G0ten's Blog

Das Snookerjahr 2016 im Rückblick

Avatar of GotenGoten - 21. Dezember 2016 - Jahresrückblick

Schon wieder liegt ein ganzes Jahr hinter uns und mal wieder war es mit mehr Snooker als je zuvor gefüllt. Während ich diesen Satz wohl fast jedes Jahr schreibe, kommt es einem diesmal tatsächlich wahrheitsgetreu vor. Fast jede Woche in diesem Jahr war mit einem Event gesegnet, die Pausen eher die Ausnahme als die Regel. Ganze 26 Titel wurden allein im Profi-Bereich vergeben, Amateur- und Pro-Am-Turniere noch gar nicht mitgerechnet. Wer die gewonnen hat und was abseits des grünen Tisches noch passiert ist, klären wir nun.

Der Start ins Jahr 2016 gehörte eindeutig Ronnie O'Sullivan: Nachdem ihm als dritten Spieler nach Steve Davis und Terry Griffiths der britische Verdienstorden OBE verliehen wurde, holte er nach 8 Monaten Pause seinen 6. Masters-Titel und zog damit mit Stephen Hendry gleich. Im Finale ließ er einem überforderten Barry Hawkins beim 10:1 nicht den Hauch einer Chance. Zwei Wochen später holte sich Mark Davis den WM-Titel bei den Senioren, einer Veranstaltung, die immer mehr zu einem Trainingswochenende für ältere Profispieler verkommen ist. Lediglich vier (seit längerem) zurückgetretene Spieler waren im 16'er-Feld in Preston dabei, ein Rekord-Negativ-Wert. Kein Wunder also, dass die World Seniors Championship für die laufende Saison nicht mehr im Kalender steht.

Anfang Februar erfreute die deutschen Snookerfans wieder das German Masters im Berliner Tempodrom, ein Turnier, was wegen seiner besonderen Atmosphäre längst zum Klassiker auf der Main Tour avanciert ist. Während einige der großen Namen bereits in der Qualifikation oder im früheren Turnierverlauf die Heimreise antreten mussten, nutzten ein paar nicht favorisierte Namen die "Grüne Woche" in Berlin für Überraschungen aus. Ohne Halbfinal-Beteiligung eines Top-16-Spielers waren es schließlich Martin Gould und Luca Brecel, die das erstmals von Maike Kesseler geleitete Endspiel erreichten. Beide Spieler sollten nach dem Erfolg in Berlin im weiteren Verlauf des Jahres deutlich unter ihren Möglichkeiten bleiben. Am Ende holte sich Gould seinen ersten großen Titel nach einem 9:6 gegen den Belgier, der eine Woche später auch beim Shoot-Out bis ins Finale kam. Bei dem spaßigen 1-Frame-Event in Reading setzte sich schließlich Robin Hull durch, der nach vielen gesundheitlichen Rückschlägen seinen ersten Profi-Titel verbuchen konnte.

In Cardiff setzte Ronnie O'Sullivan seinen guten Saisonstart mit einem Welsh-Open-Titel fort, mit dem er mit Steve Davis und John Higgins gleichzog, was Siege bei Ranglistenturnieren betrifft. Ding Junhui steuerte zu dem Kurzdistanz-Event auch noch das erste von 10 Maximum Breaks im Jahr 2016 bei, seine insgesamt schon sechste 147. Nur wenige Tage später schaffte dieses Kunststück auch Fergal O'Brien, dem in der Championship League sein erstes perfektes Break gelang. Den Abschluss des Februars brachte Mark Selby, der mit den Gdynia Open passenderweise den letzten Titel der European Tour holte und damit als Rekordsieger dieser PTC-Events das Ende dieser Mini-Ranglistenturniere einläutete. Für Selby, der in der Weltrangliste inzwischen genug Vorsprung für ein Sabbat-Jahr hat, war es der erste von am Jahresende fünf Titeln.

Der Snookermärz bedeutet traditionell das langsam einleitende Saisonende, geht doch nun alles auf das Highlight eines jeden Jahres, die Weltmeisterschaft, zu. Nicht so inzwischen, da die Menge an Turnieren auch einen Monat vor der Krönung noch genug Zündstoff bietet. Den Anfang machte dabei Judd Trump, der schon zum dritten Mal die Championship League gewinnen konnte und dabei für die erste Finalniederlage des Jahres von Ronnie O'Sullivan sorgte. Das ist deshalb erwähnenswert, da dem Exzentriker dies noch einige weitere Male im Jahr 2016 passieren sollte. Beim World Grand Prix, bei dem die 32 erfolgreichsten Spieler der bis dahin laufenden Saison an den Start gingen, kam es letztlich zu einer Neuauflage des WM-Finals von 2015 zwischen Shaun Murphy und Stuart Bingham. Murphy schaffte die Revanche für die bittere Niederlage, musste beim 10:9 aber hart dafür kämpfen. Für beide war es nach einer bis dahin mäßigen Saison die Rückkehr zu starker Form. Starke Form zeigte dann auch Mark Allen, der bei den Players Championship Finals seinen ersten Ranglistentitel außerhalb von China holen konnte.

