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LochBarlin - Tic Tac Top

Avatar of KathiKathi - 31. Januar 2019 - LochBar

Donnerstagmorgen im Tempodrom. Die Nacht war kurz, die Morgensession kommt da genau richtig – sie ist nämlich traditionell gemütlich. Relativ wenig Leute, viel Platz, wenig Bier, nur drei Tische im Einsatz. Super entspannt. Na ja fast: Denn erstens habe ich trotz der immensen Auswahl den knarzigsten Sitz im ganzen Tempodrom erwischt, ganz und gar nicht entspannend. Und zweitens, und vielleicht minimal interessanter, hätte Mark Selby beinahe ein Maximum gespielt. Gelb war einfach schwer und so wurde es am Ende nur eines von drei Century Breaks, die er heute Morgen lässig runtergespielt hat.

Grund für die tolle Performance müssen Tic Tacs gewesen sein, denn Mark lief gestern Backstage mit einer übertrieben riesigen Packung Tic Tacs rum. Dafür hätte er eigentlich noch ein zweites Cuecase mitbringen müssen. Auch wenn aus dem Maximum letztlich nichts wurde, war es eine absolute Freude, ihm heute Morgen zugucken zu dürfen. Fand Ricky Walden wohl eher weniger. Aber es ist auch immer lustig, Ricky und seine seltsame Stoßhaltung vom Oberrangpanoramapunkt aus zu betrachten. Gerade war Selbys Pressekonferenz – es gibt wirklich niemanden, der beim Zusammentreffen mit den Medienvertretern so gute Laune verbreitet wie er. Zumindest kann ich mich an keine Selby PK erinnern, bei der ich nicht lachen musste. Nur in den Interviews selbst ist er dann bierernst, eigentlich schade.

Wenn wir schon bei lustigen Zwischenfällen sind, gibt es noch einige kuriose Nachträge von gestern Abend. Die Situation, in der sich Michael Georgiou durch eine ungünstige Rückkehr von Blau möglichst nah an den eigenen Spot (da hätte der Theo von mir aus auch echt gern mal die Regeln vergessen dürfen) ein mega schönes Break vermieste, gehört nicht dazu. Aber dafür das einsame Stückchen Glitter, das sich irgendwann im Spiel von Judd Trump auf den Weg von der Hallendecke nach unten machte. Wie ein letzter Glückwunsch zum Masters-Titel.

Das Baustellen-Thema setzte sich auch am Abend fort: An Tisch fünf wurden in der Pause die Spots mit einem Hammer noch einmal weichgeklopft. Und an Tisch drei machte sich ein Beleuchtungsaufhängungsseil selbstständig. Ein echter Aufreger im sonst eher zähen Spiel von Kyren Wilson gegen Rory McLeod. Interessant war hier die Zuschauerverteilung. Zwei gegenläufige Effekte mit der Angst vorm Zahnarzt und der Begeisterung für Neu-Publikumsliebling Wilson. In diesem Duell siegte tatsächlich McLeod – der Tisch war der am schlechtesten besuchte.

Etwas zäh ist auch das Spiel von Ben Woollaston und David Gilbert heute Morgen. Ben locht die unmöglichsten Bälle und dann auch den Spielball. Oder er snookert sich selbst auf alle Farben auf seinem Tisch und den beiden anderen Tischen gleich dazu. Gilbert nutzt das aus ohne selbst brilliant zu spielen. Am Nebentisch locht Mark Selby einen butterweichen Einsteiger nach dem anderen. Das ganze Snookerspektrum unter einem prachtvollen Dach.

Butterweichen Snookersport würdet ihr auch erleben, wenn ihr den Profis beim Trainieren zusehen könntet. Nur ein paar Meter hinter dem mysteriösen schwarzen Vorhang stehen die Trainingstische. Ich wünschte, ihr könntet alle mal bei der weißen Markierung durch den Vorhang schlüpfen. Nie sieht Snooker so absurd leicht aus wie bei den Trainings-Routinen. Gestern habe ich zum Beispiel Peter Ebdon beobachtet – diese Bananen scheinen schon was zu bringen, hat man dann ja auch im Spiel gesehen. Was man leider nicht im Spiel gesehen hat, ist Peter Ebdons Hemd. Er trug so etwas wie die Winterversion eines Hawaiihemds. Gefrorene eisblaue Ananas quasi.

Ob Ebdon auf der geeisten Alohawelle weitersurft, werden wir heute Abend erfahren. Außerdem: Nur noch ein Mal schlafen bis zu den Viertelfinals! Das nächste Maximum ruft. Und Selby wird hoffentlich auch dabeisein. Genug Tic Tacs hat er ja.

Kathi

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