G0ten's Blog

Schottische Erfahrungen (Gastblog)

Goten - 14. Dezember 2017 - Turnierberichte

Auch in diesem Jahr war ich wieder als Zuschauer bei der ersten Runde der Scottish Open in Glasgow, wo es dieses Mal jeweils ein Match mit Deutscher und Schweizer Beteiligung gab. Ich habe mir selbstverständlich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, beide Matches zu besuchen, die für viele deutschsprachige Zuschauer von besonderem Interesse gewesen sein dürften, die aber vermutlich nur wenige verfolgen konnten.

Ich hatte mich für beide Partien extra nicht ganz nach vorne gesetzt, um eine bessere Perspektive auf den Tisch zu haben. Trotzdem waren Winkel für mich nicht immer eindeutig erkennbar, gerade was den unteren Teil des Tisches angeht. Einschätzungen zu Winkeln etc. sind daher nur unter Vorbehalt.

Der Schweizer Alexander Ursenbacher traf am Montagmittag auf David Grace, und es war ein wirklich schönes Match mit einem höheren Break in jedem Frame.

Als ich im ersten Frame dazukomme, führt Grace bereits und macht auch kurz darauf mit einer 68 den 1. Frame sicher. Sein Spielfluss ist sehr schön und es macht wirklich Spaß, ihm zuzusehen.

Der 2. Frame droht zu Beginn endlos zu werden. Nachdem Ursenbacher einen heftigen Snooker gelegt hat, scheint er zunächst im Vorteil. Es ergibt sich in der Folge jedoch kein Einsteiger für ihn, obwohl der Tisch früh offen ist. Die beiden schaffen es aber sehr schnell, diesen offenen Tisch in einen Albtraum zu verwandeln und die meisten Roten an Kopfbande und rechte lange Bande zu legen. Grace gelingt es irgendwie, daraus ein 27er Break und gleichzeitig etwas Ordnung auf dem Tisch zu machen, dann ist Schluss. Ich richte mich schon auf Überstunden ein, aber dann räumt Ursenbacher mit einer beeindruckenden 97er Clearance den Tisch ab und macht den Ausgleich. Dabei müssen u.a. zwei Rote und Braun erst von der Bande gelöst werden.

Grace antwortet mit einer schönen 118er Clearance, bei der er anfangs ebenfalls einige unangenehme Bälle bewältigen muss, und im nächsten Frame mit einer 123. Es hätte sogar eine Total Clearance werden können, wenn Schwarz am Ende noch gefallen wäre.

Auch im 5. Frame hat Grace eh man sich versieht schon wieder ein 72er Break gespielt. Ursenbacher kommt zwar nochmal an den Tisch, kann aber nichts mehr ausrichten. Soweit ich das beurteilen kann, hat er nicht viel falsch gemacht, ist keine unnötig hohen Risiken eingegangen. Aber David Grace schien in diesem Spiel einfach alles zu gelingen. Es war eine Freude, hierbei zuzuschauen, und auch Ursenbacher scheint seinen Tweets zufolge nicht mit dem Spielverlauf zu hadern.

Die Partie zwischen Lukas Kleckers und Joe Swail am Dienstagmorgen war gänzlich anderer Natur und - ehrlich gesagt - zum Zuschauen sehr anstrengend. Nachdem Kleckers bei den letzten Turnieren das Pech hatte, schon in der ersten Runde auf einen Top16-Spieler zu treffen, richteten sich die Hoffnungen vieler Fans auf das Erstrundenmatch in Glasgow, das immerhin als machbare Aufgabe angesehen wurde. Ich selbst habe bisher noch keinen der beiden oft spielen sehen, aber ich glaube, dass Swail einen guten und Kleckers einen schlechten Tag erwischt hatte.

