G0ten's Blog

Ein Jahrzehnt verabschiedet sich

Avatar of GotenGoten - 24. Dezember 2019 - Jahresrückblick

Ein blöderer Titel ist mir gerade nicht eingefallen. Aber keine Angst, es werden keine 2.019 Sachen aufgezählt, die im vergangenen Jahr passiert sind. Wobei man die durchaus zusammen kriegen würde, so vollgepackt und ereignisreich wie der Snooker-Kalender inzwischen ist. Doch ich handhabe das wieder ganz traditionell und werde in meiner Jahres-Retrospektive wieder die aus meiner Sicht zehn bedeutendsten Ereignisse zusammenfassen, meine Auf- und Absteiger des Jahres küren und natürlich die fünf besten Spieler des Jahres nennen. Den ganzen Quatsch mit dem Jahrzehnt lasse ich dabei mal (weitgehend) außen vor, dazu ist bereits genug erzählt und philosophiert worden. Ganz abgesehen davon kann man sowieso nur Selby, Trump und O'Sullivan nennen, wobei die Reihenfolge da variieren kann.

Die 10 wichtigsten Ereignisse

 

10. Sperrbezirk

Es ist in diesem Jahr erfreulich ruhig geblieben, was Untersuchungen oder besondere Vorkommnisse rund um wettfreudige oder gar manipulationsfreudige Spieler angeht. Entweder hat es sich rumgesprochen (hat ja lange genug gedauert), dass World Snooker in dieser Hinsicht ernst macht oder die schwarzen Schafe sind inzwischen aus dem Verkehr gezogen worden. Anfang des Jahres 2019 wurden zumindest die bislang letzten Strafen ausgesprochen. David John, der zugab, zwei Matches manipuliert zu haben, ist bis Dezember 2023 suspendiert. Jamie Jones hat seine bis Oktober 2019 laufende Sperre (wegen Involvierung in den Fall David John) inzwischen abgesessen und plant mit der Rückkehr auf die Main Tour im kommenden Jahr.

 

9. Frauen-Power

Ein Maximum Break ist immer etwas Besonderes. Egal, ob man davon gleich 20 Stück spielen müsste, um ein Sonderpreisgeld dafür zu erhalten. Was der Thailänderin Nutcharut Wongharuthai im März diesen Jahres jedoch gelang, sorgte für fast genauso viele Schlagzeilen wie ein perfektes Break im Crucible. Als (vermutlich) erste Frau spielte sie in einem Trainingsmatch die 147 und sorgte damit für einen historischen Erfolg. Das 19-jährige Talent gilt als kommender Star im Fraunsnooker und hat sich dort inzwischen in die Top 10 hochgearbeitet.

 

8. Ende der Selby-Ära

Kein Spieler hat das letzte Jahrzehnt so sehr bestimmt wie der Spaßvogel aus Leicester. Als dreifacher Weltmeister mit inzwischen 17 Ranglistentiteln (davon 16 in der vergangenen Dekade) führte der 36-jährige jahrelang die Weltrangliste an. Doch diese Dominanz war im März 2019 beendet. Ronnie O'Sullivan übernahm die Nummer 1 vom Jester passenderweise im gleichen Monat, in dem der Exzentriker die Marke von 1.000 Karriere-Centuries erreichte.  Für Selby, der über vier Jahre den Platz an der Sonne innehatte, war dies der negative Höhepunkt einer ohnehin (für seine Verhältnisse) schwachen Saison 2018/2019. Die Wende schaffte er erst im Herbst mit den Titeln bei den English Open und den Scottish Open. Die Führung in der Weltrangliste ist er trotzdem erstmal auf absehbare Zeit los.

