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Ronnie-Interview mit MeinSportPodcast.de

Avatar of GotenGoten - 12. Oktober 2019 - Turniervorschau

Der liebe Kollege Andreas Thies hatte am Freitag in Vorbereitung auf die English Open exklusiv Ronnie O'Sullivan im Interview. Das Gespräch wurde natürlich auf Englisch geführt. Da auf Twitter mehrfach der Wunsch geäußert wurde, habe ich mal versucht, das Interview sinngemäß zu übersetzen. Das vollständige Gespräch könnt ihr euch hier anhören!

 

Andreas: Ronnie O’Sullivan, vielen Dank für deine Zeit. Die English Open, die am Montag beginnen, werden das zweite Turnier für dich in dieser Saison sein. Du hast natürlich ein paar Exhibitions gespielt, zum Beispiel letzte Woche in Rumänien, aber auf welchem Level siehst du dein Spiel derzeit?

Ronnie: Ich weiß es gar nicht so wirklich. Scheint ok zu sein, ich habe Spaß am Training, ich glaube, dass ich ganz ordentlich spiele. Viele meiner Trainingsmatches sind viel spannender als sie es normalerweise vor ein paar Jahren waren. Die jüngeren Spieler sind teilweise auf dem Höhepunkt, es wird ein bisschen härter, aber ich genieße den Wettkampf, genieße das Spielen. Ich spiele so lange, wie ich noch eine Chance habe und Turniere gewinne.

A: Wie lang sind deine Trainingssessions im Moment?

R: Ich spiele nicht jeden Tag. Es ist vielleicht 2, 3 Mal die Woche. Ich versuche, 3 Stunden zu spielen, manchmal 4 Stunden. Mir reichen 2-3 Tage die Woche, das ist ok und genug für mich.

A: Du hast mehrfach gesagt, dass du Turniere, für die du dich qualifizieren musst, nicht mehr spielst. Wie sieht die Vorbereitung für Turniere wie dieses, die Home Nations Series, die English Open, aus?

R: Ich habe da nicht wirklich eine festgelegte Routine zur Vorbereitung, da ich auch viele Dinge abseits vom Snooker mache. Snooker ist nur ein kleiner Teil von dem, was ich tue und füllt mehr oder weniger die Lücken. Die Tage, an denen ich frei habe, sind dann genau die, an denen ich Snooker spiele. Ich habe viel mit den Kindern zu tun, genieße die Zeit mit ihnen, genauso wie mit meiner Lebensgefährtin. Ich mache viel neben dem Snooker, einiger Geschäftskram. Ich erfreue mich sehr an dem was ich tue, also denke ich mir eher an den Tagen, wo ich frei habe: Okay, heute spiele ich etwas Snooker.

A: Spielst du die Triple-Crown-Events diese Saison? Du hast erwähnt, dass du den 17-Tage-Marathon in Sheffield (WM) ein bisschen zu lang findest, ein bisschen zu trocken.

R: Ja, ich möchte maximal 10 Turniere spielen. Mehr möchte ich nicht spielen, vielleicht 11, wie in der letzten Saison. Vielleicht 10, vielleicht etwas zwischen 5-10 Turnieren. Ich schaue mir jedes Turnier einzeln an und entscheide, ob es für mich sinnvoll ist, ob es mir gefällt, dort zu spielen und es mich glücklich macht. Danach treffe ich meine Entscheidung, ob ich spiele. Shanghai ist ein fantastisches Event. Ich fliege nach Yushan, das ist auch ein gutes Turnier. Und da ich mehr Events in China spiele, sieht es wohl so aus, dass ich Qualifikationen spielen muss, um dort spielen zu können.

A: Aber was die Triple-Crown-Events angeht, die UK Championship, die WM, da hast du dich noch nicht entschieden, ob du spielst?

