G0ten's Blog

Ein numptastisches Jahr

Goten - 20. Dezember 2017 - Jahresrückblick

Herrje, ist tatsächlich schon wieder ein ganzes Jahr rum? Wenn das mal kein guter Grund ist, die vergangenen 12 Monate Revue passieren zu lassen. Ich mochte das Jahr 2017 so rein privat und ereignistechnisch überhaupt nicht und bin sehr froh, dass es bald rum ist. Snookertechnisch kann man allerdings nicht meckern, denn es gab neben einigen negativen Geschichten auch wieder viele tolle Dinge, die auf und neben dem Tisch passiert sind. Welche das waren und welche Spieler sich dieses Jahr besonders hervorgetan haben (positiv und negativ), soll nun etwas näher beleuchtet werden.

Die 10 wichtigsten Ereignisse

10. Kreidezeit

Es war schlichtweg das diskutierte Thema im Snooker-Herbst diesen Jahres. Welche Kreide nutzt welcher Spieler? Und vor allem, welcher Spieler nutzt sie nicht? Die neue, hochklassige, alle Probleme beseitigende Taom-Kreide. Aus Finnland kommend und schlappe 15 € pro Stück kostend, verspricht die Pomeranzen-Würzung kickfreie Stöße. Während einige Spieler inzwischen gnadenlos auf das Wunderwerk setzen, haben andere noch Zweifel ob der Spielballkontrolle und eventuellem Abrutschen. Letztlich ist es am Ende des Tages auch nur Kreide (und ein Century hab ich immer noch nicht gespielt)!

9. Karriereende? Nein, Danke!

Zwei beeindruckende und lange Snookerkarrieren schienen sich nach der Saison 2016/2017 einem Ende zu nähern. Nach den Ruheständen der Legenden Steve Davis und Stephen Hendry fielen nun auch Jimmy White und Ken Doherty nach der letzten Spielzeit von der Main Tour. Doch aufs Altenteil geht es noch lange nicht. World Snooker ließ die beiden mit einer Invitational Tour Card wieder auf die Snooker-Meute los und kann sich dafür mittlerweile auf die Schulter klopfen. Für beide läuft es teils deutlich besser als noch in den vergangenen Jahren. Gerade Ken Doherty zeigt, dass er noch keinen Rentenbescheid benötigt und hat in dieser Saison bereits mehr als doppelt so viel Preisgeld geholt wie in der gesamten Spielzeit 2016/2017.

8. Bitte nachrücken!

Es gab ja in diesem Jahr so einige Statements und Bekanntmachungen seitens der WPBSA oder World Snooker. Neben Erklärungsversuchen zur Trophäenvergabe oder Mobbingvorwürfen dürfte aber die Änderung der Behandlung von Spielerabsagen bei Turnieren Ende August für Wohlwollen gesorgt haben. Diese längst überfällige Anpassung hat zur Folge, dass frühzeitige Absagen von Spielern nicht einfach Freilose zur Folge haben, sondern weiteren Nachrückern die Chance zur Teilnahme bieten. Bisher häufigster Profiteur dieser Neuregelung ist Jackson Page, der bei der Q-School 2017 seinen Platz auf der Main Tour noch knapp verpasste, aber dennoch viele Turniere mitspielen durfte.

7. Wollt ihr weniger oder gar nichts?

Wie viele Ranglistenturniere gibt es inzwischen eigentlich? Es dürften so um die 20 pro Saison sein, nicht zuletzt dank der Aufwertungen der ehemaligen European-Tour-Events und auch des Shoot-Outs. Besonders Letzteres sorgte für ein wenig Aufsehen, denn plötzlich war der Sieger eines 10-Minuten-ein-Frame-Turniers im gleichen Zuge zu nennen wie der Gewinner des German Masters oder der Welsh Open. Barry Hearn, problemlösungsorientiert und offen für Ratschläge, ließ umgehend bei den Spielern abstimmen, ob das denn so bleiben solle. Überraschenderweise entschieden sich die Spieler dafür, also warum sollte man meckern? Nun ja, das lag vielleicht an der skuril anmutenden Fragestellung der Abstimmung, die wie folgt lautete: "Soll das Shoot-Out ein Ranglistenturnier bleiben oder soll es aus dem Kalender verschwinden"? Letztlich war es also keine Frage zum Status des Turniers, sondern zur puren Existenz. Nun gut, kann man so machen.