 

7. MBE für die Stimme des Snooker

Dass Clive Everton selber mal Snooker und English Billiards gespielt hat, wissen bestimmt viele Leute nicht. Der inzwischen 82-jährige Waliser bekam in den 80ern die Dominanz von Steve Davis hautnah mit und verlebte zu dieser Zeit seine nicht unbedingt erfolgreiche Karriere. Zu mehr als Platz 47 und der Runde der letzten 32 bei einem Ranglistenturnier reichte es nicht. Erfolgreicher wurde es erst nach der sportlichen Laufbahn, als sich Everton als Autor, Coach und natürlich vor allem als Snooker-Kommentator einen Namen machte. Seit sage und schreibe 41 Jahren kommentiert Everton Snooker und ist durch seine analytische Art und sein schier endloses Wissen über den Sport zur Stimme des Snookers geworden. Nachdem er 2017 in die Snooker Hall of Fame aufgenommen wurde, bekam er nun dieses Jahr den MBE von der Queen verliehen. Und das natürlich absolut verdient!

 

6. Fürth in Klein

Die einzige gute Nachricht, die sich im Vorfeld des Paul Hunter Classic 2019 über das Turnier sagen ließ, war vermutlich die Tatsache, dass es überhaupt stattfinden sollte. Nach dem Ende der PTC-Serie und der Rückstufung zum Einladungsturnier waren nur noch 16 eingeladene Spieler (von denen auch noch zwei kurzfristig absagen mussten) vor Ort. Keine Streams, keine TV-Übertragung, kaum Preisgeld. Das Event funktionierte trotzdem, war familiärer und hatte mit dem Speedcup einen zusätzlichen Reiz geschaffen. Dass das nicht die Zukunft des Turniers sein kann, dürfte dennoch allen Verantwortlichen klar sein, obwohl die Übergangslösung funktioniert hat. Und doch: Es wird nicht einfacher, das PHC langfristig im Snooker-Kalender zu halten, auch wenn die Ausgabe 2020 nun bestätigt ist.

 

5. Jimmy siegt im Crucible

Wer ist der beste Snooker-Spieler, der nie einen WM-Titel erringen konnte? Klare Sache, Jimmy White (hab ich da von irgendwo Ding Junhui gehört?). Ganze sechs Mal verlor der Wirbelwind im Crucible Theatre in teils dramatischen Endspielen und durfte damit nie die größte Snooker-Trophäe in die Höhe recken. Ein kleines Bisschen Wiedergutmachung leistete der 57-jährige in diesem Jahr aber mit dem Senioren-WM-Titel. Den hat er zwar bereits 2010 gewonnen, doch die Ausgabe des Events in diesem Jahr fand im Crucible Theatre statt. Entsprechend nervös war das zwischen Darren Morgan und White geführte Finale, das am Ende mit 5:3 an den Engländer ging. Das Bild mit Jimmy White im Crucible mit einer Trophäe in der Hand hat dennoch etwas Skurriles.

 

4. WM-Finale für Leo

Gibt es jemanden, der Leo Scullion diesen Erfolg nicht gegönnt hätte? Der sympathische Schiedsrichter, der seit 1999 auf der Tour dabei ist, hatte dieses Jahr erstmals das WM-Finale leiten dürfen. Das ist an sich natürlich schon eine besondere Tatsache, doch nach der Krankheitsgeschichte von Scullion, der seit 2014 an Lungenkrebs leidet und sich derzeit in Remission befindet, wird das ganze natürlich eine noch schönere Geschichte. Doch das Crucible hatte dieses Jahr auch eine traurige Nachricht parat. Mike Watterson, der 1977 die Snooker-WM in das Traditions-Venue geholt hatte, verstarb im März im Alter von 76 Jahren.

