G0ten's Blog

Murphys To-Do-Liste

Goten - 01. Februar 2018 - Kurioses

Ein herzlicher Gruß aus dem Tempodrom. Shaun Murphy ist gerade aus dem Presseraum gegangen, nachdem er ein kurzes Interview mit mir (morgen auf meinsportradio.de zu hören) und im Anschluss ein äußerst langes Gespräch mit Hector Nunns geführt hat. Eigentlich wollte Nunns mit dem Magician über sein Erstrundenmatch gegen Alan McManus sprechen, welches Murphy mit 5:2 nach guter Leistung souverän gewonnen hatte. Das Gespräch wechselte aber quasi sofort zu Mark Allen und seinen heute früh getätigten Beschwerden.

Was war überhaupt passiert? Allen spielte gestern Abend an einem der Außentische (Tisch 3, Stream) gegen Matthew Selt und war von seiner Masters-Form scheinbar meilenweit entfernt. Klar, Selt spielte durchaus solide, doch Allens Frustaufbau wuchs schnell in ungeahnte Höhen. Der Frust entlud sich im Anstoß zu Frame 7, bei dem der Nordire den Pulk gewaltvoll komplett öffnete. Selt gewann das Match schließlich im Entscheidungsframe und bekam von Allen noch etwas (hoffentlich Zärtliches) ins Ohr geflüstert. Erst heute wurde klar, dass sich Allens Frust durch die Lichtsituation am Tisch erklären ließ. Ähnliche Beschwerden hatte es in den vergangen Jahren immer wieder gegeben (prominentestes Beispiel ist dabei Neil Robertson).

Allens Aussage, man könne teilweise die Taschen durch ungünstig fallende Schatten nur noch erahnen, wurde von Shaun Murphy soeben bestätigt. Es ist natürlich in der Tat ein Problem, wenn man das Ziel des Stoßes nicht richtig erkennen kann. Murphy hat das Thema heute früh mit Mark Allen besprochen und wird es in die Spielerkommission (deren Mitglied er ist) mitnehmen. Es wird dann eine offizielle Beschwerde beim Turnierdirektor geben und dann auch (hoffentlich) irgendwann eine entsprechende Lösung. Da das Problem aber seit Jahren bekannt ist und man den Zuschauern natürlich auch nicht einfach so die Sicht nehmen kann, wird eine jedermann zufriedenstellende Lösung nicht allzu einfach sein.

Im Zusammenhang mit Beschwerden zog sich das Gespräch zwischen Nunns und Murphy dann auch in die allgemeine Situation zwischen Spielern und Verbänden. Früher waren die WPBSA und World Snooker quasi eins, da die WPBSA 100 % der Anteile an World Snooker hielt. Mit der Übernahme durch Matchroom Sport gehören Barry Hearn nun 51 % von World Snooker, dann erst kommt die WPBSA. Daher liegt die Entscheidungsgewalt letztlich bei Hearn und Konsorten. Die Players Commission untersteht als Spieler-Forum aber natürlich der WPBSA, was die Entscheidungsmöglichkeiten im kommerziellen Bereich sowie der Vermarktung von Snooker einschränkt. Die Einflüsse der Spieler sind also letztlich stark begrenzt. Murphy gab ein Beispiel, dass theoretisch alle 128 Spieler für eine Sache abstimmen könnten. Wenn Hearn das nicht will und die Sache anders sieht, kann es aber quasi im gleichen Zug gekippt werden. Hearn hat seine 5-Jahres-Pläne zur Preisgeldsteigerung bislang eingehalten, also ist dort auch kein Ende der Regentschaft in Sicht.

Der richtige Weg einer Beschwerde sei aber dennoch nicht über Twitter – hier ging auch ein kleiner Seitenhieb an Ronnie O’Sullivan – sondern über die Players Commission (Murphy Vorsitz, Mitglieder Ken Doherty, Mark Davis, Mark Allen, Rory McLeod, Joe Perry, Peter Lines). Die Spieler müssten verstehen, wie der Werdegang ist und welchen offiziellen Weg eine Idee, Beschwerde oder Vorschlag gehen muss. Solange das nicht in den Köpfen der Spieler ankommt und diese sich nur über soziale Medien artikulieren, wird sich nichts ändern. Ronnie kann also twittern, was er will: Es interessiert letztlich keinen, solange es nicht den offiziellen Weg geht. (Ich erspare mir mal den Einwurf, dass einen sowieso nicht allzu viele von Ronnies Äußerungen interessieren sollten – ups, schon getippt.)

Und zu ändern gibt es viele Dinge. Die Liste der abzuarbeitenden Probleme für Shaun Murphy ist lang. Er will zum Beispiel weiterhin durchsetzen, dass die Spieler sich mindestens 5 Minuten auf den Tischen einspielen dürfen, auf denen sie dann auch tatsächlich spielen. Die Anzahl der Trainingstische muss auch dringend erhöht werden. Dies gilt sowohl für das German Masters als auch andere Turniere. Als besonders schlimm beschreibt Murphy die Situation bei der UK Championship. Beim zweitgrößten Turnier der Saison müssen die Spieler teilweise in eine andere Stadt fahren, um einen Trainingstisch zu nutzen. Die Spielmöglichkeiten in York sind einfach viel zu gering, das Format funktioniert im aktuellen Modus nicht. Es könne nicht sein, dass man bei einem Triple-Crown-Event maximal 20 Minuten Trainingszeit pro Tag buchen kann.

Auch das WM-Format kam kurz zur Sprache. Man habe immer noch keine Antwort auf die Frage erhalten, warum das Flat-Draw-System bei allen Weltranglistenevents eingeführt wurde, nur nicht beim größten. 16 Spieler sind gesetzt, die Spieler 17-144 müssen drei Qualifikationsmatches absolvieren. Keiner versteht es, kein Spieler mag es, aber eine Antwort oder Erklärung dazu gibt es nicht.

Ich hätte gerne noch mehr zu Murphys Statements geschrieben, aber Hector Nunns bat mich, seine Aufnahme nicht zu nutzen, da er selbst noch einen Blog darüber schreiben wird. Somit war ich bei diesem Artikel voll und ganz auf meine wenigen Notizen angewiesen.

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