6. Selby, der Fluch-Brecher

Was wird nicht jedes Jahr über diverse Flüche und unabwendbare Orakelereignisse berichtet? Zumindest eine Angelegenheit ist jetzt zu den Akten gelegt: Mark Selby sorgte mit seinen Siegen in Peking und Sheffield in diesem Jahr dafür, dass erstmals der Gewinner der China Open auch im Anschluss die Weltmeisterschaft gewann. Bleibt ja nur noch die Titelverteidigung desjenigen, der zum ersten Mal im Crucible Theatre triumphiert. Einige aussichtsreiche Kandidaten, die noch Weltmeister werden müssen, gibt es ja schließlich: Judd Trump, Ding Junhui, Luca Brecel, Michael Georgiou.

5. Verbandsstreit

Die Nachricht schlug im August ein wie eine Bombe: Die WPBSA distanzierte sich öffentlich vom Amateur-Verband IBSF und zog im gleichen Zuge sämtliche zur Verfügung gestellten Tourcards zurück. Nur zwei Monate später gründete man die WSF, die World Snooker Federation, die im Prinzip als neuer Dachverband für Billard-Sportarten fungieren soll. Inzwischen treten immer mehr Nationalverbände der WSF bei, die zudem im nächsten Jahr eine eigene Amateur-Weltmeisterschaft austragen will. Ob der Verbandsstreit der Amateur-Szene einen Bärendienst erweist oder wirklich hilfreich ist, wird sich erst noch herausstellen müssen. Die olympischen Hoffnungen für Snooker dürften damit aber erstmal etwas gedämpft worden sein.

4. Trottel-Karussell

Danke an PseudoRolf für das Bild!

Ich will jetzt gar nicht wieder mit dem Thema "Numptys" anfangen, denn das habe ich in meinem Blog bereits ausführlich getan. Nichtsdestotrotz war das natürlich der (mal wieder) negative Höhepunkt eines ereignisreichen Ronnie-Jahres. Was er auf dem Tisch geleistet hat, war (besonders in der zweiten Jahreshälfte) fantastisch, doch abseits davon gab es leider wieder ein paar Ausrutscher. Abgesehen von irrwitzigen Mobbing-Vorwürfen gegen WS und die WPBSA, merkwürdigem Schuhwerk und der erneut unnötigen Absage des German Masters hat sich 'The Rocket' mit den Trottel-Bemerkungen zu 2 Dritteln seiner Main-Tour-Kollegen nicht gerade wie ein OBE-Träger verhalten. Vielleicht sollte sein nächstes Buch den Titel "Decency" tragen.

3. Die Alten können's noch!

Das Jahr 2016 war ein sehr gutes Jahr für Erstlingserfolge bei Ranglistenturnieren. Man hätte durchaus erwarten können, dass sich dieser Trend auch in diesem Jahr fortsetzt, doch dem war nicht unbedingt so. Zwar gelang mit Anthony Hamilton, Ryan Day und Luca Brecel wieder drei Frischlingen der erste große Erfolg, doch sämtliche anderen Titel gingen an die alten Hasen. Klar, Yan Bingtao, Cao Yupeng oder Xiao Guodong sind teils denkbar knapp an der letzten Hürde gescheitert, doch Erfahrung setzte sich dieses Jahr meistens durch. Dabei sticht natürlich der 92er-Jahrgang um Ronnie O'Sullivan, John Higgins und Mark Williams heraus. Jedem einzelnen wurde schon das Karriereende attestiert und jeder einzelne hat sich wohl mindestens auch schon einmal mit diesem Gedanken befasst. Dass sie immer noch Titel holen und mit den jungen Hüpfern mithalten können, haben sie dieses Jahr bewiesen. Nicht von ungefähr stehen alle drei inzwischen wieder in den Top 10 der Weltrangliste.