 

3. Regeln über Regeln

Snooker hat neue Regeln! Wie jetzt? Darf man nun zwei Farben hintereinander lochen? Blau gibt 15 Punkte? Nein, ganz so drastisch waren die Änderungen nicht, aber nach knapp dreijährigen Verhandlungen hatte die WPBSA unter der Leitung und Obhut von Jan Verhaas im August ein aktualisiertes Regelwerk herausgegeben. Viele Formulierungen wurden angepasst und konkretisiert, Ungenauigkeiten bereinigt und Genderneutralität eingebracht. Das inzwischen erneut leicht angepasste Dokument hatte letztlich als bedeutendste Änderung, dass nun auch ein Miss gegeben werden darf, wenn der zurückliegende Spieler nur noch ausgleichen kann. Nichtsdestotrotz erlebt man ein neues Regelwerk für einen solchen Traditionssport nicht alle Tage.

 

2. Debüt-Titel

Es ist jedes Jahr immer wieder schön, neue Spieler beim Feiern eines Titels erleben zu dürfen. Bislang habe ich das eigentlich bei jedem Jahresrückblick tun dürfen und auch 2019 hat da keine Ausnahme gemacht. Drei Spieler durften sich über ihren ersten Ranglistentitel freuen. Überraschenderweise waren David Gilbert und Jack Lisowski erneut nicht darunter, aber mit Matthew Selt, Thepchaiya Un-Nooh und Yan Bingtao haben wir drei erstmalige Ranking-Sieger, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Selt krönte bei den Indian Open (die ziemlich gut für Debüt-Titel zu sein scheinen) eine bis dahin mittelmäßige Karriere, nachdem er vorher nie über das Viertelfinale hinausgekommen war. Un-Nooh gewann das Shoot-Out und ließ später im Jahr gleich noch die Haining Open und das Finale bei den World Open folgen. Für Yan Bingtao war der Titel beim Riga Masters der endgültige Durchbruch. Der 19-jährige, der als erster im neuen Jahrtausend geborene Spieler ein Ranglistenturnier gewann, zog später im Jahr sogar erstmals in die Top 16 ein und war zwischenzeitlich Chinas Nummer 1.

 

1. Preisgeld-Irrsinn

Der Snookersport ist im Wandel. Was mit der Übernahme der Mehrheitsanteile an World Snooker durch Barry Hearn begann, scheint so langsam auf dem Höhepunkt angekommen zu sein. Der aktuelle Trend: Preisgeld-Erhöhungen mit allen Mitteln! Seit Jahren überbieten sich die chinesischen Turniere bereits beim ausgeschütteten Preisgeld auf der einen und fernbleibenden Zuschauern auf der anderen Seite. Traditionsturniere wie die Triple Crown können da kaum mithalten, geschweige denn "normale" Turniere wie das German Masters. Die nächste Bombe platzte beim Finalwochenende der UK Championship. Die Ankündigung des im kommenden Oktober stattfindenden Saudi Arabia Masters ließ Münder und Geldbeutel gleichermaßen offen stehen. Das unfassbare Preisgeld von 2,5 Millionen Pfund, von dem ein Fünftel alleine an den Sieger gehen wird, stellt so ziemlich jegliche Einordnung bei Weltrangliste, Weltmeisterschaft und Turnierstatus auf den Kopf. World Snooker muss aufpassen: Nicht nur, dass man sich nun fleißig am Sportswashing der arabischen Länder beteiligt; man droht, ein über Jahre aufgebautes Image zu verlieren. Es ist verständlich, dass man den Sport vorantreiben möchte. Aber nicht um jeden (Achtung Wortwitz) Preis!

Die Aufsteiger des Jahres

 

5. Matthew Selt

Für Matthew Selt war das vergangene Jahr ein ziemlich gutes. Nicht nur, dass der Engländer bei den Indian Open seinen ersten Titel holen konnte, er bestätigte seine Form gleich mal beim Riga Masters mit einem Halbfinaleinzug. Zum Ende des Vorjahres sah es noch so aus, als ob Selt um seine Tourkarte bangen müsste, doch der 34-jährige hat sich aus den 50ern der Weltrangliste in die Top 32 zurückgekämpft. Zwar lief es im Herbst und gegen Jahresende nicht mehr ganz so erfolgreich für Selt, aber alles in allem wird ihm das Jahr 2019 sehr gut in Erinnerung bleiben.

