G0ten's Blog

Die ultimative Crucible-Vorschau 2016

Avatar of GotenGoten - 14. April 2016 - Turniervorschau

Das ging ja wieder mal ruck-zuck, was World Snooker da mit der Auslosung veranstaltet hat. Kaum sind alle 16 Qualifikanten nach einer (zugegeben großartigen) kräftezährenden 8-Tage-Session in der Teichschmiede bekannt, lässt man schon die Katze aus dem Sack und verrät die Erstrundenbegegnungen der diesjährigen Weltmeisterschaft. Grund genug für mich, mal auf die einzelnen Matches zu schauen und einen unqualifizierten Tipp abzugeben:

 

Stuart Bingham - Allister Carter

Ich glaube, mit dieser Auslosung ist keiner der beiden wirklich zufrieden. Bingham geht als Titelverteidiger und mit einer naja-geht-so-auf-und-ab-Saison im Rücken die Zerstörung des Crucible-Fluchs an, während sich Carter mit gesundheitlichen Problemen immer wieder neu auf Snooker konzentrieren muss. Immerhin, nachdem sich der Captain nach 10 Jahren erstmals wieder für die WM qualifizieren musste und dies mit guten Leistungen geschafft hat, scheint der zweimalige WM-Finalist fast schon ein kleiner Favorit in diesem Duell zu sein. Für Bingham wird der Druck immens sein, da sind schon ganz andere Spieler dran gescheitert. Mein Tipp daher: Ein 10:6 für Ali Carter.

 

Stephen Maguire - Alan McManus

Das rein schottische Duell war ein Wunsch von McManus, den ihm Barry Hearn und Fred Done in der Auslosung glatt erfüllt haben. Beide trainieren oft zusammen und kennen sich gut, was für uns Grund genug sein sollte, ein zerfahrenes und langes Match zu erwarten. Maguire hat mit seinem Halbfinaleinzug in Peking ja auf den letzten Drücker noch die Qualifikation vermieden und ist nach eher mäßigen Jahren zum Saisonende vorläufig nicht mehr Teil der Top 16. McManus hat sich zum vierten Mal in Folge für die WM qualifiziert und wird einiges an Selbstvertrauen aus Ponds Forge mitnehmen. Mein Tipp: Unangenehmer Auftakt für Maguire, McManus zieht ihm mit 10:9 den Zahn.

 

Ricky Walden - Robbie Williams

Bei den ganzen Namen, die bei der Auslosung hätten rauskommen können, darf Ricky Walden mit seinem Kontrahenten wohl äußerst zufrieden sein. Der Finalist der letzten beiden Ranglistenturniere spielt eine gute Saison, wird aber mit seinen am Ende deutlichen Endspielniederlagen vor kurzem alles andere als glücklich sein. Robbie Williams hat es zum dritten Mal in Folge unter die WM-Teilnehmer geschafft und wird den erstmaligen Achtelfinal-Einzug im Auge haben. Gegen Bingham im Vorjahr hielt er am Ende nicht mehr mit, gegen Robertson vor zwei Jahren gar nicht. Mein Tipp daher: Lockerer Auftakt für Walden, klares 10:5.

 

John Higgins - Ryan Day

Das ist ein durchaus namhaftes Duell. Higgins blickt auf eine gute Saison mit zwei Ranglistentiteln zurück, ist genau genommen sogar derjenige, der das meiste Preisgeld gesammelt hat. In letzter Zeit war es aber etwas schwächer um die Form des Schotten bestellt, trotz des Halbfinaleinzuges in Peking. Ryan Day spielt eine wechselhafte Saison, viele gute Matches folgten auf formlose Niederlagen. Bei der WM kam der Waliser noch nie über das Viertelfinale hinaus, verlor im letzten Jahr sogar krachend mit 3:10 gegen Mark Allen. Auch in diesem Jahr habe ich meine Zweifel bei Day, daher ist mein Tipp ein lockeres 10:4 für John Higgins.

 

Judd Trump - Liang Wenbo

Es vielleicht das Top-Match der ersten Runde, wobei ich mir von Gould-Ding vielleicht sogar noch mehr erhoffe. Trump spielt eigentlich eine ziemlich gute Saison ist nach seinem Championship-League- sowie China-Open-Titel blendend in Form. Ein paar unglückliche Niederlagen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Engländer zu den Top-Favoriten auf den Titel gehört. Die Frage dabei ist, wie sehr er über die bittere Klatsche gegen Liang bei der UK Championship nachdenken wird. Der hatte dort ja ein Comeback gegen Trump hingelegt und am Ende das Finale erreicht. Liang steht vor der Rückkehr in die Top 16, könnte sogar erstmals der beste Chinese werden, sollte er eine Runde weiter als Ding Junhui kommen. Ich fürchte allerdings, dass dabei bereits die erste Hürde zu hoch wird. Mein Tipp: Trump siegt nach hartem Kampf mit 10:8.

