G0ten's Blog

Scottish Open 2018 Runde 1, Tag 1 (Montag) (Gastblog)

Avatar of GotenGoten - 11. Dezember 2018 - Turnierberichte

Wie in den letzten beiden Jahren bin ich auch diesmal wieder an den ersten Tagen als Zuschauer bei den Scottish Open dabei und möchte meine Eindrücke vom Turnier, v.a. von den Außentischen und vom "Drumherum", mit euch teilen. Allgemeine Informationen zu Austragungsort und Turnier finden sich in meinem Blog von 2016.

Mein erstes Match ist um 10.00 Uhr morgens die Partie Ross Muir (SCO) - Alexander Ursenbacher (CH) an Tisch 5. In einer Phase von Shots to Nothing, ein paar langen Einsteigern und kleineren Breaks scheint der Boden für Irritation zu sorgen. Meine Interpretation, dass der Teppich Wellen schlägt, kann ich zwar nicht verifizieren, aber irgendetwas in der Richtung wird es wohl gewesen sein.

Nach dem ersten größeren Break verschießt Muir beim Stand von 55 - 24 ein Double auf die Mitteltasche (oder hatte er das als Triple geplant? Jedenfalls ging es daneben) Ursenbacher locht die letzten beiden Roten plus Farbe und dann noch Gelb, im zweiten Anlauf Grün und verschießt dann Braun. Braun bleibt aber sicher liegen, und Ursenbacher legt beim nächsten Mal einen tollen Snooker hinter Schwarz. Nach Foul und Miss von Muir locht Ursenbacher Braun bis Pink, aber bei 55 - 60 verschießt er die letzte Schwarze. Muir locht sie und holt sich den 1. Frame denkbar knapp mit 62 zu 60. Den 2. Frame gewinnt Muir mit eindeutigem Abstand. Im 3. Frame fällt ihm am Ende eines 44er Breaks zusammen mit Blau auch Braun. Es ergibt sich aber kein Einsteiger für Ursenbacher, und auch Muir holt sich das 3 - 0. Zu Beginn erschien mir das Match sehr ausgewogen, aber inzwischen macht Muir den wesentlich besseren Eindruck. Im 4. Frame verschießt Muir beim Stand von 70 - 8 den Frameball. Ursenbacher spielt eine beeindruckende71er Clearance und holt sich seinen ersten Frame zum 3 - 1. Auch im 5. Frame spielt er ein schönes Break (wir rechnen schon mit einen Comeback), aber bei 22 Punkten verstellt er sich. Als beim Stand von 69 - 22 nur noch eine Rote übrig ist, braucht er Snooker. Muir locht die letzte Rote lang und gewinnt das Match 4 - 1.

Bei den TV-Matches von Barry Hawkins und Neil Robertson hatte ich eigentlich auf meine ersten Beiträge zur #147sfSaisonspende gehofft, aber beiden gelang kein Century. Immerhin hat Robertson in Runde 2 noch eine Chance dazu.

Nachmittags kämpft Stephen Maguire nicht nur gegen das Spiel von Billy Joe Castle, sondern auch gegen elektrische Entladungen, die auftreten, wenn er den Tisch berührt. Ich erinnere mich, das schon einmal gesehen zu haben, weiß aber nicht mehr, wer oder bei welchem Turnier. Ich tippe auf Kombination Schuhe - Teppich als den Schuldigen.

Abends beobachte ich vom Stehplatz die Partien von John Higgins (Tisch 1) und Simon Lichtenberg (Tisch 5). Ich habe mich mittig zwischen beiden oberhalb des Tisches von Matt Selt positioniert. Das ist zwar auf die Dauer unbequem, aber die Aussicht auf viele Tische ist ausgezeichnet. So fällt mir z.B. auf, dass an Tisch 2 jemand buchstäblich "unterm Tisch" liegt. Was man da mit einem Hammer ausrichten kann, müssen die Tablefitter erklären. Plötzlich steht Brendan Moore neben mir. Ich wundere mich etwas, dass er eine Flasche Wasser und eine Banane dabei hat, da ist er schon hinunter auf die Tribüne gegangen und wartet dort auf das Ende des Frames. Dann geht er zu Selt und überreicht ihm die Banane - quasi eine Art von Selt-Service ;)

Simon Lichtenberg trifft in der ersten Runde auf Zhang Jiankang. Nachdem Zhang 46 Punkte vorgelegt hat, macht Lichtenberg aus einer Chance ein sehr schönes 62er Break. Leider verschießt er Grün im Endspiel auf die Farben, und Zhang räumt ab zum Framegewinn. Auch den 2. Frame gewinnt Zhang, aber den 3. holt sich Lichtenberg mit mehreren kleineren Breaks und einer schönen 39 zum Schluss. Im 4. Frame macht er nur einen Punkt, und Zhang baut seine Führung dank eines 74er Breaks auf 3 - 1 aus. Er holt auch den 5. Frame, und damit sind das Match und das Turnier für Lichtenberg leider beendet. Ich persönlich fand es sehr schade, ich hätte dem Match gerne länger zugesehen, beide hatten einen schönen Spielfluss. Trotz des Ergebnisses machte Lichtenberg auf mich eigentlich einen guten Eindruck. Schade, dass er den 1. Frame nicht für sich entscheiden konnte.

Ein völlig anderes Match liefern sich derweil John Higgins und Adam Duffy auf Tisch 1. John Higgins ist , wie er später im Interview erwähnt, durch eine "Fußball-Verletzung" (ich lasse das mal unkommentiert) in Form eines Rippenbruchs beeinträchtigt, und das Spiel verläuft recht zäh. Das Publikum ist spürbar auf Seiten von Higgins und unterstützt ihn nach Kräften, aber trotzdem sind die Zuschauer wirklich fair zu Duffy. Das habe ich auch schon anders erlebt, und ich rechne ihnen das hoch an! Die Freude (und Erleichterung) ist groß, als Higgins dann den Decider noch für sich entscheidet. Schön, dass er seinen 1000. Profi-Sieg vor heimischem Publikum hier in Glasgow holen konnte. Auch wenn ich außerhalb von #147sf nirgendwo einen Hinweis auf dieses "Jubiläum" gelesen habe. Herzlichen Glückwunsch an den "Wizard of Wishaw" zu dieser beeindruckenden Leistung! Zwar war dieser Sieg alles andere als Zauberei, aber als wahrer Allrounder kann man eben auch solche Spiele gewinnen.

(@briglexuc)

Die Autorin ist überzeugte Rheinländerin und in den Gebieten Philologie und Musik zu Hause. Snookerfan ist sie seit dem Masters 2010.

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1 comments

MinkyMietze

11. Dezember 2018

Der Andere mit den elektrischen Schlägen am Tisch war mWn Grame Dott bei der WM