 

4. Scott Donaldson

Auch Scott Donaldson arbeitet sich peu à peu wieder in der Weltrangliste nach oben. Der Schotte holte zwar keinen Titel, sammelte aber drei Viertelfinalteilnahmen und das Halbfinale bei den China Open in seiner Jahres-Vita. Der Schotte ist nun ebenfalls wieder in den Top 32 zu finden und kann vor allem dank des versöhnlichen Jahresabschlusses mit dem Erreichen der Runde der letzten 8 vor Heimpublikum bei den Scottish Open frohen Mutes auf das kommende Jahr blicken.

 

3. James Cahill

Der 23-jährige sorgte für eine der Geschichten des Jahres und den inzwischen als größten Schock in der Crucible-Geschichte geltenden Moment. Als erster Amateur in der Snooker-Geschichte schaffte er die Qualifikation für die WM im Crucible und schickte dort in Runde 1 gleich mal Ronnie O'Sullivan nach Hause. Ab diesem Zeitpunkt war der 'Giant Killer' nicht nur ein Fall für die Geschichtsbücher, sondern schaffte dank diesem Erfolg sogar die Rückkehr auf die Main Tour über die Einjahresrangliste (und das als Amateur!). Die erste Saisonhälfte war in Ordnung, wobei Cahill zwar häufig für Schocks gegen große Namen sorgen kann, aber ebenso häufig Probleme gegen niedriger platzierte Spieler hat.

 

2. Gary Wilson

Es war ein knappes Rennen zwischen den ersten beiden Plätzen in dieser kleinen Liste, doch letztlich habe ich einem anderen Spieler den Vorzug gegeben. Doch das soll die Jahresleistung von Gary Wilson absolut nicht schmälern. Der 34-jährige, dessen größter Erfolg bislang das Erreichen des Endspiels bei den China Open 2015 war, hat ein mehr als ordentliches Jahr gespielt. Highlight war dabei natürlich das Halbfinale bei der Weltmeisterschaft im April. Erst zum zweiten Mal überhaupt war Wilson im Crucible mit dabei gewesen und spielte sich unerschrocken unter die letzten Vier. In der Weltrangliste bedeutet das mit einem recht guten Saisonstart die Karriere-Höchstplatzierung 18, auf der der "Tyneside Terror" auch überwintern darf.

 

1. Thepchaiya Un-Nooh

Der 34-jährige Thailänder hat eine bewegte Karriere hinter sich - das gilt gleichermaßen auf der Main Tour sowie in meinen Jahresrückblicken, wo er es bereits unter die Auf-, aber auch unter die Absteiger geschafft hat. Lange Zeit war Thepchaiya Un-Nooh nur dafür bekannt, zwei Mal auf dem Weg zu einer 147 die letzte Schwarze verschossen zu haben, doch spätestens seit diesem Jahr kennt man den schnellsten Spieler der Tour auch anderweitig. Dem Titel beim Shoot-Out folgte ein mehr als ordentliches Restjahr, in dessen Verlauf er auch in Haining triumphierte und das Endspiel in Yushan erreichte. Beim Champion of Champions und bei den Scottish Open schaffte er es ins Viertelfinale, scheiterte dabei jeweils am späteren Finalisten. In der Weltrangliste ging es rekordverdächtige 35 Plätze nach oben (von 56 auf 21). Un-Nooh ist ein Riesentalent und der nächste Titel sicher nicht fern.

Die Absteiger des Jahres

 

5. Luca Brecel

Man könnte mir ja Copy and Paste vorwerfen, aber ich kann leider auch nichts dafür, dass sich gleich drei Spieler aus den Absteigern des Jahres 2018 auch in diesem Jahr hier wiederfinden. Luca Brecels Abwärtstrend setzte sich leider auch 2019 fort. Außer beim Shoot-Out und bei den China Open, wo er immerhin das Halbfinale erreichte, kam der Belgier kein einziges Mal über die Runde der letzten 32 bei einem Ranglistenturnier hinaus. Entsprechend weit ist der 24-jährige nach unten durchgereicht worden, befindet sich aktuell nicht mal unter den Top 32 der Weltrangliste. Hier steht dringende Formverbesserung für 2020 auf dem Wunschzettel.

