Eine kleine Fürthschau

Avatar of KathiKathi - 23. August 2017 - LochBar

Mysteriöse Dinge geschehen in der Snookerwelt. Und ich rede nicht einmal von der scheinbar UnbeantwortBar-en Frage, ob es in Fürth jetzt zwei, drei oder einskommaviersieben Livestreams geben wird. Höchste Zeit also, den ganzen Tee aufzuwärmen und in der Gegend herumzuschütten – wie man das jetzt auf Neu-Amerikanisch zu sagen pflegt. Also, lästern wir ein bisschen!

Da wäre zunächst die extrem mysteriöse und noch dümmere Wettgeschichte um Stuart Bingham. Ihr hattet wahrscheinlich darauf gewettet, dass mein besonderer Freund auch in dieser LochBar auftaucht, stimmt’s? So etwas wie ein Urteil oder zumindest ein paar weitere Infos gesteht man uns offenbar nicht zu. Publik wurde die Geschichte außerdem damals ja in der (wörtlich) einzigen snookerfreien Woche des Monats – also recht feige mit maximaler Distanz zu möglichen Kommentaren seitens der Journalisten. Da wird wohl etwas Größeres dahinterstecken und es würde nicht verwundern, wenn da jemand demnächst (oder so in zwei Jahren, wer weiß das schon) eine Weile in seinen Tümpel abtauchen muss.

Weiter geht es im Kuriositätenkabinett des Snooker mit der andauernden Verwirrung um die asiatischen Turniere. Ich war ja immer ein großer Fan des Shanghai Masters – dort hatten sie Zuschauer, die richtige Portion Glamour, den richtigen Platz im Snookerkalender und jedes Jahr ein paar herausragende Spiele. Gut, wenn man dann halt den Austragungsort plattmacht, wird’s schwer. Also wurde das Event gestrichen. Oder auch nicht! Denn vielleicht findet es doch statt. Vielleicht in einem Zelt, das hatten wir ja alles schon. Vielleicht schon im November. Vielleicht ist die Qualifikation morgen in Fürth. Vielleicht ist das auf dem WM-Siegerfoto gar nicht Mark Selby, sondern Manuel Neuer.

Das wäre jetzt eigentlich schon genug Material für den Kaffeeklatsch in der LochBar, aber im Snooker meint man es in dieser Hinsicht zurzeit ja etwas zu gut mit uns. Das nächste große Drama ist quasi noch ganz frisch und trotzdem weiß niemand mehr, um welchen der vielen semisinnfreien Verbände es eigentlich ging. Jason Ferguson ist ziemlich plötzlich als Vorsitzender des Billiard-Verbands, an dessen Namen sich niemand mehr erinnern kann und von dem auch niemand weiß, was er eigentlich genau macht (BVadNsnmekuvdanwweegm) zurückgetreten. Es ging bei der ganzen Sache ursprünglich mal um Olympia und darum, dass Snooker da irgendwie hinwill. Betonung auf „irgendwie“, denn das Vorhaben ist etwa so durchsichtig wie ein grünes Filztuch. Oder wisst ihr, wie man sich für den Snookerwettbewerb der World Games qualifizieren konnte? Ich habe von mindestens einem Profi gehört, der mitspielen wollte, aber nicht durfte. Trotzdem war da die Welt scheinbar noch so in Ordnung wie eine grüne Wiese mit roten, blauen, gelben und pinken Blumen. Bis dann plötzlich auf eine knappe Pressemitteilung die nächste folgte – alle mit einem Unterton, der von Mark Allens Ehefrau stammen könnte. Das klang also alles nach sehr viel Drama und ich wüsste ja zu gern, was genau hinter den Kulissen gelaufen ist. Denn eins ist sicher: Wir bekommen nur einen Bruchteil der Zickereien mit.

Und das ist vielleicht auch ganz gut so! Denn das Schöne am Fan-Sein ist, dass wir nicht mitzicken müssen, sondern uns entspannt auf ein idyllisches Wochenende (kommt Liang Wenbo?) in Fürth freuen können. Wobei, so ganz entspannt wird zumindest der Freitagmorgen für mich nicht – meine beiden Favoriten spielen nicht nur zeitgleich sondern auch ausgerechnet schon um 9 Uhr 30. Logistisch also sehr anspruchsvoll und ich werde wohl mein Brückenseilbesichtigungsgerät einpacken, um die beste Sicht zu haben. Wenn ihr jemanden hektisch zwischen zwei Tischen hin- und herrennen seht, bin das wahrscheinlich ich. Und ich freue mich wie eine Nürnberger Bratwurst darauf!

Endlich wieder Live-Snooker, endlich wieder mit anderen Snookerfans über das grandiose Match von David Grace quatschen, endlich wieder Treppenselfies in der Stadthalle und hoffentlich wieder keine Treppenunfälle mit Bratwurst, Senf und Stolperern. Dazu die Freude über den ersten Turniersieg von Luca Brecel und über unseren Arm der Nation, der bei Neil Robertson ja schon zugeschlagen hat. In diesem Sinne, lasst uns die diversen Unsinnigkeiten nicht generell ignorieren, aber für ein Wochenende einfach vergessen – im Sport und in der Liebe ist schließlich alles erlaubt.

Kathi

P.S.: Nachdem ich mir gerade um die 70 Seiten Masterarbeit abgerungen habe, wird die LochBar dieses Wochenende in einem etwas experimentelleren Format erscheinen – aber keine Sorge, Statistikkenntnisse sind keine Voraussetzung.