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Avatar of KathiKathi - 22. Oktober 2017 - LochBar

Es lief einfach rund bei Alexander Ursenbacher, rund wie die Löcher im Emmentaler. Mit einer ordentlichen Portion Courage, aber fast ohne Tschoopehofguschti-Bälle à la Lisowski, spielte sich der junge Schweizer ins Halbfinale der English Open – vor allem aber auch in die Schoko-Herzen der Fans. Und das zurecht!

Wenn der Ursenhammer ins Break kam, nahm er so schnell Fahrt auf wie ein Laib Käse, der von der Alm in Richtung Tal kugelt. Da braucht man kein Kontinentalpatriot sein, um das cool zu finden. Wäre er Chinese, würden viele jetzt die Leier vom baldigen Weltmeister herausschreien – eine Prozedur, die sich meist als recht ungesund für die Zukunft der Spieler herausstellt. Aber dank seiner erstaunlichen Souveränität könnte Alexander wahrscheinlich sogar mit solchen überzogenen Spontanerwartungen umgehen.

Erwarten können wir jedenfalls mehr gestreamte Spiele von ihm in der Zukunft und das ist ja durchaus ein Grund zur Freude. Sein attraktiver, aber überlegter Stil wird sicher vielen Fans überall auf der Welt in Erinnerung bleiben – und wieder mal gilt: Die Schweiz mag doch irgendwie jeder. Der Ursenhype der letzten Tage hat in mir aber auch eine Frage wieder aufgeworfen, die mich schon seit Fürth beschäftigt: Was wird passieren, wenn sich herausstellt, dass unser Arm der Nation, Lukas Kleckers, zwar zunehmend erfolgreich (yay!), aber eben auch Peter-Ebdon-mäßig (nay!) Snooker spielt? Natürlich verdient jeder Spielstil Respekt, es gibt ja aus gutem Grund keine B-Note im Snooker. Aber ich bin trotzdem gespannt, wie sich die momentane Euphorie entwickelt, wenn sich Stream-Matches voller zerfahrener 60-Minuten-Frames häufen. Deutschland gähnt Snooker? Oder steigende Verkaufszahlen für Sitzkissen und tragbare Kühlschränke beim German Masters?

Wenn wir schon bei drängenden Fragen sind: Warum haben gerade eigentlich so viele junge Spieler Erfolg? Ganz einfach – sie sollten sich im großen Snooker-Kindergarten, der gerade an allen Ecktaschen und Enden veranstaltet wird, aus Altersgründen besonders wohl fühlen.

“Aba ich wusste doch gar nicht, dass ich nich auf das doofe Snooker wetten darf!!! (Ich wusste auch nicht, dass ich gar nicht so viel Ahnung vom erfolgreichen Snookerwetten habe, aber das nur nebenbei.)”

“Der böse Junge da hat in meiner Sichtlinie mit seinem Bagger gespielt, mit dem red ich niiiieeee mehr (= nur total öffentlich über Twitter).”

“Boah die haben eine Ausnahme für mich gemacht, aber nich noch eine für meinen fetten Werbedeal – ICH HASSE EUCH ALLE.”

Vielleicht bringt ja die nahende Weihnachtszeit ja wieder etwas Frieden und Gemütlichkeit in die Snookerwelt. Oder kriegen wir vorher noch ein Binghamween?  Aber jetzt entschuldigt mich, ich mach mir erst einmal ein Fondue.

Kathi

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