 

Martin Gould - Ding Junhui

Es war klar, dass es einen Unglücksraben geben würde, der sich mit Ding Junhui als Erstrundenlos herumplagen muss. Es erwischte also den Sieger des German Masters, der seit dem etwas nachgelassen hat. Dennoch, die Saison wird für Gould ungeachtet des WM-Resultates eine Großartige sein. Die Weltmeisterschaft war für beide nicht gerade ein gutes Pflaster bisher. Gould kam noch nie über das Achtelfinale hinaus, gewann nach seiner bitteren Niederlage gegen Neil Robertson 2010 sogar nur ein Match im Crucible. Von Ding erwarten alle den Titel, der Druck für den Chinesen ist immens. Bis auf einen Halbfinaleinzug 2011 ist für ihn im Theatre of Dreams aber wenig zusammengelaufen bislang. Vielleicht ändert sich das ja dieses Jahr, nachdem er die harte Qualifikation durchlaufen musste. Mein Tipp: Ding siegt 10:7.

 

Mark Williams - Graeme Dott

Es ist das einzige Weltmeister-Duell der diesjährigen ersten Runde. Mark Williams wird sich auch denken, es hätte etwas leichter zum Auftakt werden können. Dott spielt keine gute Saison, bis auf das Halbfinale beim German Masters lief nicht viel zusammen beim Schotten. Doch wir wissen auch, dass die WM und Dott gut zusammenpassen. Man vergisst ganz gerne, dass der kleine Kämpfer schon drei Mal im Finale des Crucible stand. Auch Williams bringt natürlich einige WM-Erfahrungen mit, hat aber ebenfalls keine gute Saison erwischt. Besonders in diesem Jahr läuft es noch nicht beim Waliser. Der Senioren-Weltmeister von 2015 wird sich wohl zudem noch an seine krachende 10:2-Niederlage gegen Matthew Stevens im letzten Jahr erinnern. Mein Tipp daher: 10:6 für Graeme Dott.

 

Neil Robertson - Michael Holt

Zu Beginn des Jahres hätte ich den Australier noch als einen der klaren Favoriten auf seinen zweiten WM-Titel bezeichnet, doch seit kurzem bröckelt dieses Bild ein wenig. Seit seinem Finaleinzug bei den Welsh Open im Februar hat Robertson erst ein einziges Match gewonnen, das lässt arge Zweifel an seiner Form aufkommen. Gleichzeitig ist der Weltmeister von 2010 aber jederzeit in der Lage, jeden zu schlagen. Das weiß auch Michael Holt, der im Crucible Theatre erst ein einziges Match gewinnen konnte. Irgendwie fällt es einem schwer zu glauben, dass der ewige Top-32-Spieler Holt Neil Robertson in irgendeiner Weise gefährden kann. Mein Tipp: Klares 10:4 für den Australier.

 

Shaun Murphy - Anthony McGill

Der Weltmeister von 2005 und zweimalige Finalist im Crucible nimmt ebenfalls mal wieder das Unternehmen "zweiter Titel" in Angriff. Nach einer wechselhaften Saison hat sich der Magier mit dem Sieg beim World Grand Prix etwas Luft verschafft und Druck weggenommen. Kann er das mögliche Viertelfinale gegen O'Sullivan gewinnen, dürfte Murphy einer der Favoriten dieses Jahr sein. Daran wird auch McGill nicht viel ändern können, der im letzten Jahr zwar Mark Selby gehörig ärgern konnte und das Viertelfinale erreichte (Niederlage dort übrigens gegen Murphy), doch in dieser Saison keine gute Form mitbringt. Kann McGill die erste Session offen halten, kann es spannend werden. Insgesamt sehe ich Shaun Murphy aber mit 10:6 vorne.

 

Marco Fu - Peter Ebdon

Das verspricht ein tolles Duell zweier ausgeprägter Taktiker zu werden. Fu bringt Titel aus Gibraltar und Hongkong mit, Ebdon blickt auf keine gute Saison zurück, dürfte aber nach seiner sensationellen Qualifikation einiges an Selbstvertrauen haben. Nach seinem 10:9 nach 3:9-Rückstand gegen Gerard Greene und einem krachenden 10:2 gegen Ian Burns qualifizierte sich der Weltmeister von 2002 erstmals seit 3 Jahren wieder für die WM. Für Fu ist das Crucible seit seinem Halbfinaleinzug 2006 kein gutes Pflaster mehr. Bei diesem Duell spricht alles für ein knappes Rennen, bei dem ich mich kaum entscheiden kann. Ich tippe trotzdem auf ein 10:9 für Fu.

 

Barry Hawkins - Zhang Anda

Hawkins spielt immer dann gut, wenn man es nicht erwartet. Zuletzt beim Masters, als er im Finale von Ronnie O'Sullivan plattgemacht wurde. Auf den kann er übrigens im Achtelfinale treffen, was eine mögliche vierte Halbfinalteilnahme in Folge enorm erschwert. Zhang Anda wird zum dritten Mal im Crucible Theatre spielen, wartet dabei aber noch auf seinen ersten Sieg. Dass der gegen Hawkins kommt, scheint unwahrscheinlich, zumal der sich in Sheffield ordentlich wohl zu fühlen scheint. Ich sehe Hawkins hier klar vorne, was tipptechnisch in einem 10:5 münden wird.

