G0ten's Blog

Top oder Flop?

Avatar of GotenGoten - 28. Dezember 2015 - Jahresrückblick, Spieler

Was für ein tolles Jahr 2015 liegt hinter uns? Die Antwort auf diese Frage habe ich ja bereits in den beiden Jahresrückblicken geliefert und kann diese daher getrost weglassen. Aber interessant ist natürlich, für welche Spieler die vergangenen 12 Monate besonders gut oder besonders schlecht waren. Fangen wir mit denen an, die das Jahr 2015 unter "ferner liefen" verbuchen dürfen.

 

Flop-Spieler des Jahres

5. Judd Trump

Eigentlich ist es ja fast ein Frevel, einen Top-8-Spieler und den Sieger des World Grand Prix unter den Flops zu führen, zumal für den Engländer ja noch die Finalteilnahme in Shanghai und Halbfinal-Teilnahmen bei den PTC Finals und der WM dazukommen. Aber Zählbares für die Weltrangliste sprang für den luxus-liebenden 26-jährigen in diesem Jahr nicht heraus. Gemessen an seinem eigenen Anspruch und der Tatsache, dass er von vielen als möglicher Dominator der nächsten Jahre gehandelt wurde wird, ist das zu wenig. Gerade gegen Ende des Jahres schien Trump immer öfter die Luft auszugehen, was in bitteren Niederlagen wie dem 0:6 gegen Michael Wild in der IC-Qualifikation mündete. 2016 muss wieder besser werden, denn Trump gehört mit seinem Spiel ohne Zweifel in die Top 3 der Welt.

4. Xiao Guodong

Was ist eigentlich mit dem Finalisten des Shanghai Masters 2013 passiert? Dachte man letztes Jahr noch, der Chinese ist jetzt klare zweite Kraft hinter Ding Junhui und klopft demnächst an die Top 16 an, hat sich Xiao in den letzten Monaten vornehm zurückgehalten. Abgesehen vom Erreichen des Endspiels beim Shoot-Out kann der 26-jährige nicht gerade auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Weder für den World Grand Prix noch für die PTC Finals, die China Open, die WM, das Shanghai Masters und das German Masters schaffte er die Qualifikation und auch beim World Grand Prix 2016 und den PTC Finals 2016 wird er wohl nicht dabei sein. Xiao steckt in der Krise, ist inzwischen aus den Top 32 herausgefallen und steht provisorisch zum Saisonende sogar nur auf Rang 43. Dass er da nicht hingehört, muss er 2016 beweisen.

3. Graeme Dott

Auch der Schotte mit der verträumten Säusel-Stimme hat ein Seuchenjahr hinter sich. Kein einziges Mal kam Dott im Jahr 2015 bei Ranglistenturnieren über das Achtelfinale hinaus, lediglich beim Halbfinaleinzug in Riga (European Tour 1) zeigte er eine anständige Leistung. Sah es während der letzten Saison noch recht gut aus, sodass eine Rückkehr in die Top 16 der Welt möglich schien, ist der 38-jährige inzwischen meilenweit davon entfernt. Der 3-malige WM-Finalist (Sieger 2006) scheint zu oft nicht mehr mithalten zu können und verfällt wiederholt in seinen methodischen Stil, der ihm zum WM-Titel 2006 verholfen hat. Dott muss sich nächstes Jahr steigern, sonst ist auf Dauer nicht nur seine Top-32-Platzierung in Gefahr.

2. Ding Junhui

Na klar, die chinesische Nummer 1 darf hier nicht fehlen. Dass es nach seiner famosen Saison 2013/2014 nur schlechter werden konnte, war ja klar, aber dass Ding in einer monatelangen Formkrise feststeckt, aus der zurzeit partout kein Entkommen ist, kommt überraschend. Auf kurzzeitige Erfolge folgten in diesem Jahr stets bittere und frühe Niederlagen, so auch nach seinem ersten Turniersieg seit 16 Monaten in Haining. Frühes Aus bei der International Championship, Erstrundenniederlage bei der UK Championship und jetzt auch die verpasste Qualifikation für Berlin. Es läuft nicht für Ding und für den 28-jährigen wird der Druck, endlich den WM-Titel zu gewinnen, ebenfalls immer größer. Der Weltranglistenneunte muss das Jahr jetzt schnell abhaken und 2016 wieder angreifen.

1. Matthew Stevens

Der walisische Drache befindet sich flügellos im freien Fall und spuckt kein Feuer mehr. Vor knapp zwei Jahren stand Stevens noch in den Top 16 der Weltrangliste, derzeit rangiert er auf Rang 50 und damit erstmals seit 17 Jahren außerhalb der Top 48. Im Jahresranking der aktuellen Saison ist es sogar nur Platz 71. Sollte er im nächsten Jahr nicht die Kurve kriegen, droht ihm in der Saison 2016/2017 ein bitterer Kampf um den Verbleib auf der Main Tour. Schon einmal erlebte Stevens (nach dem Tod seines Freundes Paul Hunter) eine langwierige Formkrise, aus der er sich langsam (aber stetig) herausarbeiten konnte. Irgendwie darf man wohl diesmal stark bezweifeln, dass der 38-jährige das erneut schafft.

