G0ten's Blog

Der ultimative Jahresrückblick (Teil 1)

Avatar of GotenGoten - 21. Dezember 2015 - Jahresrückblick

Wenn man auf ein Sportjahr zurückschaut, ist es fast unmöglich, sich nicht zumindest grob an einem Turnierkalender entlangzuhangeln. Turniere sind immer an festen Terminen und erlauben einen relativ chronologischen Einblick in das vergangene Jahr. Ich habe es in den letzten Jahren auch entsprechend gehandhabt, die ganzen Turniersieger aufzuzählen, die es so gab und eventuell ein paar News und Anekdoten abseits der Events zu erwähnen, sodenn es welche gegegeben hat. In diesem Jahr werde ich das genauso machen einen Mittelweg versuchen:

Januar

Ein jedes Snookerjahr beginnt mit dem wichtigsten Einladungsturnier und einem der prestigeträchtigsten Events der Szene: Dem Masters im Ally Pally von London. Für das erste Highlight des Jahres war aber schon vorher in Form von Barry Hawkins gesorgt, der in der Championship League sein zweites Maximum Break auf den Tisch packte. Gleiches gelang Marco Fu nur wenige Tage später bei seinem Erstrundensieg über Stuart Bingham, diesmal dann direkt beim Masters. Fu, der in Gibraltar vor einer Woche eine weitere 147 auf den Tisch zauberte, verlor dann zwar im Viertelfinale gegen Ronnie O'Sullivan, kann insgesamt aber auf ein ordentliches Jahr zurückblicken. Der Masters-Titel ging übrigens nach einem überraschend einseitigen Finale an Shaun Murphy, der mit dem 10:2-Sieg über Neil Robertson seine Karriere-Triple-Crown perfekt machte. Ein weiterer Titel im Januar ging an Joe Perry, der das Asian Tour Event in Xuzhou gewann. Weniger erfreutlich war der Tod des talentierten Ex-Profis Lee Spick, der Ende Januar seinem Leber-Leiden erlag.

Februar

Der zweite Monat diesen Jahres wird für mich auf ewig in glücklicher Erinnerung bleiben und das ganz einfach wegen dem besten Turnier, das ich bislang erleben durfte: das German Masters 2015! Gar nicht mal so sehr wegen dem, was auf dem Tisch passierte, sondern auch wegen dem Drumherum. Ich durfte dank eines Presseausweises auch hinter die Kulissen blicken, stürmte dabei in eine Pressekonferenz von Ronnie O'Sullivan (der mich dabei anblickte, als wäre ich der Fensterputzer), lief an einem unfassbar freundlich lächelnden Shaun Murphy während des Finals auf dem Weg zur Toilette vorbei, erlebte ein Maximum Break von Judd Trump, war Zeuge der wohl genialsten Viertelfinalsession aller Zeiten und am wichtigsten: Ich traf den wohl nettesten Menschen, dem ich je begegnet bin, endlich von Angesicht zu Angesicht: LochBar-Autorin Kathi! Achja, gewonnen hat das denkwürdige Turnier übrigens Mark Selby, dem in Sachen Konstanz und Matchhärte wohl niemand mehr das Wasser reichen wird. Bei der Championship League triumphierte Stuart Bingham, während David Gilbert das vierte Maximum Break innerhalb von 2 Monaten zum Event beisteuerte. Dass erst 299 Tage später, also im Dezember, die nächste 147 gespielt werden würde und uns damit die längste Maximum-Durststrecke seit der 300 Tage andauernden maximumlosen Zeit zwischen Juni 2009 und April 2010 bevorstehen würde, ahnte noch niemand. Auch dass John Higgins bei den Welsh Open seinen ersten Ranglistentitel seit 3 Jahren holen würde, kam überraschend, hatte man (auch ich) den Schotten doch quasi schon aufs Altenteil schicken wollen. Inzwischen hat Higgins das Jahr 2015 zu einem äußerst erfolgreichen gemacht und noch 2 weitere große Titel folgen lassen. Zudem spielte der 4-malige Weltmeister kürzlich bei der UK Championship sein 600. Century Break.