Im Finale hatte sich Allen dabei gegen Ricky Walden durchgesetzt, der auch beim letzten Turnier vor der WM, den China Open in Peking, das Endspiel erreichte. Doch auch dort setzte es für Walden eine Niederlage, diesmal mit 4:10 gegen Judd Trump, der damit eine Durststrecke seit den Australian Open 2014 beendete. Für Trump war es der zweite Triumph in Peking, nachdem er fünf Jahre zuvor an gleicher Stelle den Durchbruch geschafft hatte. Damals hatte er wenige Wochen später sogar das WM-Finale erreicht, dafür reichte es dieses Jahr aber nicht. Er unterlag Ding Junhui, der sich erstmals seit 2007 für das Crucible Theatre qualifizieren musste, in der 2. Runde und wartet weiter auf seinen ersten WM-Titel. Auf den muss auch der Chinese weiter warten, dem es nach der erfolgreichen Qualifikation aber tatsächlich erstmals gelang, das Endspiel zu erreichen. Er unterlag dort einem Mark Selby, der sich mit unbändigem Willen und Nervenstärke durch das Turnier gekämpft hatte. Selby, ungewöhnlich ernst während des gesamten Turniers, wurde damit im erlesenen Kreis der mehrfachen Weltmeister aufgenommen und verteidigte seine Führung in der Weltrangliste. Bei den Damen holte sich Reanne Evans den Titel mit einem 6:4 gegen Titelverteidigerin Ng On Yee zurück und gewann damit zum 11. Mal die Weltmeisterschaft. Spieler des Jahres wurde übrigens John Higgins, der in der Saison 2015/2016 mit den Australian Open und der International Championship zwei Ranglistentitel geholt hatte.

Zum Start in die neue Saison gab es zunächst etwas unerfreuliche Nachrichten: Matthew Selt wurde wegen unangemessener Tweets für das Riga Masters und das Paul Hunter Classic gesperrt, während Leo Fernandez wegen Matchmanipulation in Zusammenhang mit Glücksspiel für 15 Monate suspendiert wurde. Apropos Riga Masters: Mit dem Wegfall der European Tour nun zu einem vollwertigen Ranglistenturnier geworden, avancierte das Turnier in Lettland zu einem ordentlichen Saisonauftakt. Zum dritten Mal in den letzten vier Jahren triumphierte Neil Robertson beim ersten Weltranglistenturnier der Saison. Mit 5:2 behielt der Australier, der ansonsten kein gutes Jahr erwischte, gegen Michael Holt die Oberhand. Für Aufsehen sorgte Darren Morgan, der als Ex-Profi durch den Sieg bei den EBSA European Open eine Wildcard für Riga bekam und das Halbfinale erreichte. Auch bei den Indian Open gab es eine ähnliche Geschichte, als David Lilley, mehrfacher englischer Amateur-Champion, bis ins Viertelfinale stürmte. Den Titel in Hyderabad holte schließlich Anthony McGill nach einem 5:2 gegen Kyren Wilson, was den ersten Titel für den Schotten bedeutete. Ende Juli konnte schließlich noch Allister Carter bei den World Open mit 10:8 gegen Joe Perry triumphieren, was für ihn die Rückkehr in die Top 16 und das Ende einer dreijährigen Durststrecke markierte.

Im August verpasste die deutsche Hoffnung Lukas Kleckers nur knapp das Main-Tour-Ticket, als er bei der U21-WM in Belgien das Halbfinale erreichte, wo er dem späteren Sieger Xu Si mit 2:5 unterlag. Ganz unter deutscher Flagge stehend, findet im August traditionell das Paul Hunter Classic in Fürth statt. Neben Mark Selby, der zum dritten Mal in der Stadthalle den Pokal in die Höhe halten durfte, verlief das Turnier auch für Thepchaiya Un-Nooh erfolgreich. Der Thailänder schaffte nach zuvor zweimaligem Verschießen der letzten Schwarzen endlich sein erstes Maximum Break. Aufgrund des angesammelten Preisgeldes für eine 147 gewann Un-Nooh damit in Fürth sogar mehr Geld als Turniersieger Mark Selby. Der September gehörte dann einem anderen Asiaten. Nach zwei schwierigen Jahren hatte Ding Junhui mit dem Erreichen des WM-Finals endlich wieder die Rückkehr zu alter Form angedeutet und ließ dies nun auch in zählbaren Ergebnissen erkennen. Dem Titel bei der 6-Reds-WM in Bangkok ließ der Chinese die erfolgreiche Revanche für das WM-Endspiel gegen Mark Selby folgen und gewann mit dem Shanghai Masters seinen 12. Ranglistentitel. Während des Turniers spielte Stephen Maguire zudem das dritte Maximum Break seiner Karriere.