 

Top-Spieler des Jahres

5. Kyren Wilson

In der Top-Spieler-Liste habe ich mich ehrlich gesagt schwer getan, weil es im Jahr 2015 irgendwie mehrere Spieler verdient hätten, hier genannt zu werden. Der erste davon ist Kyren Wilson: Der 24-jährige hat in diesem Jahr den Sprung vom guten Talent zum Top-Spieler gemacht. Von Platz 56 aus gestartet, hat sich der Engländer auf Rang 24 vorgekämpft, kräftig unterstützt natürlich von seinem Sensationstriumph in Shanghai. Der Turniersieg kommt nicht von ungefähr: Wilson trainiert hart, hat mit Frau und Kind ein festes Privatleben und zählt zu den fokussiertesten Spielern auf der Tour. Mit dem Halbfinale beim Champion of Champions feierte er zudem einen erfolgreichen Jahresabschluss. Sein Ziel für 2016 dürfte der Einzug in die Top 16 sein und ich habe nur wenige Zweifel am Gelingen dieser Unternehmung.

4. Michael White

Auch White gehört zu den Spielern, die in diesem Jahr den endgültigen Durchbruch geschafft haben. Sieg beim Shoot-Out, Triumph bei den Indian Open und zum Jahresabschluss noch der Finaleinzug in Gibraltar: Das Jahr 2015 liest sich wahrlich nicht schlecht für den Waliser, der es zudem erstmals in die Top 16 der Weltrangliste geschafft hat. Gemeinsam mit Mark Williams erreichte er auch das Halbfinale beim World Cup in Wuxi. Für Michael White wird das nächste Jahr interessant, wenn es daran geht, die in 2015 gezeigten Leistungen zu bestätigen und seinen Platz in den Top 16 zu festigen. An dieser Bürde sind bereits einige Spieler gescheitert, einfach wird das für White also nicht.

3. Neil Robertson

Da hat sich der Australier mit seinem Saisonendspurt doch glatt von den möglichen Flops noch in die Top-Liste geschlichen. Musste man sich zu Beginn des Jahres nach seinem Finaleinzug beim Masters noch fragen, was mit Neil Robertson los ist, kann man es jetzt wieder beantworten: Nichts, alles gut. Nach seiner Formkrise ist der blonde Donnergott wieder oben auf, gewann das Champion of Champions und die UK Championship hintereinander und steht auf Platz 3 in der Weltrangliste. Nur John Higgins holte in der laufenden Saison bislang mehr Punkte, was nach dem mäßigen Saisonstart von Robertson enorm erstaunlich ist. Der verpennte Australier gehört in seiner aktuellen Form auch wieder zu den Favoriten bei der WM und mal ehrlich: Verdient hätte er Titel Nummer 2 inzwischen auf jeden Fall.

2. Stuart Bingham

Titel Nummer 2 könnte es auch für Stuart Bingham werden. Der hat zwar seinen ersten WM-Titel noch nicht ganz verdaut und rennt seiner Form ein wenig hinterher, doch alles in allem dürfte der Ballrun mit seinem Jahr zufrieden sein. Das darf der amtierende Überraschungs-Weltmeister natürlich auch, gesellen sich doch noch der Triumph in der Championship League und ein paar Halbfinalteilnahmen (World Grand Prix, PTC Finals, Shanghai Masters) hinzu. Bingham merkt, dass der Druck groß ist und er muss diesem oft genug Tribut zollen, doch oft genug waren es in letzter Zeit nur denkbar knappe Niederlagen. In Gibraltar ging es wieder aufwärts und ich bin mir sicher, dass auch spätestens nach der WM 2016 wieder das Selbstvertrauen zurückkehrt, wenn der Erwartungsdruck wegfällt. Es sei denn natürlich, ihm gelingt die Titelverteidigung!

1. John Higgins

Dieser John Higgins ist schon ein echtes Phänomen. Da erlebt der ein rabenschwarzes Jahr 2014 und wird von vielen schon abgeschrieben und aufs Altenteil geschickt, um dann auf einmal sein bestes Snooker seit 5 Jahren zu zeigen. Gleich drei Mal triumphiert der Schotte in 2015 bei Ranglistenturnieren (Welsh Open, Australian Open, International Championship), keiner holte in der laufenden Saison mehr Preisgeld, einzig Bingham holte im Kalenderjahr 2016 (dank seines WM-Sieges) überhaupt mehr Punkte als Higgins. Kaum eine Überraschung also, dass Higgins zum Saisonende provisorisch auf Rang 3 geführt wird, was seine höchste Platzierung seit 2012 wäre. Dass der 40-jährige sich noch ein fünftes Mal zum Weltmeister krönen darf, bleibt weiterhin schwer zu glauben, doch dass man den Allround-Künstler nie abschreiben darf, hat er im vergangenen Jahr eindrucksvoll bewiesen!

Das war es jetzt aber endgültig für dieses Jahr mit Snooker. Ich wünsche allen Lesern einen guten Rutsch ins neue Jahr und melde mich pünktlich mit der Championship League und dem Masters zurück.

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