 

Ronnie O'Sullivan - David Gilbert

David Gilbert dürfte (neben Trump und Gould) vielleicht am unzufriedsten mit der Auslosung sein, trifft er doch auf den 5-maligen WM-Sieger und Exzentriker vor dem Herrn. Allerdings ist O'Sullivan denkbar schwer einzuschätzen. Nach tollem Auftakt in das Jahr 2016 hat er zuletzt das Finale der Championship League gegen Judd Trump verloren und anschließend eine unnötige Niederlage in der 1. Runde des World Grand Prix gegen Michael Holt kassiert. Nichtsdestotrotz ist 'The Rocket' auch in diesem Jahr zu den absoluten Favoriten zu zählen. Für Gilbert wird das Match schwer, auch wenn er seine bisher beste Saison sowie die Finalteilnahme bei der International Championship im Rücken hat. Mein Tipp: O'Sullivan setzt sich sofort ab und bringt den Vorsprung mit 10:4 nach Hause.

 

Mark Allen - Mitchell Mann

Bei Mark Allen müsste man wohl von Losglück sprechen, trifft er doch auf den potentiell schwächsten Gegner und einzigen WM-Debütanten in diesem Jahr. Der Nordire ist blendend in Form, holte kürzlich bei den PTC Finals seinen ersten großen Titel in Großbritannien. Allen gehört zu den besten Spielern der Saison und zählt bei der WM in diesem Jahr für mich zu den Geheimfavoriten neben den üblichen Verdächtigen. Die Auftakthürde sollte machbar sein, obwohl Mann als Debütant natürlich frei aufspielen kann. Das Crucible wird aber noch eine Nummer zu groß für den 24-jährigen sein. Mein Tipp daher: Klares 10:3 für Allen.

 

Joe Perry - Kyren Wilson

Dies ist ein sehr interessantes Duell mit offenem Ausgang, beide spielen eine gute Saison. Perry holte zwar keine Titel, spielt aber äußerst solide und festigte seine Top-16-Platzierung. Die hat Wilson noch knapp verpasst, was sich aber nach der WM ändern könnte. Mit seinem Titel beim Shanghai Masters ist der junge Papa unter den Top-Spielern angekommen. Er wirkt zudem deutlich reifer als bei seinem ersten Auftritt im Crucible vor zwei Jahren. Ein Selbstläufer wird das für Perry, der bei WM seit 2011 nicht mehr in Runde 1 verloren hat, also nicht. Im Gegenteil: Ich tippe auf ein knappes 10:9 für Kyren Wilson.

 

Michael White - Sam Baird

Endlich hat das mit der Setzliste mal funktioniert für Michael White. War der Waliser bei den letzten Malen (WM, Masters) noch zu den ungünstigsten Zeitpunkten wieder aus den Top 16 gefallen, hat es diesmal ausgereicht. White, der bei den Indian Open im letzten Jahr den Durchbruch schaffte, muss seine Platzierung dort noch bestätigen und dies vor allem auch durch gute Ergebnisse zeigen, was ihm in dieser Saison nicht immer gelungen ist. Sam Baird kämpfte sich durch die harte Qualifikation und wird bei seinem zweiten Auftritt im Crucible nicht so untergehen wollen wie 2013 gegen Stuart Bingham (2:10). Mit dem gesicherten Tour-Platz im Rücken kann Baird locker in dieses Match gehen und White ein enges Duell liefern. Mein Tipp: White muss kämpfen, setzt sich am Ende aber mit 10:7 durch.

 

Mark Selby - Robert Milkins

Für jemanden, der die komplette Saison als Nummer 1 der Weltrangliste verbracht hat, hat Selby keine gutes Jahr hinter sich. Der letzte vollwertige Ranglistentitel ist nun über ein Jahr her und nach Abzug seiner WM-Sieg-Punkte vor zwei Jahren ist Selby vorläufig nur die Nummer 7 der Welt, was seine schlechteste Platzierung seit knapp 5 Jahren wäre. Seine Absage aus privaten Gründen bei den PTC Finals und den China Open macht es zudem schwer, die Form des Engländers einzuschätzen. Da kommt ein harter Erstrundengegner wie Robert Milkins natürlich auch nicht gerade recht. Der spielt zwar nicht mehr so konstant gut wie in der letzten Saison, hat aber in der Qualifikation gezeigt, dass mit seinen Kämpferqualitäten zu rechnen ist. Im Crucible hat Milkins allerdings noch nie gut gespielt, was mich zu einem soliden 10:6-Tipp für Selby verleitet.

 

Ab Samstag dürfen mich alle Spieler eines besseren belehren und die 17 Snookerfesttage gehen endlich los. Vergesst nicht, bis dahin eure Tipps abzugeben, es gibt in Zusammenarbeit mit meinsportradio.de diesmal sogar was zu gewinnen. Apropos meinsportradio: Es gibt zur WM mit Sven, Andreas, Michael und mir ein Daily, also einen täglichen Podcast, mit allen aktuellen Infos rund um das Turnier. Schaltet also regelmäßig die Sheffield Shots an!

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