 

4. Mark King

Mark King erlebte ebenfalls ein Jahr 2019 zum Vergessen. Bis auf das Viertelfinale in Riga lassen sich leider kaum gute Ergebnisse in der Jahresvita des 45-jährigen finden. In der Weltrangliste hat sich das ebenfalls niedergeschlagen. King rutschte aus den oberen 20ern ab auf Platz 41. Die Qualifikationen für die beiden European-Series-Turniere hat er zum Jahresabschluss passenderweise auch gleich verpasst. Es kann also 2020 im Grunde nur besser werden.

 

3. Michael White

Bereits im letzten Jahr stand Michael White unter den Top 5 der Absteiger des Jahres. Und was soll man sagen, der Waliser hat es tatsächlich geschafft, sein Seuchenjahr 2018 noch zu übertreffen. Bis auf Platz 61 ist der 28-jährige inzwischen abgestürzt, steht im provisorischen Saisonend-Ranking nicht mal mehr in den Top 64. Über das schwache Jahr tröstet letztlich auch das Halbfinale beim Shoot-Out nicht hinweg. Die gute Nachricht: Zuletzt zeigte sich White mit einer ordentlichen UK Championship tendenziell wieder deutlich verbessert. Jetzt muss er das positive Erlebnis nur noch in weitere gute Ergebnisse umwandeln.

 

2. Martin Gould

Auch Martin Gould hatte es schon im letzten Jahr unter die Absteiger verschlagen. Dass er dieses Jahr wieder dabei ist, mutet für einen Teilnehmer des Champion of Champions vielleicht merkwürdig an, doch Gould ist weiterhin im absoluten Negativtrend gefangen. Der Titel in der Championship League kam aus dem Nichts, kein einziges Mal kam der "Pinner Potter" in den letzten zwei Saisons über die Runde der letzten 32 in einem Ranglistenturnier hinaus. Der Absturz in der Weltrangliste führt so weit, dass Gould ohne eine gute zweite Saisonhälfte um seine Tourkarte bangen muss.

 

1. Ryan Day

Der Waliser fand im letzten Jahresrückblick ebenfalls seinen Platz, dort allerdings noch als einer der Spieler des Jahres. Nach dem grandiosen 2018 folgte dieses Jahr allerdings das genaue Gegenteil. Abgesehen vom Finaleinzug in Gibraltar, wo Day nur knapp an der Titelverteidigung scheiterte, kam der 39-jährige nur ein einziges Mal über die Runde der letzten 64 bei einem Ranglistenturnier hinaus. Für die Weltrangliste bedeutet das einen Absturz von Rang 14 auf Platz 23, in der Saisonend-Rangliste steht er aktuell nicht mehr in den Top 32. Nach dem kurzen Hoch in den letzten drei Jahren scheint bei Ryan Day so langsam die Luft raus zu sein.

Die Spieler des Jahres

 

5. David Gilbert

David Gilbert ist inzwischen fester Teil der Top 16 der Weltrangliste. Auf Platz 11 stehend ist der Engländer aktuell der höchstplatzierte Spieler ohne einen Ranglistentitel auf dem Konto. Gleich zwei Mal schrammte Gilbert in diesem Jahr knapp an eben jenem vorbei. Während das Finale des German Masters gut und gerne an den 38-jährigen hätte gehen können, war er im Endspiel der English Open gegen Mark Selby chancenlos. Für den Halbfinalisten der Weltmeisterschaft 2019 scheint der erste Titel nur noch eine Frage der Zeit.

