LochBar

LochBarlin - So ein Drama (war es eigentlich gar nicht)

Kathi - 01. Februar 2019 - LochBar

Es ist Viertelfinalfreitag beim German Masters. Aber es dauert noch ein Weilchen bis zu den Viertelfinals und daher fällt es schwer, diese LochBar nicht direkt mit DEM SKANDAL zu beginnen. Gerade hier in der deutschen Community möchte man DEN SKANDAL gerne zum skandälchen abtun, zumindest ist das mein Gefühl. Aber das finde ich schade. So ein richtiger, sportlicher, nichtwettenbezogener SKANDAL ist in der Snookerwelt doch selten. Da kann man so etwas doch geradezu ein wenig genießen und sich darin baden wie Judd Trump in seiner goldenen Ritz-Badewanne. Die Rede ist natürlich von DEM SKANDAL um die letzte Schwarze im letzten Frame vom eventuell letzten Spiel von John Higgins im Tempodrom. Mittlerweile haben wir fast mehr Expertenmeinungen gehört als zum Brexit. Ziemlicher Konsens unter den Nichtschiedsrichtern besteht darüber, dass sich ein Top-Schiri in der Situation anders verhalten hätte. Aber auch die Top-Schiedsrichter verhalten sich nicht in 100% der Situationen wie Top-Schiedsrichter – außer vielleicht Paul Collier (sorry, Fangirl-Moment). Auch besteht Konsens darüber, dass es sich im Wesentlichen nur um einen Formfehler handelt, der sich zum SKANDAL hochgeschaukelt hat. Was kann die LochBar nun zur SKANDAL-Berichterstattung beitragen? Mir sind zwei Dinge aufgefallen, von denen ich gerade eines vergessen habe, das mir hoffentlich gleich wieder einfällt.

Erstens finde ich es bemerkenswert, dass bei allem SKANDAL zumindest im von mir überblickten Teil von Twitter nicht ein einziges Mal der Name des Schiris gefallen ist. Gut, das könnte am schlechten Namensgedächtnis der Snookerfans liegen, aber daran glaube ich seit Thanawat Thirapongpaiboon nicht mehr. Dass im Snooker eine Schiridebatte losgelöst von der Person des Schiedsrichters geführt werden kann, halte ich für eine Errungenschaft. In anderen Sportarten hätte man ihm längst mitgeteilt, dass man wisse, wo sein Haus wohne. Dazu sollten wir uns gratulieren.

Jetzt ist mir auch die zweite Sache wieder eingefallen: Falls es tatsächlich so kommen sollte, wäre so ein SKANDAL eigentlich ein geradezu passender Abschied von John Higgins aus dem Tempodrom. Ich hätte ihm einen Turniersieg in Berlin gegönnt, aber die Beziehung von John zum Tempodrom war immer kompliziert. In diesem Sinne ist ihm ein poetischer Abschied gelungen.

Und damit verabschieden wir uns auf dieser Plattform vom SKANDAL. Und kommen zum heutigen Snookergeschehen. Gerade wird die Nachmittagssession gespielt, die vom Konzept her eher eine Morgensession sein sollte. Natürlich habe ich mir die ersten vier Frames von Selby gegen Gilbert gegönnt. Nebenher serviert Neil Robertson Stuart “60%-Locherfolg” Bingham ab. Die heutige Performance erklärt, weshalb ich keinerlei Erinnerung an Binghams erstes Match habe.

Selby gegen Gilbert ist eine entspannte Angelegenheit. Der Mann, der den Nummer-1-Spot im  Jamba Sparabo gebucht hat, spielt anfangs wieder buttercremetortenweich. Auch Gilbert nutzt seine Chancen gut und chillt im zweiten Frame eine Kombination in die Mitteltasche und in der Summe dann eine 139 vom Tisch. Vielleicht schon ein Omen für seinen späteren Sieg im irre dramatischen Entscheidungsframe. Nebenan spielt Xiao Goudong nicht so dolle. Und Tisch vier ist von meiner Position aus der Mystery-Tisch. Ich höre Ahhs und Ooohs, aber kann nicht sehen, was passiert ist. Ein Foul? Eine Fünffach-Kombination? Spielen sie plötzlich Darts? Man weiß es nicht. Aber Duane “The Rock” Jones gönne ich dieses Achtelfinale von Herzen. Sein Versuch, nicht zu grinsen, als er gestern nach einem Autogramm gefragt wurde, war jedenfalls sehr putzig. Und auch Yuan SiJun – in Kennerkreisen besser bekannt als Juan, der spanische Herzensbrecher – scheint seinen Auftritt zu genießen.

Duane Jones darf sich heute Abend den Viertelfinalwahnsinn geben. Die beste Snookersession des ganzen Jahres wartet auf uns. Alle vier Viertelfinals gleichzeitig. Und das mit Zuschauern. Das schafft sonst keiner. Davor noch eine Currywurst, es könnte ein langer Abend werden. Und ein Maximum-Break wird hoffentlich der einzige SKANDAL.

Kathi

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