2. Wetten, dass...

Man könnte ja irgendwie meinen, dass bei den Spielern ein gewisser Lernprozess einsetzt. Gerade nach den prominenten Fällen um John Higgins, Stephen Lee oder auch Leo Fernandez sollte in den Köpfen der Spieler doch angekommen sein, dass Matchmanipulationen und Glücksspiel im Snooker verboten sind. Für alle! Aber nein, jedes Jahr aufs Neue gesellen sich mehrere Akteure in die Riege der Bestraften und von WPBSA Statements Beglückten ein. Dieses Jahr kommen Kurt Maflin, Joe Perry, Alfie Burden und Stuart Bingham dazu, die mit Snookerwetten auf eigene oder fremde Spiele auf sich aufmerksam machten. Das höchste Strafmaß erwischte dabei (zurecht) Bingham, der noch bis Ende Januar eine Sperre absitzen wird. Ich bin schon sehr gespannt, ob auch nächstes Jahr der eine oder andere Name durch solche Aktionen beschmutzt wird oder ob die Regelungen des Spielervertrages endlich in den Köpfen der Spieler ankommen.

1. Deutschland spielt Snooker

Zum Abschluss der Ereignisliste kommen wir dann noch zu einem sehr positiven Thema, auch wenn es vielleicht nicht für alle die größte Bedeutung hatte. Deutschland hat mit Lukas Kleckers, der sich in toller Manier durch die Q School gespielt hat, endlich wieder einen Snookerprofi. Und der Essener machte im ersten Halbjahr seiner Tour-Erfahrung gar keine so schlechte Figur. Einem viel umjubelten (und leider bislang einzigen) Auftaktsieg gegen Neil Robertson in Riga ließ er einige gute Matches folgen und ließ sogar Ronnie O'Sullivan für zwei Frames beeindruckt zurück. Natürlich weiß der Ruhr-Potter, dass in 2018 dann auch irgendwann die Ergebnisse (und damit das Preisgeld) kommen müssen, doch bislang macht das Unternehmen "Deutscher Snooker-Profi" eine ganze Menge Spaß. In diesem Sinne weiterhin viel Erfolg, Lukas!

Das war also ein ziemlich ereignisreiches Jahr 2017, was nun größtenteils hinter uns liegt. Bei der Menge an Spielern und Spielmöglichkeiten ist es quasi sicher, dass uns auch die nächsten Jahre spannende und tolle Momente bringen werden. Und auch für den einen oder anderen Spieler werden die nächsten Jahre weiterhin wegweisend sein, womit wir dann auch zum zweiten Teil dieses Rückblickes kommen.

Die Aufsteiger des Jahres

5. Alexander Ursenbacher

Ich gebe zu, ich habe hier zwischen Anthony Hamilton und Alex Ursenbacher geschwankt und mich dann parteiisch für den deutschsprachigen Akteur entschieden. Zudem hatte ich Hamilton letztes Jahr schon unter den Aufsteigern und auch wenn der mit dem German Masters seinen ersten Titel geholt hat, reißt mich in letzter Zeit die Leistung des Schweizers doch deutlich mehr mit. Der macht aus seinem zweiten Main-Tour-Abenteuer nämlich richtig viel und zeigte mit seinem sensationellen Halbfinaleinzug bei den English Open, dass mit ihm in den nächsten Jahren zu rechnen ist.

