G0ten's Blog

WM 2018 - Spieler, Chancen, Favoriten

Goten - 19. April 2018 - Turniervorschau

Es ist wieder soweit. Nach einem ganzen Jahr des Wartens stehen die schönsten 17 Tage (im Grunde die zweitschönsten, denn die 5 genialen Tage im Berliner Tempodrom sind eigentlich mindestens genauso toll... und dann ja noch die 3 Tage in Fürth... na ja, lassen wir das) eines jeden Snookerjahres an. Bei der Weltmeisterschaft im legendären Crucible Theatre von Sheffield, für welches man bei mehr Platz vermutlich mindestens drei Mal so viele Tickets verkaufen könnte, treten 32 Spieler an, um sich nach 2,5 Wochen harter Arbeit in die Snooker-Geschichtsbücher einzutragen. Jedes Jahr versuchen Fans, Kommentatoren, Blogger, Gelehrte, Funktionäre und Hobbits, den einen unter den 32 Akteuren zu finden, der sich am Ende mit der Trophäe beglücken darf. Nahezu jedes Jahr geht das albtraumhaft schief und die Tipps erreichen Pseudo-Rolf'sches (#sorrynotsorry) Niveau. Weil es aber trotzdem Spaß macht, versuchen wir es auch dieses Jahr selbstverständlich wieder.

 

Mark Selby

Wenn man mich am 1. April, also unmittelbar vor den China Open gefragt hätte, ob ich Selby in diesem Jahr wieder zu den Favoriten auf den WM-Titel zählen würde, hätte ich vermutlich ohne langes Nachdenken "nö" gesagt. Doch dann kam die Woche in Peking, in der der 'Jester' mal wieder gezeigt hat, warum er so einen Riesenvorsprung in der Weltrangliste hatte hat. Ehrgeiz, Siegeswille, Kampfstärke, Selbstvertrauen und dazu noch sein ungeheures Spielvermögen: Alles scheint zurück. Die erneute Titelverteidigung des dreifachen Weltmeisters erscheint nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich. Der einzige Nachteil für den 34-jährigen ist wohl, dass er mit Allen, Murphy, Higgins, Bingham und Trump die etwas härtere Turnierhälfte erwischt hat.

WM-Teilnahmen: 13

Bestes Ergebnis: Weltmeister (3 Mal, zuletzt 2017)

Titelchance: 90 %

 

Joe Perry

Der 43-jährige, der im letzten Jahr im Masters-Finale stand und inzwischen aus den Top 16 gefallen ist, kann auf eine durchwachsene Saison zurückschauen. Zwar erreichte er vier Mal das Viertelfinale bei Ranglistenturnieren, doch viel mehr Highlights finden sich nicht in der Saison des ‚Gentleman‘. Zurück in die Top 16 wird er damit nicht kommen, dazu müsste es bei der WM schon etwas weiter gehen. Das Crucible und Perry, das passte in der Vergangenheit nicht immer gut zusammen. Andererseits zählt er sicherlich zu den stärksten Qualifikanten und hatte einige tolle Matches hier.

WM-Teilnahmen: 14

Bestes Ergebnis: Halbfinale (2008)

Titelchance: 35 %

 

Mark Allen

Der Nordire kann sich wohl bei Lyu Haotian bedanken, dass er dieses Jahr bei der WM gerade so noch unter den 16 gesetzten Spielern war. Hätte der Chinese Ryan Day in der Qualifikation zu den China Open nicht besiegt, wäre Allen der Gang in die Quali vermutlich nicht erspart geblieben. Der 32-jährige zeigt eine solide Saison, wobei die erste Hälfte mit dem Masters-Sieg und dem Finale bei der International Championship etwas mehr herausragt. Seit dem Triumph in London wartet 'Pistol' auf echte Highlights. Die WM im Crucible war nie wirklich ein gutes Pflaster für Allen, der zwar einmal im Halbfinale stand (und das ist 9 Jahre her), inzwischen aber seit 2011 auf das Überstehen des Achtelfinales wartet. Da in eben jenem wohl Mark Selby warten würde, erscheint eine gute WM 2018 erneut unwahrscheinlich.