Der Herbst sollte dann eine wohl einmalige Snookerphase einläuten. Beginnend mit dem European Masters stand jetzt bis Weihnachten tatsächlich ausnahmslos in jeder Woche ein Snookerevent auf dem Programm. Den Anfang machte das erste Profi-Turnier in Rumänien, bei dem sich Judd Trump und Ronnie O'Sullivan im Endspiel gegenüber standen. Ich hatte bereits erwähnt, dass 'The Rocket' in diesem Jahr einige bittere Finalniederlagen einstecken musste und dieses Endspiel war eine davon. Trump triumphierte trotz mehrfachen Rückstandes am Ende mit 9:8 und holte seinen 6. Titel bei einem Ranglistenturnier. Für den Engländer war es die spielerisch beste Phase des Jahres, denn auch eine Woche später erreichte er bei den English Open, die den Auftakt zur neu geschaffenen Home Nation Series bildeten, das Finale. Er unterlag dort allerdings Liang Wenbo, der damit gleichzeitig seinen ersten großen Titel holen konnte und die Rückkehr in die Top 16 der Weltrangliste schaffte. Zwar gewann der Chinese nach dem frühen Ausscheiden in Belfast nicht das mögliche Sonderpreisgeld von einer Million Pfund für den Sieg bei allen vier Home-Nation-Events, für Liang ist es trotzdem eine hohe Genugtuung und die Abkehr aus dem Schatten von Ding Junhui. Bei den English Open spielte zudem Alfie Burden die erste 147 seiner Karriere.

Apropos Ding: Nach dem Triumph in Shanghai bestritten er und Mark Selby auch bei der International Championship in Daqing das Endspiel. Diesmal sollte es aber für den Chinesen kein gutes Ende nehmen. Selby demontierte Ding mit 10:1 und setzte sein sensationelles Jahr 2016 weiter fort. Ding Junhui sollte bis zum Jahresende noch an dieser Niederlage zu knabbern haben, was für das neue Jahr hoffentlich nicht mehr der Fall ist. Der November stand ganz im Zeichen eines Schotten, den man in den vergangenen Jahren immer wieder abgeschrieben und mit dessen baldigem Karriereende geliebäugelt hatte: John Higgins. Der 41-jährige sorgte für zwei finanziell lohnende Wochen und gewann sowohl die neue China Championship als auch das Champion of Champions. Beides waren Einladungsturniere und zählen nicht für die Weltrangliste. Während Higgins in Guangzhou noch Stuart Bingham mit 10:7 geschlagen hatte, hielt er eine Woche später in Coventry Ronnie O'Sullivan mit dem gleichen Ergebnis auf Distanz. Den Abschluss im November machten die Northern Ireland Open, das zweite Turnier der Home Nation Series. Wie schon in Manchester stand auch hier ein Spieler am Ende ganz oben, den man dort nicht erwartet hatte. Mark King feierte mit dem Sieg gegen Barry Hawkins nach 25 Jahren als Profi den ersten Titel seiner Karriere. John Higgins stellt mit seinem 8. Maximum Break seine beeindruckende Form unter Beweis, während sich viele Favoriten bereits auf die anstehende UK Championhip fokussierten.

Die war dann in vielerlei Hinsicht ein tolles Turnier. Während Mark Allen die erste 147 seiner Karriere gelang, standen sich im Endspiel mit Mark Selby und Ronnie O'Sullivan mal wieder zwei Ausnahmespieler gegenüber. Selby gewann mit 10:7 und verwies O'Sullivan in dessen viertem Finale in Folge auf den 2. Platz. Für Selby bedeutete der Titel neben der zweiten Vollendung der Triple Crown den grandiosen Abschluss eines unglaublichen Jahres und die Festigung seiner Führung in der Weltrangliste auf absehbare Zeit. Nachdem sich der Snookerzirkus noch mit der Qualifikation zum German Masters, die zwei weitere Maximum Breaks von Ross Muir und Ali Carter (innerhalb weniger Minuten) zu bieten hatte, die Ehre gab, ging es in Glasgow bei den Scottish Open schließlich um den letzten Titel des Jahres. Und auch beim dritten Turnier der Home Nation Series gab es einen unerwarteten Sieger, wenngleich mit Marco Fu natürlich kein unprominenter. Der Hongkong-Chinese gewann damit wie im Vorjahr beim Jahresabschluss und holte mit dem Finalsieg gegen John Higgins den dritten Ranglistentitel seiner Karriere. Er vermasselte dem Schotten damit zudem den Triumph vor heimischem Publikum.

Hui, was für ein Jahr war das? Ich denke, alle Spieler (und auch Zuschauer) haben sich jetzt den Weihnachtsurlaub mehr als verdient. Bevor es aber soweit ist, möchte ich noch allen Lesern sowie den Teilnehmern des Tippspiels danken. Es macht Riesenspaß und ich hoffe auch weiterhin auf rege Beteiligung! Ein fröhliches Weihnachtsfest euch allen!

PS: Mit dem Jahresrückblick ist es natürlich noch nicht getan. In den kommenden Tagen gibt es noch wie üblich die Tops und Flops des Snookerjahres.

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