G0ten's Blog

Die Schlussspurt-Kandidaten im Check

Avatar of GotenGoten - 03. Mai 2015 - Spieler, Turniervorschau

Shaun Murphy gegen Stuart Bingham: Das ist es also, das große Finale der Snooker-Weltmeisterschaft 2015. Noch 18 Frames fehlen zum größten Titel auf der Main Tour, zur Traumerfüllung und zu einer Menge Geld. Und nicht zu vergessen: Zu einem Jahr, in dem man nicht mehr der Jäger, sondern der Gejagte ist. Doch wer hat dafür eigentlich die besseren Karten? Zeit, um beide Kandidaten unter die Lupe zu nehmen:

 

Shaun Murphy

Der (Überraschungs-)Weltmeister von 2005 ist durch das Turnier gestürmt wie kein Zweiter. Mit einem souveränen 10:3 über Robin Hull gestartet, folgte ein ebenso souveränes 13:5 über Joe Perry und ein hartes Stück Arbeit gegen den furchtlosen Newcomer Anthony McGill, bei dem sich Murphy erst in der letzten Session Luft verschaffen konnte und mit 13:8 die Oberhand behielt. Die Gala gegen Barry Hawkins im Halbfinale, der sich nur knapp überhaupt in die vierte Session gerettet hatte, macht Murphy zu einem leichten Favoriten in einem Endspiel, das eigentlich keinen Favoriten hat. Der Magier zaubert heute anders als bei seinem Triumph an gleicher Stelle vor 10 Jahren. Damals war er zwingend auf seine langen Einsteiger angewiesen und lochte die mit mehr Sicherheit, als so manches Schuhwerk von Ronnie O'Sullivan bietet. Das ist nun nicht mehr so: Zwar ist das Spiel des 32-jährigen weiterhin auf gnadenlose Offensive ausgelegt, doch Murphy kann auch Frames holen, die nicht über hohe Breaks entschieden werden. Dennoch, seine stark auf Agressivität ausgelegte Spielweise ist es, die ihn noch von den inzwischen besseren Allroundern wie Selby, Robertson oder Higgins unterscheidet. Nicht vergessen sollte man auch, dass Murphy trotz seiner mehr als ordentlichen Saison neben den beiden PTC-Siegen in Sofia und Mülheim nur einen gößeren Titel geholt hat. Dieser war zwar immerhin der Masters-Triumph, aber nichtsdestotrotz war da mehr drin für den Mann aus Harlow. Mit dem WM-Titel würde er sich natürlich angemessen dafür entschädigen, doch das wird ein hartes Stück Arbeit.

 

Stuart Bingham

Was für ein grandioses Turnier spielt dieser Ball-Run? Obwohl er mit den Australian Open 2012 und dem Shanghai Masters 2014 bereits zwei Ranglistentitel auf dem Konto hat, spielt Bingham hier im Crucible eindeutig das Turnier seines Lebens. Nach seinem 10:7 über Robbie Williams, durch das er sich aufgrund einer Erkältung mehr kämpfen als spielen musste, zeigte er dem eigentlich beinharten Graeme Dott überraschend klar die Grenzen auf. Was folgte, war wohl einer der größten Siege seiner bisherigen (und nicht gerade kurzen) Karriere. Fünf Frames in Folge holte der 38-jährige am Ende und spielte Ronnie O'Sullivan gnadenlos aus. Aus dem 8:9 machte er so einen 13:9-Sieg, nach dem er seine Emotionen erstmal sortieren musste. Erstmals im WM-Halbfinale, zeigte er dort weniger Nerven als Gegner Judd Trump, für den es eigentlich schon der dritte Auftritt auf dem One-Table-Setup im Crucible Theatre war. Was er im Decider spielte, nachdem ihm Trump zuvor zwei Centuries um die Ohren geschlagen hatte, war an Nervenstärke nicht zu überbieten. Stuart Bingham ist ein Top-Spieler geworden und als solcher kann er natürlich auch Weltmeister werden. Mit dem Erreichen des Endspiels ist Bingham schon mal auf Platz 6 der Weltrangliste zu finden, mit einem Triumph würde sogar seine bislang höchste Karriere-Platzierung, Rang 2, winken. Natürlich geht der Mann aus Essex auch im Finale als Außenseiter ins Match. Doch das war auch gegen O'Sullivan und Trump schon so!

 

Wer auch immer am morgigen Abend, in der morgigen Nacht oder vielleicht sogar erst am frühen Dienstagmorgen die begehrte Trophäe in der Hand hält, wird es verdient haben. Und da die Ausgangslage mehr als spannend ist, lasse ich mich auch gar nicht erst zu einem Tipp hinreißen. Oder vielleicht doch? Lest doch später mal bei den Kollegen von snookerpro rein, vielleicht lässt sich ja dort was finden.

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