WM-Teilnahmen: 13

Bestes Ergebnis: Halbfinale (2009)

Titelchance: 40 %

 

Liam Highfield

Bisher konnte sich der 27-jährige nicht direkt auf der Main Tour halten, ist seit 2010 aber trotzdem ununterbrochen dabei, weil er sich über die 1-Jahresranglisten oder die Q-School sofort wieder qualifizierte. Diesmal hat es der Viertelfinalist der Indian Open 2017 aber geschafft und steht zum Saisonende unter den Top 64. Als Lohn der deutlichen Verbesserung seiner Konstanz winkt nun die erstmalige Teilnahme an der Weltmeisterschaft. Highfield, der wie Ali Carter an Morbus Crohn leidet, darf sich nun auf ein Duell mit Mark Allen freuen. Zu mehr als ein paar Frames wird es dabei aber vermutlich nicht reichen.

WM-Teilnahmen: Debütant

Bestes Ergebnis: - 

Titelchance: 10 %

 

Kyren Wilson

Der 'Warrior' hat im Grunde seine beste Saison hinter sich, auch wenn er die beiden Endspiele bei den English Open und den World Open klar verloren hat. Auch das Masters-Finale ging nicht an den Engländer, der dennoch in Sachen Konstanz und Kampfstärke in dieser Saison heraussticht. Bei der WM stand er in den letzten beiden Jahren jeweils im Viertelfinale und mir fallen eigentlich wenig Gründe ein, warum er das in diesem Jahr nicht auch schaffen sollte, auch wenn Murphy dazu vielleicht andere Pläne hat. Wilson hat das Spiel und den Willen, mal Weltmeister zu werden. Mit Murphy, Higgins/Trump und Selby hat er einen bockschweren Weg ins Finale, doch von der Form her rechne ich ihm Außenseiterchancen auf den Titel aus.

WM-Teilnahmen: 3

Bestes Ergebnis: Viertelfinale (2 Mal, zuletzt 2017)

Titelchance: 65 %

 

Matthew Stevens

Der Waliser verbindet einige seiner besten Momente mit der Weltmeisterschaft. Als zweifacher Finalist und mehrfacher Halbfinalist stand er oft nur wenige Frames vor dem Titel. Stevens gilt als einer der besten Spieler, der nie die WM gewinnen konnte. Dass der Publikumsliebling das dieses Jahr nachholen kann, dürfte wohl im Bereich des Unmöglichen liegen. Ärgern kann er seinen Erstrundengegner Kyren Wilson aber in jedem Fall.

WM-Teilnahmen: 15

Bestes Ergebnis: Finale (2 Mal, zuletzt 2005)

Titelchance: 45 %

 

Shaun Murphy

Beim 'Magician' fällt mir die Einschätzung ehrlich gesagt nicht gerade leicht. Zum einen spielt er eine tolle Saison, erreichte vier Endspiele bei Weltranglistenturnieren und gewann das Champion of Champions. Andererseits holte Murphy in keinem seiner vier Ranking Finals den Titel, verlor diese zum Teil auch recht deutlich. Der dreimalige WM-Finalist und Überraschungssieger von 2005 braucht eigentlich dringend mal wieder ein Erfolgserlebnis, damit sich da nicht ein Finalfluch einschleicht. Daran, dass er diesen bei der WM lösen und an Selby vorbeikommen kann, habe ich doch erhebliche Zweifel.

WM-Teilnahmen: 15

Bestes Ergebnis: Weltmeister (2005)

Titelchance: 60 %

 

Jamie Jones

Der 30-jährige ist mittlerweile seit 2010 durchweg auf der Main Tour unterwegs. Zwei Mal stand er in dieser Zeit im Halbfinale eines Weltranglistenturniers, darunter das Paul Hunter Classic in dieser Saison. Für den Durchbruch reichte es bislang nicht, wobei Jones immer genug tut, um irgendwie in den Top 48 zu bleiben. Beim Waliser, der bei seinem Debüt im Crucible vor 6 Jahren das Viertelfinale erreicht hatte, sollte es so langsam Klick machen, sonst wird man irgendwann auf verschenktes Potential verweisen.

