LochBar

Sehr elitär

Kathi - 09. Dezember 2018 - LochBar

Willkommen – oder sollten wir sagen: Welcome – in der LochBar. Auf der Karte stehen hier allerlei Häppchen und Schlückchen aus der Welt des Snooker. Manchmal öffnet die Bar ihre Pforten, was dann passiert, wird sich zeigen! Eine Kolumne über den Sport, den wir alle lieben – auch wenn niemand sonst uns versteht.

Die UK Championship schreibt meine Lieblings-Weihnachtsgeschichten, das war schon immer so. Erinnert ihr euch noch an die Halbfinalteilnahme von David Grace vor ein paar Jahren? Völlig unvermittelt, aber komplett verdient. Und dieses Jahr dann Martin O’Donnell. Gut, der ist dann doch schon im Viertelfinale ausgeschieden, hat aber unterwegs eben mal Ding Junhui lässig aus dem Weg geräumt. Überhaupt hatte der Tanztapir ja davor bereits mehr chinesische Profis geschlagen als ich Portionen gebratenen Reis essen kann. Mit Ruhe, Coolness und einer ganzen Reihe an souveränen Safeties, energetischen Einsteigern und beinharten Breaks. Moment, merkt ihr was? Das ist doch im Wesentlichen die Edelausstattung für erfolgreiche Snookerspieler. Deshalb kam MODs Galaauftritt in York auch weniger überraschend als manch andere Temporär-Triumphzüge: Das war sein drittes (tanz)bärenstarkes Turnier in Folge, im Saisonranking ist er wunderbar weit vorne platziert. Letzte Saison hatte er seine Qualität schon als einer der erfolgreichsten Spieler im ersten Tour-Card-Jahr angedeutet – und das, nachdem ihm die Re-Qualifikation über die Q-School nur mit Glück und dank eines einzigen Frames gelang. Diese Saison hat sich dann – vermutlich bei einer Kugel Eis in Fürth – noch einmal eine Blockade gelöst und seitdem startet er durch. Wie gut, dass wir eine Profi-Tour haben, die so etwas ermöglicht. Auch wenn manch anderer vielleicht lieber einen Zirkus mit Brüllaffen-Vorführung daraus machen würde. Der mit der größten Banane kommt automatisch ins Finale.

MOD, der übrigens einer der reflektiertesten Spieler auf der Tour ist, hat dann letztlich doch verloren – gegen einen, von dem ich das vielleicht nicht unbedingt behaupten würde. Ronnie lässt auch bei dieser UK Championship die Gegner ungefähr so viel zum Spielfluss beitragen wie Kunststoffschnipselfüllstoffverpackung zur Weihnachtsfreude. Dass das auch bei Mark “Snooker ist ein Kneipensport” Allen im Finale funktioniert, ist ein wenig überraschend und sehr schade. Aber vielleicht gibt es heute Abend ja noch ein Weihnachtswunder.

Das könnten wir im Snooker nach den Schlagzeilen vom Wochenende tatsächlich gebrauchen. Ich habe noch nie einem Turnier physisch hinterhergeweint, aber beim Paul Hunter Classic könnte das gleich durchaus passieren. Im Moment bin ich in dieser Verleugnungs-Trauerphase und gehe fest davon aus, dass noch jemand ein Pro Am aus dem Hut zaubert, das für die nicht eingeladenen Profis attraktiv genug ist. Klar, besser irgendein Turnier als keines. Klar, erst einmal über Wasser halten und dann geht es weiter. Klar, vielleicht sieht die Welt in zwei Jahren wieder anders aus. Dass nun aber ausgerechnet das PHC zur zunehmenden Re-Elitärisierung des Sports beiträgt, ist nur mit sehr viel Eierlikör zu ertragen. Das Turnier, das sich über die letzten Jahre hinweg als Familiensommerfest etabliert hat, bei dem die einen unbeholfen jonglieren, während die anderen ein Feuerwerk abbrennen, und alle Spaß dabei haben. Wir brauchen wieder mehr Snooker für alle, sonst sehe ich langweilige Zeiten auf diesen Sport zukommen.

So, jetzt aber genug rumgeunkt. Heute ist immerhin ein lamettaglänzendes Triple-Crown-Finale und bevor wir in Fürth Eis essen, werden erst einmal in Berlin ein paar Schneebälle geworfen. Nur noch eine gute Woche bis zur Quali! Und nur noch zwei Wochen, bis wir alle Rolfs neues Buch unter dem Baum liegen haben. Darauf einen Glühwein!

Kathi

New comment

0 comments