4. Hossein Vafaei

Als einer der talentiertesten Spieler galt der Iraner, dem lange Zeit eine Profi-Karriere durch andauernde Visa-Probleme verwehrt blieb, ja schon immer. Aber seit er auf der Main Tour ist, stellt er dies auch wirklich unter Beweis. Mit dem Einzug ins Halbfinale von Peking machte Vafaei Anfang des Jahres seinen Platz unter den Top 64 klar, inzwischen steht er schon auf Rang 44. Satte 35 Plätze ging es damit für ihn dieses Jahr nach oben. Klasse Leistung, auch wenn sein Ansehen jüngst durch Unsportlichkeits-Vorwürfe ein paar Risse bekommen hat.

3. Cao Yupeng

Nur wenige Millimeter trennten am vergangenen Sonntag die letzte Schwarze von der Ecktasche und damit Cao Yupeng von seinem ersten Titel. Ob der Chinese die bittere Niederlage gegen Neil Robertson inzwischen verdaut hat, wage ich zu bezweifeln. Ein tolles Jahr hatte er aber auf jeden Fall: Schlappe 61 Plätze von der 117 auf die 56 ging es für den 27-jährigen allein in diesem Jahr nach oben, mehr schaffte keiner. Abgesehen vom Shoot-Out gewann Cao in der Vorsaison nur zwei Matches, doch ganz anders läuft es diese Saison. Spielt der Chinese so weiter, dürfte der erste Titel wohl wirklich nur noch ein paar Millimeter weit weg sein.

2. Luca Brecel

Wie oft und wie lange hat man bereits darüber geredet, was für ein Riesentalent dieser Luca Brecel ist? Man war sich sicher, der wird auf der Main Tour alles kurz und klein spielen. Es kam anders, auch weil der Belgier merkte, dass es harte Arbeit benötigt, sich unter den Profis zu behaupten. Jahr für Jahr arbeitete sich Brecel ein Stück weiter nach oben und ist nun unter den Top-Stars angekommen. Nicht zuletzt mit seinem Sieg bei der China Championship hat der 22-jährige auch den letzten Schritt gemacht. Sogar in den Top 16 ist er nun angekommen und wird daher im Januar beim Masters sein Debüt feiern. Das erfolgreiche Jahr 2016 hat Brecel auf jeden Fall nochmal getoppt. Was wohl 2018 folgt?

1. Yan Bingtao

Die zweifellos größte Entwicklung hat in diesem Jahr aber Yan Bingtao gemacht. Denkbar knapp verpasste er bei den Northern Ireland Open seinen ersten Titel, womit er jüngster Gewinner eines Ranglistenturniers überhaupt geworden wäre. Diese Marke ist nun aufgrund der verpassten Qualifikation für Berlin nicht mehr erreichbar, aber trotzdem hat der Chinese ein grandioses Jahr gespielt. Im Januar noch auf Rang 70 platziert, ging es 44 Plätze nach oben bis zur Nummer 26. Was sich beim Überraschungstriumph mit Zhou Yuelong beim World Cup 2015 angedeutet hat, ist mittlerweile Realität: Yan Bingtao wird die nächsten Jahre im Snooker mitbestimmen.

Die Absteiger des Jahres

5. Neil Robertson

Ich weiß, ich weiß: Da gewinnt der Neil Robertson gerade die Scottish Open und ich führe ihn trotzdem als Absteiger auf. Ürsprünglich hatte ich hier Ricky Walden zu stehen, aber ich habe mich doch für den schlafmützigen Australier entschieden. Denn alles in allem war das sportliche Jahr für den Weltmeister von 2010 arg mau. Auf den letzten Drücker verhinderte er das erste titellose (Turniere mit Ranglistenpunkten) Jahr seit 2005 und schaffte zum Jahresende gerade so die Rückkehr in die Top 16. Robertson wird das Masters verpassen, da er aus diesem Elitekreis zwischendrin herausgefallen war. Zum Jahresanfang noch auf Rang 7, ging es im Laufe des Jahres immer weiter runter. Die Form schwankte stärker als Jimmy White nach einer Cocktail-Party. Ob der Sieg in Glasgow die Wende eingeläutet hat, bleibt abzuwarten. Mut macht zudem, dass die privaten Probleme (Depression bei seiner Lebensgefährtin Mille), die mit verantwortlich für die sportlichen Leistungen Robertsons waren, nun wohl behoben sind.