März

Eingeläutet wurde der rappeldick gefüllte Turniermonat März mit einem PTC-Sieg von Neil Robertson in Gdynia. Der Australier hat die polnischen Event-Trophäen ja quasi für sich gepachtet und dies mal wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Sein Finalgegner war übrigens Mark Williams, dieser unfassbar alte Spieler, der sich nur 2 Tage später zum Senioren-Weltmeister kühren durfte. Während Finalgegner Fergal O'Brien (ihr wisst schon, dieser andere unfassbar alte Spieler) noch sein Hörgerät zurecht rückte, war Williams schon zum Snooker-Kurzzeit-Spaß im Tower von Blackpool, dem Shoot-Out, unterwegs. Das spaßige 1-Frame-Event gewann sein Landsmann Michael White, was dessen Karriere wohl endgültig in Schwung brachte. Eine Woche später holte sich der Waliser in Mumbai den bislang größten Erfolg in seiner noch jungen Laufbahn: Den Ranglistentitel bei den Indian Open. Mit dem 5:0-Finalsieg über Ricky Walden zog White nicht nur in die Geschichtsbücher ein, sondern schaffte auch erstmals den Sprung in die Top 16 der Weltrangliste. Für den Waliser ist das Jahr 2015 mit Leichtigkeit das bisher tollste seiner Karriere und er dürfte wohl ein heißer Kandidat auf die Top 10 der besten Spieler des Jahres sein. Der Einzug in diese Kategorie dürfte für Judd Trump hingegen schwierig werden, ist seine aktuelle Saison doch bisher vollkommen zum vergessen. Sicher, er erreichte das Endspiel beim Shanghai Masters, doch Zählbares sprang für ihn noch nicht heraus. Da hat der Ferrari-Fahrer einfach andere Ansprüche an sich selbst. Immerhin schaffte der (inzwischen nicht mehr ganz so junge) Youngster Ende März die Revanche an Ronnie O'Sullivan, der ihn beim Champion of Champions und bei der UK Championship 2014 in so mitreißenden Endspielen geschlagen hatte. Beim World Grand Prix hatte Trump am Ende die Nase vorn und sackte seinen einzigen Titel im Kalenderjahr 2015 ein. Eine schöne Geschichte war dann der Triumph von Joe Perry bei der Players Championship in Thailand. Nach 24 Profi-Jahren holte sich der Gentleman endlich seinen ersten vollwertigen Ranglistentitel und es gab wohl keinen einzigen Menschen, der ihm diesen Titel nicht gegönnt hat. Doch der März schrieb auch nicht so schöne Geschichten. So verstarb Anfang des Monats Vic Harris, bekannter Mentor von Steve Davis, Stuart Bingham und vielen anderen Spielern. Auch verließ die beliebte Schiedsrichterin Michaela Tabb endgültig die Main Tour, nachdem man sie ohnehin schon einige Zeit nicht mehr am Tisch gesehen hatte. Die Gründe, zu diesem Zeitpunkt noch unklar, sorgen nicht für eine entsprechende Würdigung ihrer herausragenden Bedeutung im Snookersport, die sie jahrelang innehatte.

April/Mai

Die Saison neigte sich (wie immer im April) nun unweigerlich dem Ende entgegen und damit dem Höhepunkt eines jeden Snookerjahres, der Weltmeisterschaft! Vorher gab es aber noch einen letzten Titel zu vergeben, den sich passenderweise der WM-Titelverteidiger Mark Selby holte. Ein deutliches 10:2 gegen Gary Wilson im Finale der China Open in Peking sorgte dafür, dass der ohnehin schon vorhandene Druck eines möglichen Crucible-Doppeltriumphs weiter stieg. Bekannterweise schaffte Selby dies nicht, verhinderte aber immerhin knapp ein Erstrundenaus gegen Kurt Maflin. Die Geschichten, die die Weltmeisterschaft 2015 schrieb, sind genug diskutiert worden und sollen an dieser Stelle auch gar nicht neu aufgewärmt werden. Stuart Bingham dürfte vor dem Turnier wohl keiner auf der Rechnung gehabt haben und so muss dieser aktuell mit dem unbekannten Druck eines Gejagten durch die Saison gehen. Während ein unfassbar enttäuschter Judd Trump weiterhin auf seinen ersten und ein nicht minder zerknirschter Shaun Murphy auf seinen zweiten WM-Titel warten muss, darf Bingham im nächsten Jahr seinerseits an der Zerstörung des Crucible-Fluchs arbeiten. Der Engländer spielte ein tolles Turnier und wer auf dem Weg zum Titel Robbie Williams, Graeme Dott, Ronnie O'Sullivan, Judd Trump und Shaun Murphy schlägt, der wird diesen mehr als verdient haben. Wenig überraschend daher auch die Verleihung des Titels "Spieler des Jahres" beim Awards Dinner. Über die während der WM angekündigten Neuerungen ab der Saison 2016/2017 wird im nächsten Jahr zu reden sein, womit dieser erste Teil des Jahresrückblickes auch langsam sein Ende findet. Die Saison 2014/2015 fand ihr Ende schlussendlich mit der Q-School, über die sich 8 Spieler einen der begehrten Tour-Plätze für die neue Saison sichern konnten. Einen Platz auf der Main Tour wird der Ire John Sutton hingegen nicht mehr so schnell kriegen. Der wurde nämlich Ende Mai wegen Wettbetrugs und Matchfixing für 6 Jahre gesperrt.

Fast vergessen hätte ich natürlich, dass der Mai auch aus einem anderen Grund noch große Bedeutung hatte: Der alte Blog (G0ten's Blog) hatte ausgedient, ab Mai war der Umzug auf diese Webseite endlich geschafft. Was mich bereits wochenlang davor Nerven und Zeit gekostet hatte (und immer noch tut), wurde in die Tat umgesetzt. Natürlich kam auch das Tippspiel mit, dass inzwischen - nach einigen Anlaufschwierigkeiten - recht rund läuft. Ich bastel weiter fleißig an der Seite, was neben Job und Familie nicht immer einfach ist, und habe für 2016 einiges zu bieten. Gleichzeitig hoffe ich natürlich, dass ihr dem Tippspiel und dem Rest der Seite die Treue haltet und weiterhin genauso viel Spaß wie ich dabei habt!

Was die neue Saison und die Monate Juni bis Dezember für uns bereit hielten, erfahrt ihr in der nächsten Woche.

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