 

4. Thepchaiya Un-Nooh

Den ersten Titel hat Thepchaiya Un-Nooh hingegen schon in der Tasche, wenn auch "nur" beim Shoot-Out. Bei den World Open erreichte der Thailänder das Finale und blieb chancenlos gegen Judd Trump. Thepchaiya klopft mit ordentlichen Faustschlägen inzwischen recht deutlich an die Tür zu den Top 16 an. Auch wenn der mittlerweile 34-jährige in seiner Karriere lange Zeit unter seinen Möglichkeiten geblieben ist, scheint er nun endgültig den Durchbruch geschafft zu haben.

 

3. John Higgins

Für John Higgins ist das Jahr 2019 auf den ersten Blick gar nicht wirklich erfolgreich gelaufen. Kein Ranglisten-Titel, nur ein großes Finale und die Form ist nicht unbedingt herausragend. Aber was der Schotte seit Monaten spielt, ist ein Muster an Konstanz. Ohne überragend zu spielen, gewinnt Higgins mit Matchhärte und Allround-Spiel Match um Match und steht so immer wieder in den späten Runden eines Turniers. Das dritte in Folge verlorene WM-Finale war bitter, auch wenn er letztlich ein grandioses Match abgeliefert hat. Hinzu kommt der Titel mit Maguire beim World Cup und das Finale bei der 6-Reds-WM. Seit knapp 24 Jahren steht Higgins nun schon dauerhaft in den Top 16 und scheint dort auch auf absehbare Zeit nicht wegzudenken zu sein.

 

2. Neil Robertson

Neil Robertson ist endgültig zurück! Nachdem man jahrelang mit dem wohl größten Schussel aller Zeiten meckern konnte, hat er sich 2019 nahezu schadlos gehalten. Finale bei der Players & Tour Championship, Siege in Cardiff, Peking und Coventry, dazu das Viertelfinale bei der Weltmeisterschaft. Robertson hatte ein tolles Jahr 2019, ist wieder auf Rang 4 in der Weltrangliste zu finden und sorgte gemeinsam mit Judd Trump beim Champion of Champions für eins der besten Matches des Jahres. Auch wenn der Saisonstart 2019/2020 hätte optimaler sein können, ist Robertson einer der besten Spieler der letzten 12 Monate und zu jeder Zeit ein Titelkandidat (wenn er das Venue findet).

 

1. Judd Trump

Ich glaube, selten war die Wahl zum Spieler des Jahres so eindeutig wie 2019. Hier kann es keine zwei Meinungen geben. Alleine die Titelbilanz ist famos: Masters, World Grand Prix, Weltmeisterschaft, International Championship, World Open, Northern Ireland Open. Hinzu kommen diverse Viertel- und Halbfinalteilnahmen sowie das Endspiel beim Champion of Champions. Judd Trump ist Weltmeister, Nummer 1 (und das sicherlich noch eine Weile) und derzeit der Spieler mit dem wohl konstantesten, attraktivsten und besten Spiel. Der 30-jährige ist inzwischen auch taktisch gereift und kann mit seinem Allround- und B-Spiel jeden Gegner gefährden. Über 660 Centuries hat das "Ace in the Pack" nun schon gespielt, alleine 96 davon in diesem Jahr. Im WM-Finale schlug er mit brillanter Leistung einen John Higgins, der mit seiner Leistung wohl jeden anderen Spieler seinerseits klar geschlagen hätte. Noch nie konnte in der Modern Era ein Spieler seinen ersten WM-Titel erfolgreich verteidigen, doch Trump könnte genau der richtige Mann dafür sein.

 

Ich hoffe, euch hat mein Jahresrückblick gefallen und ihr stimmt mir zumindest an der einen oder anderen Stelle mit einem stummen Nicken zu. Ich wünsche euch ein fröhliches Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr. Es folgt am Freitag noch das Jahresabschluss-Quiz mit Gewinnspiel!

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