Im ersten Frame haben beide offenbar etwas Mühe, ins Spiel zu finden. Kleckers sammelt einige Foulpunkte durch einen selbstgelegten Snooker von Swail, lässt dann aber einen leichten Einsteiger liegen, und Swail ist am Zug. Bei 12 Punkten verschießt dieser Rot auf die rechte Ecktasche, aber zum Pech für Kleckers fällt sie noch als Fluke in die linke, und das Break geht weiter. Doch auch Swail hat Pech, als ihm der Spielball fällt. Mit Ball in Hand kommt Kleckers wieder ins Spiel. Er erarbeitet sich durch einen schweren Snooker hinter Grün und gute Safeties einige weitere Foulpunkte und Chancen, denen jedoch keine höheren Breaks folgen. So kann er z. B. die vorletzte Rote nicht von der Kopfbande lösen. Nach einer Safety hinter den kleinen Farben gelingt Swail trotzdem ein langer Einsteiger. Als Kleckers schon Snooker benötigt, kämpft er erfolgreich um Foulpunkte und legt einen schönen Snooker nach dem anderen. Aber ein Gegensnooker von Swail bringt diesem schließlich wieder einen Einsteiger und den ersten Frame.

Im zweiten Frame ist Klecker zunächst im Break, verschießt aber nach 23 Punkten eine Rote auf die Mitteltasche. Diese bleibt unglücklicherweise als Einsteiger für Swail liegen. Kleckers bekommt zwar im Folgenden noch eine Chance, aber mit einem Break von 28 Punkten macht Swail den Frame sicher.

Im dritten Frame hat Kleckers ein bisschen Pech, als er eine eigentlich gute Safety hinter die kleinen Farben spielt. Die linke Ecktasche ist durch Schwarz blockiert, daher sind die meisten Roten nicht lochbar. Aus meiner Perspektive sieht es außerdem so aus, als sei die einzige Rote auf die rechte Ecktasche zumindest teilweise abgedeckt, aber Swail locht sie dennoch quer über den Tisch und macht aus dieser Chance mit seinem zweiten 56er Break den Frame sicher. Das ist nicht der erste lange Ball von ihm, und ich habe den Eindruck, dass ihm die Long-Pots in diesem Match überhaupt gut gelingen. Bei kürzeren Bällen mit unbequemen Winkeln scheint er mehr Schwierigkeiten zu haben. Kleckers dagegen hat mit langen Einsteigern weniger Erfolg, und auch die  Safeties reichen für das Spiel von Swail zunehmend nicht aus.

Im vierten Frame verschießt Swail im Break bei 42 Punkten, aber lässt keinen Einsteiger liegen. Kleckers legt den Spielball hinter den kleinen Farben sicher ab, bekommt kurz darauf einen kurzen Einsteiger, locht diesen, hat aber einen schweren Winkel auf Schwarz. Leider verschießt er diese dann auch und lässt einen Einsteiger für Swail liegen. Bei 66:1 Punkten kommt Kleckers nochmal an den Tisch und locht ein tolles Double auf die Mitteltasche. Fast fällt dabei auch noch der Spielball, und es gibt keine Fortsetzung, aber er steigt sicher aus. Bei der nächsten Chance verschießt er jedoch und lässt zudem einen Einsteiger für Swail liegen, der daraufhin Frame und Match holt.

Nach meinem persönlichen Eindruck war es ein unangenehmes Match für beide, aber Swail wurde zunehmend sicherer, v.a. gelangen ihm mehr (lange) Einsteiger. Für schwere Snooker, sowohl die von Kleckers als auch die selbstgelegten, schien er durchaus anfällig. Wenn überhaupt, hätte hier evtl. die Chance bestehen können, ihn unter Druck zu setzen. Im ersten Frame schienen mir daher die Chancen für Kleckers noch am besten zu sein, selbst als er schon Snooker brauchte.

Sowohl für Alexander Ursenbacher als auch für Lukas Kleckers ist damit das Turnier leider bereits in der ersten Runde zu Ende.  Als nächstes steht die Qualifikation zum German Masters an, und dafür wünsche ich beiden Spielern viel Erfolg!

(@briglexuc)

Die Autorin ist überzeugte Rheinländerin und in den Gebieten Philologie und Musik zu Hause. Snookerfan ist sie seit dem Masters 2010.

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