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Wer gewinnt das Masters?

Avatar of GotenGoten - 08. Januar 2020 - Turniervorschau

Um die Antwort gleich vorwegzunehmen: Ich habe die Vermutung, dass es einer aus den Top 17 der Weltrangliste sein wird. Und ich weiß, dass es nicht Ronnie O'Sullivan ist. Mehr kann ich da leider auch nicht wirklich vorhersagen, aber das hält mich natürlich nicht davon ab, es trotzdem zu versuchen. Hier also mal meine aktuelle Formprognose zu den 16 Kontrahenten des Showdown im Alexandra Palace.

 

Judd Trump - Shaun Murphy

Es ist vielleicht DAS Top-Match der 1. Runde beim Masters. Klar, irgendwie sind (bedingt durch die Setzliste) im Grunde alle Matches top-besetzt, aber ich glaube, dass weder Trump noch Murphy mit der Auslosung zufrieden ist, schließlich treffen hier die beiden Top-Gesetzten der Setzhälften aufeinander. Für Murphy hätte es keinen schwierigeren Auftaktgegner geben können als den amtierenden Weltmeister. Drei Mal scheiterte der Weltmeister von 2005 in den letzten vier Jahren in der 1. Runde in London und ich befürchte, dass dies auch diesmal so sein wird. Zu unangreifbar wirkt Trump derzeit, als dass sich hier eine Überraschung anbahnen könnte. Der hat zwar gegen Jahresende auch ein paar Ermüdungserscheinungen erkennen lassen, wird gleichzeitig aber auch darauf brennen, die frühe Niederlage bei der UK Championship als Ausrutscher werten zu lassen.

Prognose: 6:3-Sieg für Judd Trump

 

Ding Junhui - Joe Perry

Die chinesische Nummer 1 ist zurück. Mit dem unerwarteten Triumph bei der UK Championship hat sich Ding Junhui vorerst aus dem Tief herausgezogen und darf etwas optimistischer in Richtung 2020 blicken. Dass er durch die Absage von Ronnie O'Sullivan noch unter die acht Top-Gesetzten beim Masters gerutscht ist, dürfte ihm ebenfalls entgegenkommen. Joe Perry bringt bereits etwas Spielpraxis aus der Championship League mit, ist also sicherlich ein ernstzunehmender Auftaktgegner. Zudem ist der Engländer erstmals seit seinem überraschenden Finaleinzug 2017 wieder beim Masters mit dabei und wird hochmotiviert sein. Nichtsdestotrotz erscheint mir die Aussicht von Ding Junhui, eventuell zwei Triple-Crown-Titel gleichzeitig zu halten, derzeit etwas stärker.

Prognose: 6:4-Sieg für Ding Junhui

 

Mark Selby - Allister Carter

In diesem Duell schlummert für mich das geringste Überraschungspotential. Nicht, weil Ali Carter nur an 16 gesetzt ist und lediglich dank O'Sullivans Absage überhaupt beim Masters dabei ist. Sondern weil zum einen Carters Masters-Bilanz atemberaubend schlecht ist und gleichzeitig Selby die Rückkehr zu guter Form gefunden hat. Der dreimalige Masters-Sieger hat sich mit den Siegen bei den English Open und den Scottish Open zum Jahresende endlich wieder verbessert gezeigt und legt bisher einen exzellenten Saisonstart hin (nur Murphy und Trump haben mehr Preisgeld geholt). Zudem passen Selby und das Masters wie ein Gesäß auf einen Eimer, auch wenn der dreifache Weltmeister seit 2014 nicht mehr über das Viertelfinale herausgekommen ist.

Prognose: 6:1-Sieg für Mark Selby

 

John Higgins - Barry Hawkins

Das ist das Match der beiden Sorgenkinder, wenn man das denn frecherweise so bezeichnen möchte. Barry Hawkins spielt bislang keine gute Saison und hat außerhalb des Sieges beim Paul Hunter Classic keine wirklich nennenswerten Ergebnisse geliefert. Das sieht bei Higgins etwas anders aus, auch wenn der letzte Einzeltitel des Schotten nun schon fast zwei Jahre zurückliegt. Der 'Wizard of Wishaw' schafft es dank seiner Konstanz trotzdem fast immer in die finalen Runden eines Turniers. Jeder Gegner beißt sich die Zähne an den Allround-Fähigkeiten des Schotten aus, was ihn auch im Alter von 44 Jahren noch so gefährlich macht. Hawkins muss seine Chancen konsequent nutzen, dann geht hier was.