WM-Teilnahmen: 2

Bestes Ergebnis: Viertelfinale (2012)

Titelchance: 15 %

 

John Higgins

Das Wort "Zweifel" ist beim Schotten hingegen völlig unangebracht. Zwei Ranglistenturniere gewann Higgins in dieser Saison, zudem verteidigte er als erster Spieler überhaupt den Titel in der Championship League. Higgins hat die Gunst der Stunde erkannt und sich beim vollen Terminkalender auch Pausen erlaubt. Das scheint ihm gut zu tun, zumal sich der 92'er Jahrgang in dieser Saison wohl gegenseitig zu Höchstleistungen anzustacheln scheint. Mit einem fünften WM-Titel würde der 42-jährige wieder mit Ronnie O'Sullivan gleichziehen, ein durchaus lohnenswertes Ziel für die nächsten drei Wochen. Die große Frage ist aber, ob Fitness und Kraft für den Marathon reichen?

WM-Teilnahmen: 23

Bestes Ergebnis: Weltmeister (4 Mal, zuletzt 2011)

Titelchance: 85 %

 

Thepchaiya Un-Nooh

Es mutet fast schon kurios an, dass der erfahrene Thailänder zum ersten Mal bei der WM dabei sein wird, doch bislang war tatsächlich spätestens in Runde 3 der Qualifikation Schluss. Der 33-jährige muss nach den fantastischen Jahren 2015 und 2016, nach denen er als potentieller Top-16-Spieler gehandelt wurde, auf 1,5 Jahre zurückblicken, die von schwacher Form und dem Absturz in der Weltrangliste gekennzeichnet waren. Un-Nooh wird in der nächsten Saison um seine Tourkarte kämpfen müssen, wenn die Ergebnisse nicht besser werden. Die erfolgreiche WM-Quali war schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

WM-Teilnahmen: Debütant

Bestes Ergebnis: -

Titelchance: 25 %

 

Stuart Bingham

Der Froschkönig scheint seine Zwangspause gut überstanden zu haben. Zwei Viertelfinalteilnahmen und der Finaleinzug beim Romanian Masters stehen seit seiner Sperre beim Überraschungsweltmeister von 2015 zu Buche. Allerdings wartet der 41-jährige auch seit den Welsh Open im letzten Jahr auf einen Titel. Zu oft scheiterte der 'Ball-Run' in den entscheidenden Situationen, gab Führungen noch ab und verlor Matches noch, die er nicht verlieren sollte. Das erscheint zu wenig, um beim Marathon im Crucible Theatre am Ende vorne dabei zu sein. Neben dem schweren Weg im Draw hat Bingham auch die Tatsache vor Augen, bis auf den WM-Sieg 2015 nur einmal über das Achtelfinale hinausgekommen zu sein.

WM-Teilnahmen: 11

Bestes Ergebnis: Weltmeister (2015)

Titelchance: 40 %

 

Jack Lisowski

Der ‘Jackpot’ ist der Inbegriff eines ungenutzten Talents. Na gut, ungenutzt ist vielleicht zu hart, doch Lisowski läuft seit seinem ersten Auftritt auf der Main Tour seinen und den Erwartungen aller anderen hinterher. Ganz anders in dieser Saison. Zwei Mal stand er bereits im Viertelfinale, darunter auch zuletzt bei den China Open. In Shanghai schaffte er es sogar zum ersten Mal ins Halbfinale eines Ranglistenturnieres. Der Lohn für Lisowski ist, dass er wohl erstmals nach einer Saison in den Top 32 der Weltrangliste stehen wird. Mit Stuart Bingham hat er einen unangenehmen und formstarken Gegner erwischt, doch das wird ihn vermutlich nicht kümmern. Vielleicht geht für Lisowski in diesem Jahr mehr, als man ahnt.

WM-Teilnahmen: 1

Bestes Ergebnis: 1. Runde (2013)

Titelchance: 30 %

 

Luca Brecel

Der Belgier kann seine Saison mit gutem (oder lieber schlechtem) Gewissen in zwei Hälften teilen. Da steht einem phänomenalem Start, gekrönt vom Triumph bei der China Championship, eine fast schon katastrophale Leistung im Jahr 2018 gegenüber. Erstrundenniederlage reiht sich an Erstrundenniederlage, Brecels Selbstvertrauen wirkt angekratzt. In der aktuellen Form ist 'Belgian Bullet' kein ernsthafter Kandidat auf den WM-Titel, geschweige denn auf seinen ersten Match-Sieg im Crucible Theatre.

