spielt er auch schon sein Halbfinale. Ich freue mich darauf, gleich hoffentlich mit meinem Lieblingskollegen Chris in der Arena zu stehen. Einfach noch einmal genießen, bevor es später zurück nach München geht. Warum heute schon? Nun ja, seit dieser Woche weiß ich, dass ich wieder einen Pressepass für die WM bekomme (DANKE, Ivan) – und da will ich dann natürlich hin! Zur ganz, ganz großen Show.

Kathi

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