Prognose: 6:5-Sieg für John Higgins

 

Neil Robertson - Stephen Maguire

Hier könnte ein Offensiv-Spektakel bevorstehen, denn Robertson und Maguire spielen beide mit offenem Visier. Neil Robertson hat ein tolles Jahr 2019 hinter sich, während Maguire mit den Siegen beim World Cup und bei der 6-Reds-WM Selbstvertrauen tanken konnte. Mit einem Ranglistentitel wollte es zwar wieder nicht klappen, aber das Endspiel der UK Championship war für den Schotten sicherlich trotzdem ein willkommener Erfolg. Die Vorzeichen deuten allerdings etwas stärker in Richtung von Robertson, zumal dieser seit 2010 nicht mehr in der 1. Runde des Masters verloren hat. Maguire braucht einen richtig guten Tag, um hier gewinnen zu können.

Prognose: 6:3-Sieg für Neil Robertson

 

Mark Allen - David Gilbert

Das Duell zwischen Allen und Gilbert hat es noch nie über eine längere Distanz als Best-of-9 gegeben, also wird das eine Premiere für die beiden. David Gilbert geht zudem zum allerersten Mal überhaupt beim Masters an den Start, hat aber ansonsten ein richtig gutes Jahr hinter sich. Allen, der das Turnier 2018 gewann und im vergangenen Jahr ein Dauerabonnent auf Halbfinalteilnahmen war, scheint auf dem Papier der leichte Favorit zu sein, doch ich sehe hier Gilbert einen Tick vorne. Zwar verpassten beide zum Jahresende die Qualifikationen für Berlin und Dornbirn, aber Gilbert durfte sich diese Woche bei der Championship League schon mal warm spielen. Das könnte ein richtig enges Match werden.

Prognose: 6:4-Sieg für David Gilbert

 

Kyren Wilson - Jack Lisowski

Mit diesem Match habe ich mich letztlich am schwersten getan, wenn es darum geht, einen Favoriten zu benennen. Sowohl Wilson als auch Lisowski spielten eigentlich ein gutes Jahr 2019, auch wenn der Saisonstart bei beiden hätte optimaler verlaufen können. Lisowski vergab im Finale der Scottish Open seine bisher vielleicht beste Chance auf einen Ranglistentitel, während Wilson bis auf das Halbfinale bei den World Open noch keine richtig guten Saisonleistungen abgerufen hat. Im Normalfall bringt der 'Warrior' die besseren Nerven für ein solches Match mit, aber derzeit sehe ich Lisowski formtechnisch einen Tick weiter vorne.

Prognose: 6:4-Sieg für Jack Lisowski

 

Mark Williams - Stuart Bingham

Das Match zweier Ex-Weltmeister ist ebenfalls so ein kleines 50/50-Duell. Bingham spielte ein solides Jahr 2019, gewann in Gibraltar, verpasste zum Jahresende aber beide Qualifikationen für die deutschsprachigen Turniere. Mit dem Masters ist der 'Ballrun' nie wirklich warm geworden, hat er doch bis auf den Halbfinaleinzug 2016 nur Niederlagen zu Buche stehen. Sein Gegner braucht niemandem mehr etwas beweisen. Mark Williams hat im Grunde alles erreicht, was es zu erreichen gibt. Allerdings läuft es in letzter Zeit nicht mehr ganz so rund beim dreifachen Weltmeister. Seit dem Finale bei der China Championship rennt der Waliser seiner Form hinterher. Das sieht nach einer realistischen Chance für Bingham aus.

Prognose: 6:5-Sieg für Stuart Bingham

 

Wenn man diese Matches weiter denkt, würde ich auf Halbfinals zwischen Judd Trump und Mark Selby sowie Neil Robertson und Stuart Bingham tippen. Wer dann am Ende gewinnt, hängt natürlich von der Tagesform ab. Vielleicht kommt aber auch alles anders, schließlich hat das Masters vor allem in den letzten Jahren so einige Überraschungen produziert. Nur eines scheint sicher: Es werden acht tolle Tage im Londoner Alexandra Palace.

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