WM-Teilnahmen: 2

Bestes Ergebnis: 1. Runde (2 Mal, zuletzt 2017)

Titelchance: 20 %

 

Ricky Walden

Der Engländer hat zwei katastrophale Jahre hinter sich und wird sich zum Saisonende wohl mit der schlechtesten Ranglistenplatzierung seit fast 10 Jahren begnügen müssen. Noch vor einem Jahr stand Walden gefestigt in den Top 16 und war stets im erweiterten Favoritenkreis auf Turniersiege anzutreffen. Zu den Formschwankungen gesellten sich dann auch noch gesundheitliche Probleme, die inzwischen hoffentlich überwunden sind. Der Weg zurück an die Spitze ist steinig und lang, doch Walden hat das Potential dazu.

WM-Teilnahmen: 6

Bestes Ergebnis: Halbfinale (2013)

Titelchance: 20 %

 

Judd Trump

Die Saison des inzwischen 28 Jahre alten Engländers hinterlässt einige Fragezeichen. Schaut man nur auf die Ergebnisse, wirkt sie im Grunde recht ordentlich: Viele Halbfinalteilnahmen, dazu das Finale in Shanghai und die erfolgreiche Titelverteidigung beim European Masters. Trump war nicht so erfolgreich wie 2016/2017, aber dennoch solide unterwegs. Auf der anderen Seite kassierte der 'Juddernaut' aber einige unnötige Niederlagen, brach mitten in Matches ein und wirkte ratlos, wenn der Gegner ein Comeback startete. Sein nach außen hin enormes Selbstvertrauen wirkte oftmals aufgesetzt und auf dem Tisch zeigte sich ungewohnte Verunsicherung. Der Druck wird nicht weniger werden. Jeder (nicht zuletzt er selbst) erwartet von ihm längst den WM-Titel. In diesem Jahr allerdings zählt er meiner Ansicht nach nicht zu den absoluten Favoriten.

WM-Teilnahmen: 8

Bestes Ergebnis: Finale (2011)

Titelchance: 70 %

 

Chris Wakelin

Seit der Engländer 2013 auf die Main Tour kam, ging es Schritt für Schritt nach oben. Dank der European Tour verteidigte er 2015 sein Profiticket und stand zum Ende der letzten Saison endlich in den Top 64. Sein Tourplatz ist auch dieses Jahr längst gesichert. Im Gegenteil: Wakelin wird mit dem Erreichen der Endrunde bei der WM erstmals in den Top 50 stehen, ein toller Lohn für die Bemühungen. Chancen auf das Achtelfinale rechne ich ihm gegen Trump wenig aus, doch jeder Framegewinn bei seinem Debüt im Crucible Theatre dürfte trotzdem ein Erfolg sein.

WM-Teilnahmen: Debütant

Bestes Ergebnis: -

Titelchance: 5 %

 

Ding Junhui

Der Chinese hat eigentlich eine ähnliche Saison wie Judd Trump hinter sich. Titel geholt bei den World Open, dazu beim World Grand Prix das Finale erreicht und auch noch zwei Mal das Viertelfinale. Doch Ding kommt irgendwie nicht mehr so ganz an seine Topform heran. Zu oft hat man das Gefühl, dass ihn eine bittere Niederlage für die nächsten Monate außer Gefecht setzt. Hinzu kamen in dieser Saison auch noch Augenprobleme. Inzwischen scheint sich der 31-jährige aber mit dem Crucible Theatre arrangiert zu haben. Zwei Viertelfinalteilnahmen, zwei Halbfinalteilnahmen und ein Finale innerhalb der letzten sieben Jahre sprechen für sich. Ding hat zudem den Vorteil, wohl vor dem Halbfinale deutlich leichtere Gegner als viele starke Kontrahenten vor Augen zu haben. Vielleicht eine dicke Chance, endlich den WM-Titel zu holen.

WM-Teilnahmen: 11

Bestes Ergebnis: Finale (2016)

Titelchance: 75 %

 

Xiao Guodong

Der Chinese hat sich aufgerappelt. Nach zwei katastrophalen Jahren scheint sich Xiao inzwischen in den Top 32 festsetzen zu können. Drei Mal stand er in dieser Saison im Viertelfinale bei Ranglistenturnieren. Potential scheint in hohem Maße vorhanden, doch dauerhaft zeigen kann der inzwischen 29-jährige das bislang nicht. Mit Ding Junhui hat er zum Auftakt ein unangenehmes Los erwischt, kann aber gleichzeitig auch mit deutlich weniger Druck in das Match gehen als sein Landsmann.