4. Gary Wilson

Der Engländer hat seine Finalform aus Peking (2015) längst verloren. Bis in die Top 32 hatte ihn dieser Finaleinzug sowie ein paar weitere solide Turniere gebracht, doch letztlich sollte es wohl ein Strohfeuer bleiben. Größte Erfolge in 2017 sind das Viertelfinale in Fürth und das erstmalige Erreichen der WM-Hauptrunde, ansonsten finden sich erstaunlich wenige Highlights in den vergangenen 12 Monaten. Die Folge ist, dass Wilson derzeit nur auf Platz 54 der Weltrangliste geführt wird und sich fragen muss, warum es nicht läuft. Zuletzt zeigte die Formkurve wieder leicht nach oben, was Grund zur Hoffnung ist.

3. Matthew Selt

Auch der "King of the Block" stand Ende letzten Jahres noch in den Top 32 der Weltrangliste, muss sich derzeit aber mit Platz 45 begnügen, Tendenz absteigend. Spätestens in der Runde der letzten 32 war für Selt jedes Turnier in diesem Jahr beendet, das letzte Achtelfinale datiert mit Juli 2016 (World Open). Zu oft fehlen dem Engländer in der entscheidenden Phase eines Matches die spielerischen Mittel, um das Ergebnis über die Ziellinie zu retten. Spätestens Ende der nächsten Saison wird er dadurch aber auch um seine Profikarriere bangen müssen.

2. Joe Perry

Eigentlich ist es schlimm, dass ich den Finalisten des Masters 2017 hier unter den Absteigern nennen muss, doch Perry kann auf kein besonders erfolgreiches Jahr zurückblicken. Nach zwei ausgesprochen guten Jahren, die ihn in die Top 8 der Weltrangliste gebracht hatten, tauchte der Engländer dieses Jahr immer mehr ab. Drei Mal reichte es noch für den Viertelfinaleinzug, doch trotzdem verlor Perry 13 Ränge und steht derzeit nur noch auf Platz 22. Der Anspruch für den Sieger der Players Championship 2015 sollte inzwischen deutlich höher sein, als er dieses Jahr gezeigt hat.

1. Thepchaiya Un-Nooh

Und hier haben wir nochmal jemanden, der im Oktober letzten Jahres noch in den Top 32 der Weltrangliste vertreten war und nach zwei vielversprechenden Jahren als künftiger Top-Spieler gehandelt wurde. Doch der Thailänder erlebte 2017 einen unvergleichlichen Absturz. Um 24 Plätze ging es von der 33 schon auf die 57 runter, in der provisorischen Saisonendliste steht er sogar nur auf Platz 61. Das heißt, dass Un-Nooh tatsächlich zu Beginn des nächsten Jahres voll drin ist im Kampf um die Main-Tour-Plätze. Letztlich reicht es halt nicht, wenn man nur bei der 6-Reds-WM gut spielt. Der Thailänder muss 2018 die Kurve kriegen, sonst war es das vorerst mit der Profi-Karriere.

Die Spieler des Jahres

5. John Higgins

Der Name war ja schon in den Ereignissen des Jahres zu finden (die anderen beiden tauchen auch noch auf), doch man kommt dieses Jahr wieder mal nicht um John Higgins herum, wenn es um die besten Spieler des Jahres geht. Im Abstand von 19 Jahren seit dem ersten Endspiel wieder ein WM-Finale zu erreichen, ist schon eine besondere Leistung. Hinzu kommen die Titel in der Championship League, in Indien und ein mehr als solider Herbst. Nur Selby, O'Sullivan und Trump (der die Top 5 dieser Liste knapp verpasst hat) haben in 2017 mehr Preisgeld geholt als der Schotte. Wenn das so weitergeht, ist hier ein Karriereende noch lange nicht in Sicht.

