LochBar

Von Un- und Irrsinn

Avatar of KathiKathi - 11. Februar 2018 - LochBar

Es liegt Unsinn in der Luft. Das kann sehr amüsant sein, beim Snooker Shootout zum Beispiel. Oder beim Krapfenessen, wenn die Füllung hinten so rausquatscht. Mit dem Spaß ist es aber schnell vorbei, wenn der Un- zum Irrsinn wird. Wenn ein talentierter junger Mann zusehen muss, wie sein Sportlertraum – zum Greifen nah – unter einem überdimensionalen Haufen Machtspielchen begraben wird. Simon Lichtenberg ist Snooker-Europameister und dazu gratuliere ich 147 Mal. Aber Simon Lichtenberg ist trotzdem kein Snookerprofi und das lässt uns alle snookerkugelrot vor Wut werden. Mit Wut im Bauch schreibt es sich selten gut und noch seltener differenziert, also habe ich mir etwas Abstand und ein paar Krapfen gegönnt. Und jetzt festgestellt, dass der Betrug an Simon, den die DBU da begangen hat, auch zwei Tage später noch genauso kammgarnsträubend ist wie am Anfang.

Man sollte sich hier kurzfassen, um den unfunktionalen Funktionären nicht noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken: Die DBU stellt eigene Befindlichkeiten wohl über die recht offensichtlichen und gut verständlichen Interessen ihrer Sportler. Die DBU hält wohl lieber dem vielleicht einzigen Sportverband, der korrupter ist als die FIFA, die Treue, anstatt dem zukunftsweisenden neuen Verband beizutreten.

Da bleibt nur eine Frage offen: Hat vielleicht irgendjemand (IRGENDJEMAND) Lust, einen neuen deutschen Snookerverband zu gründen? Den DSDS? Den HDL? Es kann nur besser werden.

Ein wenig Hoffnung gibt es, denn Jason Ferguson will sich der Sache annehmen. In Berlin hatte ich ein sehr schönes Gespräch mit ihm und habe einen kleinen Einblick in seinen Terminkalender bekommen. Resultat: Jason tut wirklich unglaublich viel für den Snookersport weltweit – und über die Hälfte der Dinge redet er nicht einmal. Wenn jemand die nahe Zukunft des deutschen Snooker(profi)sports retten kann, dann er. Peinlich, dass wir ihn um Hilfe bitten müssen.

Immerhin besteht die Chance auf ein Happy End – davon gab es beim Shoot Out auch schon einige. Na klar, das Turnier ist ein Unsinn. Aber es macht Spaß. Allerdings weiß ich nicht, wie irgendjemand unter diesen Bedingungen Snooker spielen kann. Wenn ich mit Spielern mitfiebere, die ich persönlich kenne, liegt mein Puls jedenfalls bei 247. Ich kann kaum hinsehen, die Gesichtszüge entgleisen mir – und Martin, Michael oder MOD spielen cool ihre Breaks runter. Es ist mir ein Rätsel. Und eine Freude. Gerade den Spielern weiter unten im Ranking gibt das Shootout die seltene Gelegenheit, im Fernsehen vor einem halb interessierten und halb besoffenen Publikum zu spielen. Ungeteilte Aufmerksamkeit und die Gewissheit, in zehn Minuten mit verrückten Regeln wirklich jeden schlagen zu können – das ist zu Recht ein Saisonhighlight für viele. Gönnen wir es ihnen! Feuern wir sie an! Und hoffen wir, dass nächstes Jahr Simon Lichtenberg unter ihnen sein wird! Darauf einen Krapfen.

Kathi

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