WM-Teilnahmen: 2

Bestes Ergebnis: Achtelfinale (2017)

Titelchance: 15 %

 

Anthony McGill

Fast hätte McGill seinen Titel bei den Indian Open verteidigt, aber eben auch nur fast. Der Schotte spielt eine konstante Saison, hat viele Viertelfinalteilnahmen auf dem Konto. Der 27-jährige ist ein ziemlich starker Allrounder geworden und weiß sich auch in brenzligen Situationen zu helfen. Dass es allerdings für einen WM-Titel reichen könnte, glaube ich (noch) nicht. Vielleicht in ein paar Jahren, doch derzeit fehlt McGill noch der Glaube an den großen Wurf und die Kampfstärke in den entscheidenden Situationen eines Turniers.

WM-Teilnahmen: 3

Bestes Ergebnis: Viertelfinale (2015)

Titelchance: 35 %

 

Ryan Day

Dass sich der Waliser überhaupt für die WM qualifizieren musste, war höchst unglücklich. Die verpasste Qualifikation für die China Open brach dem dreifachen Turniersieger in dieser Saison letztlich das Genick. Nach der WM wird der 38-jährige ziemlich sicher wieder in den Top 16 stehen, wo er nach den tollen Leistungen auch hingehört. Ryan Day wollte sicherlich keiner zugelost bekommen und nun hat es Anthony McGill erwischt. Je nach Formkurve könnte dem ‚Dynamite‘ hier tatsächlich eine dicke Überraschung im Laufe der 17 Tage gelingen.

WM-Teilnahmen: 12

Bestes Ergebnis: Viertelfinale (3 Mal, zuletzt 2012)

Titelchance: 65 %

 

Marco Fu

Hinter keinem Top-16-Spieler steht in diesem Jahr ein so dickes Fragezeichen wie hinter dem Mann aus Hongkong, hat der doch seit dem Masters im Januar kein einziges Match bestritten. Durch die Augen-Operation seit Ende 2017 außer Gefecht gesetzt, spielte Fu auch davor keine überzeugende Saison und steht damit in Kontrast zu seinen tollen Auftritten 2016/2017. Dass hier ein Qualifikant eine Riesenchance auf das Weiterkommen hat, dürfte klar sein. Marco Fu ist stark gefährdet, nächste Saison aus den Top 16 zu fallen und muss klarer Außenseiter sein.

WM-Teilnahmen: 17

Bestes Ergebnis: Halbfinale (2 Mal, zuletzt 2016)

Titelchance: 15 %

 

Lyu Haotian

Gerade mal 20 Jahre alt ist der Halbfinalist der Northern Ireland Open, der auf seine bislang beste Profi-Saison zurückblicken kann. Nach seiner Rückkehr auf die Main Tour im letzten Jahr durch den Gewinn der Asien-Meisterschaft hat sich Lyu innerhalb von 12 Monaten bereits in die Top 64 gespielt. In der (inzwischen ziemlich langen) Liste der chinesischen Talente rangiert der U21-Weltmeister von 2012 ziemlich weit oben. Dass er bei seinem Debüt im Crucible Theatre allerdings große Chancen hat, wage ich dann doch zu bezweifeln. Für eine Überraschung in Runde 1 gegen Marco Fu könnte es aber allemal reichen.

WM-Teilnahmen: Debütant

Bestes Ergebnis: -

Titelchance: 10 %

 

Barry Hawkins

Der 'Hawk' ist ein Mann für die WM. Mindestens bis ins Viertelfinale kam er bei den letzten fünf Teilnahmen, darunter sogar 4 mal mindestens ins Halbfinale. Nachdem im Crucible Theatre jahrelang nichts ging, ist für den 38-jährigen das Turnier sowas wie das Saisonhighlight geworden. Hawkins zeigte sich zudem von seinen persönlichen Rückschlägen zu Beginn der Saison erholt. Daran ändern auch die letztlich deutlichen Finalniederlagen bei den Welsh Open und den China Open nichts. Gerade bei der Auslosung erscheint das Halbfinale für den Finalisten von 2013 wieder absolut in Rahmen des Möglichen. Ob es für mehr reicht, darf aber bezweifelt werden.

