LochBar

TanzBar

Goten - 04. November 2018 - LochBar

Willkommen – oder sollten wir sagen: Welcome – in der LochBar. Auf der Karte stehen hier allerlei Häppchen und Schlückchen aus der Welt des Snooker. Manchmal öffnet die Bar ihre Pforten, was dann passiert, wird sich zeigen! Eine Kolumne über den Sport, den wir alle lieben – auch wenn niemand sonst uns versteht.

Es wird langsam neblig und das liegt nicht etwa daran, dass Jimmy White unter dem Tisch eine Wasserpfeife raucht. Der Herbst ist da: Heiße Schokolade hat Hochkonjunktur, aber die Plätzchen verkneifen wir uns noch ein Weilchen. Im Snooker beginnt jetzt sozusagen die Ballsaison, eindrucksvoll angekündigt durch die spontane Tanzeinlage von Martin O’Donnell an einer chinesischen Schule. Gut, für den Wiener Opernball reicht das noch nicht ganz – aber der Mann ist hauptberuflich (zum Glück) Snookerspieler. Und zwar ein guter. Das hat er diese Woche beim Festakt der International Championship mit der zweiten Viertelfinalteilnahme innerhalb kürzester Zeit unter Beweis gestellt. Nicht nur für ihn war es das zweite erfolgreiche asiatische Turnier in dieser Saison: Die vergangene Woche hatte neben verdächtig vielen Centuries und unverdächtig wenigen Zuschauern eine ganze Menge Top-Snooker auf Lager.

Gerade fehlt Mark Allen im Finale nur noch ein Frame zum Sieg – kein Grund zur Hektik im LochBar-Hauptquartier, denn die Siegerehrung alleine würde zeittechnisch zum Beenden dieses Artikels reichen. Besonders leicht(füßig) ist Mark Allen nun wirklich nicht, aber sein Snooker war in dieser Woche galatauglich. Bestechendes Breakbuilding und dazu solide Safeties, so wurde er zu Recht zum Ballkönig der Woche. Mit ihm freut sich Luca Brecel, der durch den Allen-Triumph auch mit in den total angesagten Hipster-Club der Snookerwelt darf (ist er dafür überhaupt schon alt genug?) – zum Champion of Champions.

Unter deutschen Snookerfans ist dieser Club noch ein Geheimtipp, da man leider nur mit Passierschein DAZ/N-147 hineinkommt. Dafür findet man im Inneren die LSD-Version eines Snookertisches und jede Menge Drama mit den Stars und Sternchen der Snookerwelt. Das Turnier hat noch nicht begonnen und ich liebe es jetzt schon. Vor allem, weil Spieler wie Jimmy Robertson und Michael Georgiou mit wesentlich größerer Berechtigung am Champion of Champions teilnehmen als Ding Junhui. Denn die beiden haben im letzten Jahr Titel gewonnen – im Gegensatz zum chinesischen Antiweltmeister, der über die Resterampe noch ein Mauerblümchen als Tanzpartnerin abbekommen hat. Egal wie die Spiele ausgehen, diese Genugtuung bleibt.

Ein weiterer großer Vorteil dieser Riesenparty: Jedes Match wird übertragen, es gibt also keinen Anlass, sich über die TV-Matches zu ärgern. Jeder steht im Rampenlicht und kann unter der großen Diskokugel im Scheinwerferlicht seine Tanzmoves zeigen. Bei den anderen Turnieren lohnt es sich mittlerweile nicht mehr, sich über die Wahl des Hauptmatches zu ärgern – wenn die Ronnieselbymurphyshow die Quoten oben hält und uns überhaupt Snooker ins Fernsehen bringt, bitte weiter so! Aber den Extrastreamtisch im Player könnte man doch bitte etwas buntefarbbeutelaufdentischwerfend-kreativer bespielen – das steht auch nicht zum ersten Mal in der LochBar, aber dass man bei Eurosport diese Kolumne nicht gaaanz ernst nimmt, ist vielleicht nicht gaaanz verwunderlich. Denn der Ronnieselbymurphyfan kann ja eben nur ein Spiel gucken, da könnte man den Yanwoollastonhigginsonfans doch den zweiten Tisch lassen. Vielleicht manchmal? Bitte?

Aber gut, solche Weihnachtswünsche kommen eigentlich noch ein paar Wochen zu früh. Jetzt krönen wir erst einmal den Pokalsieger der Pokalsieger in der nicht mehr ganz neuen globalen Snooker-Super-League. Immer am Puls der Zeit, unser Sport. Opernbälle und die dazu passende Bekleidung kommen ja auch wieder in Mode, hört man.

Kathi

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