4. Luca Brecel

Manchmal ist der Übergang zwischen Aufsteigern und Spielern des Jahres halt fließend und so taucht hier tatsächlich ein Name mehrfach auf. Luca Brecel erfüllte in diesem Jahr endlich die seit seinem Profistart hohen Erwartungen. Der Titel in Guangzhou dürfte wie ein Befreiungsschlag für den Belgier gewirkt haben, der zwei weitere Halbfinals bei den World Open und dem Champion of Champions folgen ließ. Nur Ronnie O'Sullivan sammelte bisher mehr Preisgeld in der laufenden Saison. Spielt Brecel auf diesem Niveau weiter, wird er die nächsten Jahre aus der Weltspitze nicht wegzudenken sein.

3. Mark Williams

Der Waliser ist für mich ein kleines Phänomen. Da denkt er nach der WM 2017 (er verpasste die Qualifikation) über ein Karriereende nach, nur um ein paar Monate später wieder unter den Top 10 der Weltrangliste und mit seinem ersten Ranglistentitel seit über sechs Jahren dazustehen. Williams spielte eine beeindruckend solide Saison, gerade wenn man bedenkt, dass er erst noch von seiner Frau zum Weiterspielen überredet werden musste. Dass diese nun gesundheitliche Probleme hat und das Jahresende für den ewig grammatikfeindlichen Ex-Weltmeister so stressig macht, kommt da natürlich ungelegen. Aber dennoch, das Jahr 2017 war in sportlicher Hinsicht grandios.

2. Mark Selby

Alle Jahre wieder dieser Mark Selby. Berücksichtigt man nur das Preisgeld, müsste man wohl den Jester aus Leicester wieder als Spieler des Jahres nehmen, denn keiner holte mehr davon in diesem Jahr. Großen Anteil daran hat natürlich seine WM-Titelverteidigung, weshalb ich da noch einen anderen Spieler vorne sehe. Drei Titel sprangen dieses Jahr heraus, gleichzeitig zeigte Selby aber auch, dass er nicht unangreifbar ist. Sein Vorsprung in der Weltrangliste ist natürlich weiterhin exorbitant hoch, was wohl auch eine ganze Weile noch so bleiben wird. Selbst zum Saisonende wird Selby immer noch über eine Million an Preisgeld auf dem Konto haben. Ob die Dominanz im nächsten Jahr durchbrochen werden kann, bezweifel ich doch stark.

1. Ronnie O'Sullivan

Einer, der das vielleicht schaffen könnte, ist für mich der Spieler des Jahres. Dazu müsste Ronnie O'Sullivan zwar vermutlich mehr Turniere spielen, aber die Möglichkeiten dazu sind da. Das sieht man schon alleine daran, wie er die letzten drei Monate des Jahres dominiert hat. Drei zum Teil krachende Turniersiege in Barnsley, Shanghai und York reichen, damit der Exzentriker das zweitmeiste Preisgeld des Jahres holt. Hatte O'Sullivan in den letzten beiden Jahren ein wenig seinen Mythos der Unbesiegbarkeit eingebüßt, lehrt er die Konkurrenz derzeit wieder das Fürchten. Sportlich über jeden Zweifel erhaben, fallen seine ständigen Eskapaden dann natürlich noch negativer auf. Fakt aber bleibt: Nimmt Ronnie O'Sullivan an einem Turnier teil, gibt es im Moment sehr wenige Spieler, die ihm etwas anhaben könnten.

So, das war jetzt glaube ich einer der längsten Einträge, den ich je verfasst habe. Ich hoffe natürlich, er ist trotzdem lesenswert und hat dafür gesorgt, dass ihr das vergangene Jahr nochmal ganz in Ruhe Revue passieren lassen konntet. In diesem Sinne wünsche ich euch ein frohes Weihnachtsfest, einen guten Rutsch und ein ganz famoses Jahr 2018.

Comments are disabled for this post.

0 comments