WM-Teilnahmen: 12

Bestes Ergebnis: Finale (2013)

Titelchance: 70 %

 

Stuart Carrington

Der Viertelfinalist der Welsh Open 2017 hat sich schon zum dritten Mal für die WM qualifiziert. Nachdem er im Vorjahr Mark Williams den Eintritt ins Crucible verweigerte, stand diesmal unter anderem Ben Woollaston auf seiner Abschussliste. Der 27-jährige wartet noch auf einen Sieg an der tollsten Spielstädte des Snookerzirkus und irgendwie habe ich nicht allzu große Hoffnungen, dass er diesen Umstand in diesem Jahr ändern kann.

WM-Teilnahmen: 2

Bestes Ergebnis: 1. Runde (2 Mal, zuletzt 2017)

Titelchance: 5 %

 

Mark Williams

Man wird ja nicht müde, die sensationelle Geschichte von Williams' letzten 12 Monaten zu wiederholen. Da verpasst der 43-jährige letztes Jahr die WM und denkt an Karriereende. Seine Frau überredet ihn, weiterzumachen, was der Waliser mit neuem Queue und unbändiger Gelassenheit auch tut. Und auf einmal läuft es: Williams kann auf die wohl beste und konstanteste Saison seiner Karriere zurückblicken. Niemand erreichte öfter das Viertelfinale in dieser Saison, nur Selby und O'Sullivan sammelten mehr Preisgeld. Drei Turniere gewann 'Welsh Potting Machine' in dieser Spielzeit bereits und bei der WM könnte ein viertes dazukommen. Zu gönnen wäre ihm dieser dritte WM-Titel in jedem Fall, zumal er mit seiner Form definitiv zu den Favoriten zählt.

WM-Teilnahmen: 19

Bestes Ergebnis: Weltmeister (2 Mal, zuletzt 2003)

Titelchance: 90 %

 

Jimmy Robertson

Die Karriere des 31-jährigen Engländers weist viele Parallelen zu der von Jamie Jones auf. Wenige große Karriere-Highlights, doch stets solide Ergenisse einfahrend, etablierte sich Robertson in den Top 48, wartet aber immer noch auf den endgültigen Durchbruch. Beim German Masters in diesem Jahr stand er erstmals im Viertelfinale eines Ranglistenturnieres. Bei seinen bisherigen drei Auftritten im Crucible gewann er stetig immer mehr Frames und wird bestrebt sein, in diesem Jahr seinen ersten Sieg einzufahren. Dass das gegen Mark Williams zu einer mehr als schweren Aufgabe verkommen kann, wird er sicherlich selber wissen.

WM-Teilnahmen: 3

Bestes Ergebnis: 1. Runde (3 Mal, zuletzt 2017)

Titelchance: 20 %

 

Neil Robertson

Beim Australier hat man immer mal wieder das Gefühl, dass er eigentlich deutlich mehr gewinnen müsste. Auch diese Saison war mal wieder äußerst unstet, doch mit dem Hong Kong Masters und den Scottish Open sprangen immerhin zwei Titel heraus. Dass der Weltmeister von 2010 allerdings längst nicht mehr zu den unmittelbaren Favoriten auf den WM-Titel zählt, hat er sich mit unkonstanten Leistungen selbst zuzuschreiben. Auch in diesem Jahr fällt es schwer, daran zu glauben, dass sich Robertson über 17 Tage formstark präsentieren kann. Zu oft folgte bei ihm auf eine gute Leistung ein schwacher Tag. Das darf man sich im Crucible Theatre nicht erlauben.

WM-Teilnahmen: 13

Bestes Ergebnis: Weltmeister (2010)

Titelchance: 60 %

 

Robert Milkins

Der mehrfache Halbfinalist bei Ranglistenturnieren spielt eine solide Saison. Ohne große Highlights, ein Viertelfinale bei den Northern Ireland Open mal abgesehen, aber auch ohne viele starke Aussetzer. Um sich wieder in die Top 32 oder sogar wieder in die Top 16 zu spielen, müssen aber wieder bessere Ergebnisse her. Bei der WM lief es für Milkins noch nie berauschend und ich habe wenige Gründe, anzunehmen, dass das dieses Jahr anders wird.