R: Ich werde wohl auf jeden Fall nach York fahren. Ich mag York, da gibt es großartigen Kaffee. Die Stadt ist toll, nettes Hotel, nettes Fitness-Studio, gutes Essen. Es ist einfach ein schöner Ort zum Zeit verbringen. Das sieht nach 100 % für mich aus, da will ich auf jeden Fall hin. London ist ein bisschen zu nah an Zuhause dran. Also habe ich natürlich viele Freunde, die hinkommen wollen. Das ist sehr schwer für mich zu managen. Das bereitet mir manchmal Kopfschmerzen. Man hat außerdem viele Medien-Verpflichtungen, da es ein sehr großes Turnier ist. Du hast BBC und Eurosport, also musst du doppelt Interviews führen, doppelt Presse. Das kostet Zeit und Energie und gehört zu den Dingen, die ich nicht mag. Ich weiß, dass ich manches davon machen muss, aber wenn das eine Stunde so geht, manchmal 2 oder 3 Stunden, dafür bin ich einfach zu müde. Wie ich gesagt habe, ich schau mir jedes Turnier an wenn es kommt und was sich richtig für mich anfühlt, da spiele ich!

A: Du sagtest, du willst 5-10 Turniere spielen. Letztes Jahr hast du dich entschieden, mit den Sight-Right-Methoden zu arbeiten. Was sind seitdem die größten Änderungen in deinem Spiel?

R: Es ist viel disziplinierter. Man arbeitet mehr mit System. Es ist mehr Anfassen und Fühlen. Ich war immer ein solcher Spieler, aber es ist immer gut, wenn man da etwas Disziplin reinbringt. Ich war wie ein kreativer Geschäftsmann. Wie Steve Jobs, der wollte das schönste Handy kreieren. Das war alles was er wollte und jemand sagte: Warte mal einen Moment, wir müssen hier auch ein Geschäft führen. Ich holte also Steve (Anmerkung: Stephen Feeney, der Erfinder von SightRight) dazu, um die Disziplin reinzubringen, Konstanz aufzubauen und einfach das Beste zu geben. Steve war bereit zu versuchen, dass Bisschen Stabilität zu meinem Spiel hinzuzufügen. Und ich denke, das hat er auch geschafft.

A: Die Home Nations Series, die am Montag in Crawley startet, wird einen leicht anderen Look haben. Du musst keine Fliege oder Weste tragen. Was ist deine Meinung dazu?

R: Oh, wirklich? Das wusste ich gar nicht. Was ist denn der Dresscode? Shorts und T-Shirt?

A: Ich glaube schon, ja.

R: Das ist vielleicht gar nicht schlecht. Dann kann ich schwimmen gehen und geh direkt zu meinem Match, genau wie die anderen Leute in Crawley. Das wird großartig. Die haben einen netten Swimming Pool da.

A: Okay.

R: Ich freu mich drauf.

A: Ich mich auch. Das ist die vierte Ausgabe der Home Nations Series. Falls ein Spieler alle vier Turniere gewinnt, kriegt er das Extra-Preisgeld von einer Million Pfund. In jedem Jahr…

R: Wenn das einer schafft, geb ich dir 10 Millionen!

A: Das war genau meine Frage: Glaubst du, dass es realistisch ist, dass jemand in diesem Jahr so dominant ist und alle vier Turniere gewinnt?

R: Nein! Wenn das einer schafft, gebe ich dem 10 Millionen, weil er es verdient hat. Ich verzehnfache den Preis.

A: Barry Hearn wird sich freuen.

R: Ja, schreib‘s auf. Keine Chance, Zeitverschwendung! Absolut lächerlich.

A: Lass uns über was anderes reden. Du hast 36 Ranglistentitel gewonnen, genauso viele wie Stephen Hendry. Motiviert dich das noch, solche Rekorde zu holen? Vielleicht ja in Crawley.

