LochBar

Kugelfischsnooker

Kathi - 01. Mai 2018 - LochBar

Willkommen – oder sollten wir sagen: Welcome – in der LochBar. Auf der Karte stehen hier allerlei Häppchen und Schlückchen aus der Welt des Snooker. Manchmal öffnet die Bar ihre Pforten, was dann passiert, wird sich zeigen! Eine Kolumne über den Sport, den wir alle lieben – auch wenn niemand sonst uns versteht.

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Ach guckt mal, Judd Trump ist wieder im Kugelfischmodus. FLUPP, aufgeblasen. Früher waren Autos, Groupies und Schuhe der Auslöser – heute scheint er sich eher stressbedingt aufzublasen. Es läuft nicht so richtig im Match gegen Ricky “ich hab keine Schuhe und keinen Spitznamen” Walden? Ricky versucht selbstbewusst einen schweren Ball? Flupp, schon ist Testosteron-Trump angestachelt wie ein Stachelrochen. Hat in dem Fall ja funktioniert. Und ehrlich gesagt verstehe ich ihn auch ein bisschen. Er ist jetzt in diesem unbeliebten Sumpf der “er müsste es jetzt echt mal gewinnen”-Erwartungen. Jetzt spielt er zu allem Überfluss gegen John Higgins, der natürlich viele, viele Meter über dem Sumpf schwebt.

Aber bleiben wir kurz beim Thema “Aufgeblasen”: Barry Hearn hat wieder seine traditionelle WM-Pressekonferenz abgehalten. Und wieder hat er der Versuchung widerstanden, die WM einfach ins Land des aufplatzenden Geldsacks zu verlegen. Dazu gratulieren wir herzlich! Ansonsten gibt es mehr Geld für die frühen Turnierrunden und mehr Schimpf und Schande für die langsam spielenden Profis. Zuerst einmal zwei gute Nachrichten, denn eine Schnecken-Schimpf-Liste ist noch lange keine Shotclock. Und mit ernsthaften Strafen würde ich vorerst nicht rechnen, dafür wird die Stoßzeit viel zu unpräzise gemessen. Trotzdem stellt sich natürlich die Frage nach dem Sinn des Ganzen. Angeblich mag der Snookerfan an sich keine langsamen Spieler. Das sehe ich anders. Wenn man mich fragt – und das tut niemand -, gibt es zwei breite Kategorien von Snookerfans und das meine ich ausdrücklich wie ausnahmsweise wertneutral: Die einen gucken einfach gerne Ronnie oder Higgins oder Trump (flupp!) im TV. Vielleicht wären sie von den langsamen Spielern tatsächlich genervt, aber die bekommen sie ja eh fast nie zu sehen. Und falls doch, werden sie von Ronniehigginstrump in einer halben Stunde mit 5:0 nach Hause geschickt. Kein Problem! Die anderen interessieren sich für das gesamte Teilnehmerfeld und verfolgen Livescores oder diverse Streams. Finden sie langsame Spieler doof, verfolgen sie einfach ein anderes Match. Mögen sie langsame Spieler, freuen sie sich. Kein Problem! Warum man dieses Nicht-Problem jetzt also aufbauscht? Ein PR-Gag vielleicht, aber sicher kein Grund für Drama.

Dass man PR-Gags manchmal braucht, trifft gerade unter Hardcore-Fans zurzeit auf viel Unverständnis. In den Snooker-Schlagzeilen kommen kleine Schubser groß raus und der Sport rückt vermeintlich in den Hintergrund. Oder wird die tiefgehende Sportanalyse vielleicht nur einfach geschickt verpackt? Ich habe jedenfalls noch keine Crucible-PK erlebt, bei der der Sport von Seiten der Journalisten nicht im Vordergrund gestanden hätte. Dafür, dass Peter Ebdon gerne ungefragt über das Karottensaftrezept seiner Omma referiert, kann ja keiner was. Andere Dinge, die abseits des Tisches passieren, können im Mentalsport Snooker außerdem durchaus relevant sein.

Dass die Kollegen, die massentaugliche Texte verkaufen, nebenher unter großem Aufwand twittern, bloggen und sogar Bücher schreiben, soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Wer will, soll die Medienlandschaft – dann aber bitte Zeitungen UND Leser – kritisieren. Aber für die Snookerleidenschaft und das Fachwissen der bekannten britischen Kollegen breche ich hier jede Lanze und jedes Queue, das mir in den Weg kommt. Flupp!

Kurz (unter 25 Sekunden) zurück zur Stoßzeit: Ein paar der Spieler, denen ich gerne zusehe, spielen wahnsinnig schnell und checken nach dem Match neuerdings zuallererst ihre durchschnittliche Stoßzeit (keine Namen). Ein paar andere meiner Favoriten treiben ihre Gegner durch unerbittliche Geduld in den Wahnsinn und lassen sich gerne ein wenig (viel) mehr Zeit. Wie so oft im Leben: Die Mischung macht’s! Behalten wir also die Diversität im Snooker bei, es sei denn, es geht um hässliche sauteuere Designer-Schuhe (flupp!).

In diesem Sinne genießen wir jetzt die wirklich tollen Viertelfinals mit Mark Allen, Kyren Wilson, John Higgins und dem Doppelflupper. Die Statistik, die uns am Ende der zwei Snookerweihnachtswochen am wenigsten interessieren wird, ist die durchschnittliche Stoßzeit. Bei der WM flupptscht es doch sowieso.

Kathi

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