WM-Teilnahmen: 7

Bestes Ergebnis: Achtelfinale (2 Mal, zuletzt 2013)

Titelchance: 15 %

 

Allister Carter

Der 'Captain' ist jemand, der ähnlich wie Barry Hawkins bei der Weltmeisterschaft gerne mal über sich hinaus wächst. Doch Ali Carter spielt keine gute Saison: Nur eine Halbfinal- und eine Viertelfinalteilnahme steht bei Ranglistenturnieren in seiner Statistik. Er holte von allen Top-16-Spielern die zweitwenigsten Punkte in dieser Saison. Nur Marco Fu gewann noch weniger Preisgeld, fiel aber auch die halbe Saison aus. Carter scheint auf der Suche nach Form und Konstanz, findet sie derzeit aber nicht. Mit O'Sullivan als möglichem Zweitrunden-Gegner scheint der erste WM-Titel für den 28-jährigen so weit entfernt wie nie.

WM-Teilnahmen: 15

Bestes Ergebnis: Finale (2 Mal, zuletzt 2012)

Titelchance: 20 %

 

Graeme Dott

Der dreimalige Finalist und Sieger von 2006 scheint in dieser Saison endlich wieder an alte Zeiten anknüpfen zu können. Als zweifacher Finalist bei Ranglistenturnieren hat Dott gezeigt, dass mit ihm immer noch zu rechnen ist. Dass der Schotte nun schon seit viel zu langen 11 Jahren auf einen Titel wartet, ist ein Wermutstropfen, den wohl niemand lieber ausräumen würde als der ‚Pocket Dynamo‘. Dass sein Kämpferherz groß ist und er definitiv den Willen und die Kraft für die 17 Tage hat, ist unbestritten, doch es erscheint gerade bei der schwierigen Auslosung dennoch unwahrscheinlich, dass Dott hier weit kommen kann. Er darf mich aber gerne eines Besseren belehren.

WM-Teilnahmen: 18

Bestes Ergebnis: Weltmeister (2006)

Titelchance: 45 %

 

Ronnie O'Sullivan

Eigentlich brauche ich hier wohl wenig zu schreiben: Fünf Titel bei Ranglistenturnieren in dieser Saison sprechen für sich. O'Sullivan holte das meiste Preisgeld aller Spieler und gewann einige Turniere mit beängstigender Souveränität. Wenige Spieler (vielleicht John Higgins und... nun ja, Elliot Slessor) wussten ihm irgendwas entgegenzusetzen. Dass der Titel in diesem Jahr nur über ihn gehen kann, hat er in diesem Jahr mehrfach bewiesen. Zumal die wirklich unangenehmen Aufgaben wie Higgins oder Selby erst im Finale warten würden. Macht ihm sein Kopf oder seine Unlust auf den "Marathon WM" keinen Strich durch die Rechnung, ist 'The Rocket' der sechste Triumph in Sheffield eigentlich nicht zu nehmen. Daran ändert auch das harte Los "Maguire" in Runde 1 nichts.

WM-Teilnahmen: 25

Bestes Ergebnis: Weltmeister (5 Mal, zuletzt 2013)

Titelchance: 100 %

 

Stephen Maguire

So ‚On Fire‘ wie in dieser Saison war der Schotte schon lange nicht mehr. Erstmals seit 2013 wieder ein Ranglistenfinale erreicht und denkbar knapp die Rückkehr in die Top 16 vor der WM verpasst. Provisorisch hat er die Rückkehr in diesen Elitekreis mit der erfolgreichen Qualifikation schon geschafft, doch Maguire hat Lust auf mehr. Für den 37-jährigen scheint das letzte Jahr ein kleiner Weckruf gewesen zu sein. Die Auslosung ist für Maguire unheimlich bitter, denn bei einem anderen Erstrundengegner könnte er sich vermutlich deutlich mehr ausrechnen.

WM-Teilnahmen: 14

Bestes Ergebnis: Halbfinale (2 Mal, zuletzt 2012)

Titelchance: 35 %

 

Ihr seht also, es wird auch dieses Jahr wieder enorm schwer für diejenigen, auf die ich getippt habe, nicht auszuscheiden. Es wird so oder so wieder eine famose WM mit vielen Geschichten, Überraschungen und einem am Ende würdigen Weltmeister. Ich wünsche euch und mir unendlich viel Spaß an den 17 Tagen. Hört fleißig die Sheffield Shots und schaut jeden Ball!

Comments are disabled for this post.

0 comments