R: Es war nie meine Motivation, Rekorde zu brechen. Wenn sie kommen, dann nimmst du sie mit und denkst: Okay, das war schön. Rekorde sind nur da, um gebrochen zu werden. Irgendwann wird jemand kommen und meine Rekorde brechen. Hoffentlich bin ich dann schon lange tot und muss das nicht miterleben. Obwohl, vielleicht wäre es nett, einen jungen Spieler zu sehen, der das Spiel so dominiert und den Stab abzugeben, während ich lebe.

A: Glaubst du, dass dieser Spieler Judd Trump sein könnte? Wir hatten 5-6 Jahre Dominanz durch Mark Selby, kann jetzt Judd Trump genauso dominieren?

R: Ich glaube, Selby hat nicht lange genug dominiert, um ihn eine echte Legende des Sports zu nennen (Anmerkung: Es ist schwer, die englische Bedeutung von „a true Great“ wörtlich zu übersetzen). Ich glaube, du musst 10-12 Jahre dominieren, um eine richtige Legende zu werden. Selby war fantastisch und an der Spitze des Sports für – wie du sagtest – 5 bis 6 Jahre, hat 3 WM-Titel in dieser Zeit gewonnen. Er hat nicht dominiert wie Stephen Hendry oder Steve Davis oder wie ich. Um „Legende“ genannt zu werden, musst du das schon über mindestens 10 Jahre machen oder mindestens 5 WM-Titel oder mindestens 19 Major-Titel, mindestens 15 Maximums etc. geholt haben. Du musst irgendwie in diesen Kreis kommen, um zur Legende zu werden. Das braucht Zeit. Es gibt viele Spieler, viele Talente, viel Können. Am Ende des Tages sprechen die Rekordbücher für sich. Um ein echter Champion in einem Sport zu werden, musst du an der Spitze für eine sehr lange Zeit sein. Judd hat definitiv die Anlagen um dort hinzukommen, wenn er das Niveau halten kann. Du musst das jeden Tag machen, die Motivation finden. Manche Leute können das, manche nicht.

A: Also sind immer noch Stephen Hendry, Steve Davis, John Higgins und du im Pantheon der Großartigkeit des Snooker?

R: Ja, ich würde sagen, wir sind die 4 Größten des Spiels. Vielleicht zusammen mit Joe Davis und Ray Reardon. Ich würde sagen Joe Davis, Ray Reardon, Steve Davis, Stephen Hendry, John Higgins und Ronnie O’Sullivan – das sind die Größten im Snooker. Alle anderen gehören in einen anderen Kreis.

A: Ein Spieler, den du deinen Freund nennst, der mal dominieren sollte und der erste chinesische Weltmeister werden sollte, ist Ding Junhui. Er kämpft mit seiner Form seit 1,5 Jahren. Er ist aus den Top 16 gefallen und ist nicht mehr chinesische Nummer 1. Man kann sich kaum vorstellen, wie viel Druck er in den letzten 10-15 Jahren hatte. Glaubst du, dass er zurückkommen kann?

R: Man hat halt eine Menge Druck. Jeder behauptet das ständig. Ich habe Druck, seit ich 10 Jahre alt bin. Man lernt, damit umzugehen. Ich würde das nicht als Ausrede für Ding nutzen. Er sollte vielleicht etwas stärkeren Charakter zeigen. Wenn die Dinge schlecht laufen, musst du damit umgehen, eine Niederlage in einen Sieg verwandeln. Manchmal sieht er aus, als wenn er nicht das Herz eines Löwen hätte und das braucht man manchmal, um ein Champion zu sein und schwierige Zeiten zu überstehen. Ich mache mir sorgen um Ding, ich liebe ihn, er ist ein toller Typ und fantastischer Snooker-Spieler. Aber du brauchst ein Herz, so groß wie Europa!

A: Wer gewinnt die English Open?

R: Jamie O’Neill!

A: Okay, das ist ein guter Tipp.

R: Er trifft auf mich in der ersten Runde.

A: Ich weiß. Vielen Dank für deine Zeit, Ronnie!

R: Danke. War nett, mit dir zu reden. Schönen Gruß an alle Snooker-Fans in Deutschland, wir sehen uns!

 

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