G0ten's Blog

Gedankenspiele zur neuen Saison

Avatar of GotenGoten - 21. Juni 2017 - Turniervorschau

Ich saß irgendwie gefühlt länger daran, mir einen aussagekräftigen Titel für diesen Blogeintrag zu überlegen, als ich wirklich für das Überlegen des Inhalts gebraucht habe. Wenn am Freitag in Riga die ersten Bälle gelocht werden, geht die neue Saison 2017/2018 endgültig los. Die beiden Qualifikationen, die wir Anfang des Monats bewundern durften, haben da ja noch nicht die Euphorie entfachen können, die so langsam wieder aufsteigt.

Das Riga Masters ist das erste von 19 vollwertigen Weltranglistenturnieren, die wir in den kommenden 10-11 Monaten erleben dürfen. Dazu gesellen sich sechs mehr oder weniger prestigeträchtige Einladungsturniere, mit dem Hong Kong Masters darunter sogar ein komplett neues. Die Rückkehr des World Cups als Team-Event in Wuxi ist ebenfalls toll, auch wenn das deutsche Team wohl nur Außenseiterchancen hat. Ansonsten entspricht der Terminkalender weitgehend dem der letzten Saison, was uns letztlich Snooker in Hülle und Fülle verspricht.

Ich will aber gar nicht unbedingt nur über Turniere sprechen, sondern auch ein paar Worte zu einigen Spielern loswerden, für die die neue Saison unter gewissen Gesichtspunkten ereignisreich oder sogar wegweisend werden könnte. Fangen wir mit Lukas Kleckers an. Wahnsinn, dass sich der 21-jährige über die Q-School das Main-Tour-Ticket geholt hat. Sich in dieser harten Konkurrenz durchzusetzen, war ein Zeichen, dass Kleckers auf dem absolut richtigen Weg ist. Dennoch sollte man gerade im ersten Jahr die Erwartungen noch nicht überstrapazieren. Um auf der Main Tour Fuß zu fassen, braucht es neben der spielerischen Klasse auch mentale Stärke und vor allem Erfahrung. Um die zu sammeln, wird sich der "Ruhr Potter" gerade im ersten Jahr noch in der Aufbauphase befinden und darf sich von Niederlagen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Sein Ziel sind natürlich die Top 64 am Ende der Saison 2018/2019. Das ist realistisch, aber gleichzeitig auch unheimlich schwer zu erreichen. Sein Schweizer Kollege Alexander Ursenbacher kann ihm da aus erster Hand drüber berichten.

Vom Neuling kommen wir mal zur Nummer 1. Mark Selby beginnt die Saison etwas unvorteilhaft und muss auf den Start in Riga aufgrund eines gebrochenen Zehs verzichten. Die Verletzung, die er sich beim Heimwerken zugezogen hat, sollte aber bis zum Hong Kong Masters ausgeheilt sein. In Bezug auf die Weltrangliste wird er den Turnierausfall verschmerzen können. Wenn es danach geht, könnte er wohl sogar bis zur nächsten Weltmeisterschaft eine Pause einlegen (Hallo Ronnie!) und dürfte immer noch von der Spitze der Rangliste grüßen. Judd Trump und John Higgins sind derzeit die ärgsten Verfolger der Nummer 1, doch ich fürchte fast, der Vorsprung könnte eher noch wachsen als schrumpfen. Das liegt zum einen an der unfassbaren Konstanz Selbys, zum anderen aber auch daran, dass der Engländer knapp zwei Drittel seiner Punkte in der letzten Saison geholt hat und damit verhältnismäßig wenig zu verteidigen hat.

Interessanter könnte es da schon in den Top 16 zugehen. Es dürfte viel Bewegung geben und einige Neulinge bzw. Rückkehrer könnten in diesen Elitekreis einziehen. Kandidaten dafür wären Mark King, der sehr wenige Punkte zu verteidigen hat, und natürlich Anthony Hamilton, der überhaupt keine Punkte verteidigen muss und davon profitieren könnte, dass für einige Akteure die letzte Saison nicht allzu doll lief. Dazu zählen vor allem Martin Gould, Mark Allen und Neil Robertson. Für Gould fällt der Sieg beim German Masters 2016 im Laufe der Saison aus der Wertung und da die vergangene Saison nicht wirklich gut war, kommt eine Menge Arbeit auf den Brillenträger zu, wenn er in den Top 16 bleiben möchte. Das Gleiche gilt für Neil Robertson, der nach einem guten Start in die letzte Saison eigentlich nur noch in einer Sache Konstanz zeigte: Formschwäche. Seine Videospielsucht mag dazu einiges beitragen, das darf bei seinem Talent und seiner spielerischen Stärke aber nicht zu einem Stolperstein werden. Der Australier gehört eigentlich in die Top 5 der Weltrangliste, wenn er aber nicht bald die Kurve kriegt, wird das wohl nichts mehr. Auch Mark Allen wird nach einer Katastrophen-Saison eine Menge Arbeit auf dem Snookertisch haben, um sich in den Top 16 zu halten. Der Nordire kann deutlich mehr, ruft sein Potential aber zu selten ab.

Von den Top 16 gehen wir mal die Rangliste runter zu den Spielern, die um ihr Main-Tour-Ticket bangen müssen. Auch da gibt es ein paar Namen, die im Laufe der Saison etwas öfter in den letzten Runden eines Turniers auftauchen müssen. Dazu zählen leider auch Alan McManus und Thepchaiya Un-Nooh. McManus verliert einige Punkte im Laufe der Saison, vor allem natürlich am Saisonende seinen Run ins WM-Halbfinale 2016. Weniger als ein Viertel seiner aktuellen Punkte hat der Schotte in der vergangenen Saison gesammelt. McManus braucht eine sehr gute Saison, sonst purzelt er nicht nur die Weltrangliste herunter, sondern wird auch um sein Profi-Ticket bangen müssen. Gleiches gilt für Un-Nooh, der seine tolle Saison 2015/2016 leider nicht bestätigen konnte. Der Thailänder ist zu gut, um von der Main Tour zu fallen. Mit seinem Potential sollte er eigentlich um die Top 16 kämpfen können, das wird diese Saison aber noch nichts. Nicht unbedingt gefährdet, aber dennoch Gefahr laufend, in der Rangliste deutlich nach unten zu purzeln, sind auch Peter Ebdon, Matthew Selt und Luca Brecel.

Bei aller Vorausschau sollte man natürlich beachten, dass mit fast 20 Turnieren, die für die Rangliste zählen, eine Riesenmenge an Preisgeld über die nächsten 11 Monate verteilt wird. Wir dürfen gespannt sein, wo es Bewegung gibt und welche Überraschungen die neue Spielzeit für uns bereit hält. Ich wünsche eine unterhaltsame und tolle Saison 2017/2018.

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